Ausgabe Nummer 49 (2006)

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Das Weinjahr 2006 im Kanton Thurgau

Der 06-er hätte nach 2003 erneut ein absoluter Spitzenjahrgang werden können, wäre da nicht der August gewesen, welcher mit häufigen und zum Teil ergiebigen Niederschlägen bei zu tiefen Temperaturen einen dicken Strich durch die Rechnung der Weinbauern gemacht hat! Bei den später reifenden Sorten konnte aber doch noch eine sehr gute Ernte eingebracht werden.

Ein langer und regelmässig kalter Winter von November 2005 bis Mitte März 2006
Kaum hatte der Herbstwind die letzten Blätter von den Rebstöcken weggeblasen, wurde es frostig und winterlich, und so blieb es bis zum Jahresende. In den letzten Dezembertagen wurde es bitter kalt und Pulverschnee verzauberte Wiesen und Felder in eine Märchenlandschaft. Doch, wie so oft, taute an Silvester der ganze Zauber wieder weg.
Schon bald kehrte der Dauerfrost zurück und hielt bis anfangs Februar. Dank extrem niedrigem Wasserstand fror sogar der Untersee nach 20 Jahren wieder einmal zu, man konnte ihn zu Fuss überqueren. Leider verdarb ein Wärmeeinbruch das Vergnügen, und so schnell wie das Eis gewachsen war, schmolz es auch wieder dahin! In der Folge wurde es nochmals kalt bis Mitte März, mit heftigen Schneefällen in den ersten Märztagen, mit bis zu >50cm Neuschnee, Chaos auf Strassen und Schienen und gefährlichen Dachlawinen!

Nach schwierigen Bedingungen nach dem Austrieb folgte ein Traumsommer
Bei frühlingshaften Temperaturen erwachten die Reben fristgerecht Ende April aus dem Winterschlaf. Es folgte eine schwierige erste Phase der Vegetation, denn es war alles andere als ein ?holder Mai?: Viel zu kühl und nass, sodass schon bald ein starker Mehltaudruck da war. Die Schlechtwetter ? Periode schien ewig zu dauern, und erst ab dem 9.Juni, pünktlich zum grossen Arenenberger Jubiläum, kam der Sommer übers Land und entschädigte alle, welche so sehnlich darauf gewartet hatten, nicht zuletzt auch die Reben. In den darauffolgenden Wochen reihte sich ein Hitzetag an den anderen, man konnte die Reben förmlich wachsen hören, vor allem aber sehen. Die Laubarbeit nahm die Rebleute voll in Anspruch, doch es war eine Freude, die gesunden und sattgrünen Reben gedeihen zu sehen.
Die Rebenblüte begann kurz nach Mitte Juni bei idealen äusseren Bedingungen. Nach 5-6 Tagen war der ganze Spuk bereits vorüber. Die Trauben entwickelten sich rasant, so dass 10 Tage nach Blühende schon hängende Trauben zu beobachten waren und sich Ende Juli der Traubenschluss vollzog.

Im August leider keine Spur mehr von Hochsommer...
Nach dem Traubenschluss beginnt normalerweise die Reifephase. Diese trat jedoch zögerlich ein, denn ab dem 1.August war es mit dem Sommer vorbei. Kälte und Nässe machten den bis dahin fröhlich gedeihenden Reben zu schaffen! Der ganze erwirtschaftete Vegetationsvorsprung von gegen 14 Tagen schmolz im Nu dahin, die Trauben schienen still zu stehen und der Farbumschlag liess auf sich warten! Über die Wurzeln gelangte nochmals viel Wasser in die Trauben, welche prall und schwer wurden. Lahmstieler, Traubenwelke und geplatzte Beeren im Traubeninnern waren die Folge davon. Der Farbumschlag erfolgte nur zögerlich und die Weinbauern wurden langsam ungeduldig, denn es wollte sich keine stabile Wetterlage einstellen. Doch dann kam sie doch noch, jedoch erst mit dem Monatswechsel!

Endlich: im September wird?s nochmals Sommer...
Ende August war der Behang vielerorts noch viel zu hoch und musste dringend reguliert werden. Insbesondere beim Klon Mariafeld erwies sich dies als besonders schwierig, da es zu diesem Zeitpunkt bereits sehr viele Lahmstieler hatte. Diese Reben hatten extrem auf das unbeständige Augustwetter reagiert! Der Zuckergehalt der Trauben stieg nun stetig an und erreichte Mitte September beim Müller Thurgau etwa 65°Oechsle und beim Blauburgunder rund 80°Oechsle.

Fäulnisbedingter Lesebeginn beim Müller Thurgau
Die ersten Trauben wurden um den 20. September am Untersee gelesen, denn ab Mitte Monat zeigte sich das Wetter erneut unbeständig und Fäulnis machte sich breit. Ausserdem förderten Wespen und hungrige Bienen sowie milde Nachttemperaturen die Bildung von Essigbeeren, was den Wümmet auch nicht einfacher machte.
Insgesamt darf man mit der Weissweinernte mengenmässig, aber nicht überall mit der Qualität zufrieden sein. Gesamthaft wurden rund 470?000 kg Müller Thurgau mit einer Durchschnittsgradation von 73°Oechsle geerntet.

Der ?Altweibersommer? war den späteren Sorten wohlgesinnt
Ein goldener Oktober mit viel Sonnenschein und etlichen Föhntagen entschädigte die Sonnenanbeter für vieles. Das Reblaub zeigte sich immer noch sattgrün, man konnte kaum ein verfärbtes Blatt erkennen. Die Hauptlese begann beim Blauburgunder und den Spezialitäten um den 10. Oktober. Von Tag zu Tag stiegen die Oechslewerte nochmals an und erreichten je nach Lage in den letzten Lesetagen gegen 100°Oechsle! Gesamthaft wurden rund 925"000 kg Blauburgunder Trauben mit einem Qualitätsmittel von 86°Oechsle gelesen.
Die jungen Weine ? soweit man dies im Augenblick beurteilen kann ? präsentieren sich fruchtbetont und sortentypisch bei den Weissen sowie charaktervoll und mit guter Farbe bei den Roten.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle für Obst- und Rebbau, Michael Polich


Zahlen der Weinlese 2006 im Thurgau (mp)

Traubensorten Farbe Ernte in kg Ertrag in g/m2 Zuckergehalt in °Oe
Blauburgunder Rotwein 923941 572 86°
Chardonnay Weisswein 7467 389 84°
Dornfelder Rotwein 9659 678 77°
Garanoir Rotwein 32576 674 76°
Gewürztraminer Weisswein 9462 595 87°
Kerner Weisswein 3952 642 84°
Léon Millot Rotwein 7918 415 84°
Maréchal Foch Rotwein 12165 575 84°
Müller-Thurgau Weisswein 471967 754 73°
Pinot gris Weisswein 22464 616 84°
Regent Rotwein 30407 628 82°
Sauvignon blanc Weisswein 10121 490 82°
Seyval blanc Weisswein 8013 709 80°
Zweigelt Rotwein 6329 561 81°
Übrige Sorten 54507
Total Rotwein 1048297 564
Total Weisswein 562651 705
Total Rot- und Weisswein 1610948 607


Am Iselisberg Mitte September 2006 (ro)
Am Iselisberg Mitte September 2006 (ro)