Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. September 2018


Deckungsbeitrag unter der Lupe - worauf achten?

Ausgabe Nummer 50 (2015)

Der Deckungsbeitrag ist eine einfache Möglichkeit, sich mit der eigenen Buchhaltung vertraut zu machen. Was auf den ersten Blick weniger eindeutig erscheint, die Auseinandersetzung mit den eigenen Zahlen leistet einen Betrag nach dem Wunsch von «mehr Lebensqualität » oder «weniger Stress». Da das Jahr 2014 sehr gute Resultate lieferte, ist es umso wichtiger, die eigenen Ergebnisse über mehrere Jahre einzuordnen.

Warum soll ich mich mit dem Deckungsbeitrag abgeben?
Bevor man sich intensiv mit Zahlen auseinander setzt, sollte man sich vor Augen führen, warum man den Aufwand auf sich nimmt. Fragt man Betriebsleiterfamilien eingehend nach ihren Zielen, so folgen Antworten wie zum Beispiel «mehr Lebensqualität», «genügend Einkommen», «weniger Arbeitsbelastung », «weniger Stress», «ein Wochenende frei» oder «mehr Zeit für die Kinder».
Ist man sich dem wirklichen Beweggrund bewusst, fällt es viel leichter, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die einem – wie die Buchhaltung analysieren – weniger liegen.
Beinhaltet zum Beispiel das Ziel «mehr Lebensqualität – weniger Stress» die Themen wie «genügend Einkommen erwirtschaften» oder «Rechnungen bezahlen können», so ist eine Voraussetzung dafür, einen Überblick über die finanzielle Situation des Betriebes zu haben. Wo kommt am meisten Geld herein? Wo habe ich im Verhältnis zu hohe Kosten? Setze ich meine Arbeit unter anderem dort ein, wo die grössten Einkommensblöcke sind oder ich den grössten Einfluss auf die Kosten habe? Setze ich meine Zeit dort ein, wo es für mich wirklich Lebensqualität bedeutet oder meinen Stress reduziert?
Selbstverständlich können auch andere Auswertungen wie zum Beispiel diejenige des Zuchtverbandes genutzt werden. Allerdings stehen diese Daten nicht jedem Betrieb zur Verfügung. Zudem muss man sich immer wieder bewusst werden, welche Aktivitäten die grösste Wirkung auf meine obersten Ziele haben oder Informationen dazu liefern.
Für den Einstieg in die eigene Buchhaltung eignet sich der Deckungsbeitrag sehr gut. Er hilft die verschiedenen Betriebszweige einzuschätzen und gibt erste Informationen über wichtige Einnahmen und Kostenpositionen. Werden die Deckungsbeiträge in einer Buchhaltung nicht separat ausgewiesen, kann im Milchviehbereich mit Hilfe des «Kostenrechners der SMP» der Deckungsbeitrag selber berechnet und verglichen werden.

Mehrjahresvergleich: 2014 richtig einschätzen
In vielen Bereichen war das Jahr 2014 ein ausgezeichnetes Jahr. Damit man sein eigenes Bauchgefühl für den Betrieb gut eichen kann, ist es wichtig, die Ergebnisse der drei letzten Jahre über mehrere Jahre einzuordnen (siehe Grafik). Die Grafik zeigt den Deckungsbeitrag Milch von 2003 bis 2014 (grün), mit den Leistungen (blau), Aufwände (rot) und den DB der besten und schlechtesten 25 % der Betriebe (schwarz). Die Aufwände haben sich in den letzten Jahren bei 1400 bis 1500 Franken/GVE eingependelt; höhere Kosten müssten eine Begründung haben. Hohe Leistungen (Verkauf an Milch und Tieren) tragen wesentlich zu einem guten Ergebnis bei. Der Deckungsbeitrag gibt Auskunft über die Produktion, jedoch nicht über die dazu notwendigen Strukturen (Arbeit, Gebäude, Maschinen ...). Doch schon dieser Wert zeigt: die Differenz zwischen den besten 25 % und den schlechtesten 25 % hat sich seit 2003 von 1500 Franken auf fast 1700 Franken in 2014 erhöht. Multipliziert man nur einen Teil dieses Betrages mit den heutigen Beständen von 30, 50 oder mehr Kühen, so könnte damit ein Teil des Privatverbrauchs oder der wegfallenden Direktzahlungen kompensiert werden.
Die Buchhaltung als Hilfsmittel für mehr Lebensqualität oder weniger Stress zu nutzen ist wohl ungewohnt. Es gibt jedoch mehr Sicherheit, eine klare Ausgangslage und besseres Wissen wo man seine Arbeitszeit und sein Engagement einsetzen soll.


BBZ Arenenberg,
Jenifer van der Maas










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