Ausgabe Nummer 33 (2005)
Das unternehmerische Geheimrezept ? kennen Sie es?
Das unternehmerische Geheimrezept ? kennen Sie es?
Gibt es ein Rezept für erfolgreiches Bauern? ? Ja es gibts, aber es ist nicht greifbar, sichtbar oder hörbar und es ist auch nicht käuflich. Leider ist es auch fast nicht mit Worten beschreibbar. Es gibt zwar viele zum Teil schon «abgedroschene» Modewörter dafür wie Zusammenarbeit, gemeinsames Vorgehen, Fairness, Partnerschaft oder unternehmerisches Denken. «Abgedroschene Modewörter»? Ja ! ? Jedem stinkts schon nur, wenn er etwas davon hört. Trotzdem ? lesen Sie einmal weiter ? es geht um Teamgeist und Fairness.
Teamgeist pflegen im Betrieb
Unser Team im Bauernbetrieb ist in der Regel der Landwirt und seine Partnerin und dazu oft die Kinder. Was die Pflege des Teamgeistes angeht und was man dafür selber tun muss, schildern Christoph und Gisela Schneider im Interview eindrücklich. Was steckt dazu betrieblich dahinter? ? Es sind Tagesprobleme und auch grössere Ideen und Projekte da, die gelöst beziehungsweise umgesetzt werden sollen. ? Daraus ergeben sich immer grosse oder kleine Entscheide, die gefällt werden müssen. Sind sich alle einig, läuft es wie geschmiert ? gehen die Vorstellungen aber auseinander, dann krachts, und es läuft nichts oder nichts mehr. Meistens ist nicht das Problem zu gross oder die Idee falsch, sondern die Vorstellungen der einzelnen Beteiligten vom Ergebnis sind nicht klar.
Zum Beispiel: Gespräch am Zmorgetisch ? Er: «Wir mähen heute Heugras, das Wetter ist schön!» ? Sie: «Muss das heute sein, das Wetter ist ja länger gut!» ? Das Problem ist nicht das Heugrasmähen, sondern die unterschiedlichen Vorstellungen über die Wetterentwicklung oder ein anderes persönliches Tagesprogramm. Gibt es deswegen nur Krach, dann wird die Arbeit sicher nicht speditiv und zeitgerecht erledigt.
Besser ist, wenn sie und er ganz automatisch schnell die unterschiedlichen Vorstellungen austauschen, abwägen und ein gemeinsam tragbarer Entscheid gefällt wird. Lebenswichtig für den Hof ist dieser Ablauf dann, wenn es um grosse Fragen, wie Bauinvestitionen oder teure Maschinen geht, welche über zehn bis zwanzig und mehr Jahre die Zukunft des Betriebes prägen. Wenn dabei das Paar nicht am gleichen Strick zieht, ist der Betrieb schnell in Gefahr. ? Der Teamgeist, in diesem Fall gleichzusetzen mit Partnerschaft ist lebenswichtig. Sich selber nur mit «Doping» zu Höchstleistungen zu motivieren und vom Morgen bis am Abend zu «krampfen» fördert den Teamgeist in der Familie überhaupt nicht.
Erfolgreich Bauer sein heisst:
«Teamgeist auf dem Hof» und «Fairness im Geschäft».
Der Teamgeist braucht eine Leitidee ? eine Vision
Auf den meisten Bauernhöfen sind nur ein bis zwei Arbeitskräfte tätig. Meist ist es eine Familie. Oft meint man, es sei zu zweit entsprechend leichter zu entscheiden. Doch die Betriebe werden grösser und das Einkommen knapper. Damit nimmt oft der Stress zu, und so leidet gern die gemeinsame Absprache. Umso wichtiger wird es, dass sich Mann und Frau gut verstehen. Es erweist sich als sehr hilfreich, wenn für die ganze Familie klar ist, was die gemeinsamen Ziele sind. Genauso wie in einem Sportteam ist es im Betrieb ? jeder und jede muss wissen, was im Wettkampf das Ziel und das gemeinsame strategische Vorgehen ist.
Zum Beispiel, ob die Familie ihr Einkommen mit Milchkühen verdienen will oder mit Gemüsebau, oder ob Frau oder Mann einer Auswärtsarbeit nachgehen und auf dem Hof nicht mehr so viel investiert werden soll. Das sind strategische Grundfragen, die, wenn sie gemeinsam geklärt sind, sehr viel helfen für alle weiteren Entscheide im Betrieb. Passt die Strategie zusammen mit den Lebensvisionen des Betriebsleiterpaares, das heisst ihren Vorstellungen vom Leben und der Arbeit, dann ist der Erfolg «fast programmiert», weil alle mit voller Energie am gleichen Strick ziehen.
Fairness im Geschäft
Erfolgreich Bauer sein heisst heute auch, mit Lieferanten und Abnehmern umgehen können. Das leuchtet ein, wenn wir bedenken, dass von den betrieblichen Einnahmen zwei Drittel bis drei Viertel die Kasse als Betriebsausgaben wieder verlassen. Nur jeder dritte bis jeder vierte Franken bleibt als Familieneinkommen zurück. Ob das dann für die Zukunft genügt, hängt vom geschäftlichen Geschick ab.
Das «Geschäften» mit andern ? vom Landmaschinenhändler bis zum Einkäufer der Landi sind es viele, die beim Bauern gerne Halt machen ? ist eine Gratwanderung zwischen scharfem Rechnen und Verhandeln mit den einen und grosszügig sein bei den andern. Handeln will gelernt sein. Hart, aber fair soll es her und zugehen ? ebenfalls genau wie im Sport.
Härte ist nicht falsch. Man soll den Geschäftspartnern durchaus auch Qualität, Preiswürdigkeit und Serviceleistungen abverlangen. Wer etwas verkaufen will, soll etwas bieten fürs Geld. Wer Interesse hat an einem Produkt vom Hof soll auch einen vernünftigen Preis bezahlen. Diesen Preis muss der Landwirt durchsetzen. «Fouls» machen, das heisst den andern kurzfristig übers Ohr hauen, bringt jedoch längerfristig wenig Erfolg. Immer mehr müssen wir uns mit Berufskollegen zusammentun. Daraus gibt sich mehr Stärke beim Verhandeln im Verkauf und auch beim Einkauf.
Aktuelles Beispiel: Produzentenorganisation (PO) oder Produzenten Milchverwerterorganisation (PMO) für den Milchverkauf. Aber gerade hier muss der Einzelne auch einmal zurückstehen können, Kompromisse eingehen können.
«Fairness» heisst das Zauberwort im Geschäft. ? Zu guter Letzt die einfache Formel: «Wo der Teamgeist lebt, lebt auch die Fairness» ? machen Sie die Probe im Alltag.
