Ausgabe Nummer 4 (2004)

zurück zur Übersicht

Den weniger unsicheren Weg gewählt

Neuorientierung: Spezialkulturen und Nebenerwerb statt Milch

 

Den weniger unsicheren Weg gewählt

 
Seit bald 17 Jahren arbeitet Landwirt Peter Ausderau aus Bussnang bereits als Briefträger. Vor einem Jahr stieg der Betriebsleiter nun aus der Milchwirtschaft aus, dafür wurde in den Betriebszweig Tabak investiert.

«Plötzlich stand eines Morgens der Posthalter vor der Tür und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, als Briefträger zu arbeiten», erzählt Peter Ausderau. Das war 1986. Seither arbeitet der Bussnanger Landwirt als nebenamtlicher Briefträger. Bis Ende letzten Jahres jeweils von 8 bis 10 Uhr an fünf Tagen, sowie jeden zweiten Samstag, seit Anfang Jahr nun von sieben bis zehn Uhr. «Dies entspricht in etwa einer 40-Prozent-Stelle», macht Peter Ausderau klar.

Mutter- statt Milchkühe. Der neue Betriebszweig brachte bauliche Anpassungen und
etwas Investitionen mit sich.

Die Siedlung Tannerwies an der Strasse Bussnang?Amlikon wurde 1968 von Peter Ausderaus Vater erstellt. 1988 haben Peter und Ehefrau Ursi Ausderau-Schmid den Betrieb gepachtet, zehn Jahre später schliesslich gänzlich übernommen. Der Nebenerwerb hat eine langjährige Tradition auf dem Betrieb; Peter Ausderaus Vater war lange Jahre als Liegenschaftenschätzer tätig. Seit langem gehört auch der Tabakanbau zum Hof. 1976 wurde in eine Tabakscheune investiert, die Mitte der 90er-Jahre vergrössert wurde. Mittlerweile wird auf 1,4 Hektaren Burley-Tabak angebaut.

Der zu Ballen zusammengebundene, sortierte Tabak steht bereit zum Verkauf: Ursi und Peter Ausderau wollen den Tabak als Spezialkultur weiterhin pflegen. (hil)

Milchproduktion eingestellt
Bis zum Ende des letzten Milchjahres gehörte nebst dem Ackerbau auch die Milchproduktion zu Ausderaus Betrieb. Dann wurde dieser Bereich aufgegeben. Warum? «Mein Vater, der jeweils den Stall fertig machte, sobald ich auf Tour war, ist mittlerweile über 70 Jahre alt, und es stellte sich die Frage, wer dann diese Arbeit machen wird, wenn er es einmal nicht mehr kann», schildert Peter Ausderau die Situation. Die Weiche «Post oder Milch» stellte Peter Ausderau schliesslich auf «Post».
Mit rund 90 000 Kilogramm Kontingent hatte der Betrieb eine kritische Grösse im unsicheren Milchmarkt. «Auch wenn bei der Post vieles in der Schwebe ist, wären für uns Investitionen in die Milchproduktion viel unsicherer gewesen», erklärt Peter Ausderau. Der Zustellrayon der Post Bussnang hat sich in den letzten Jahren ständig ausgeweitet, sodass mittlerweile vier Briefträgerinnen und Briefträger beschäftigt werden. Peter Ausderau geht daher davon aus, dass sein Nebenerwerb auf die nächsten Jahre hinaus gesichert ist.
Zwar wurde auch geprüft, die Milchwirtschaft in eine Betriebszweiggemeinschaft einzubringen, doch wurde diese Absicht bald wieder verworfen. Auch für Ehefrau Ursi stimmt der Entscheid, ganz aus der Milchproduktion auszusteigen. Sie sieht ihre Rolle in erster Linie in der Mitarbeit im arbeitsintensiven und ausgedehnten Tabaksanbau und im Garten für die Selbstversorgung. «Und schliesslich haben wir noch drei schulpflichtige Kinder», erwähnt sie weiter.

Ganz ohne Tiere wollte die Familie den Betrieb allerdings nicht führen, und so entschlossen sie sich, Mutterkühe anzuschaffen. Der Stall musste dazu umgebaut werden, und zudem wurde eine Liegehalle mit Tiefstreue erstellt. «Es wäre viel schlimmer gewesen, mit Melken aufzuhören, wenn wir gar keine Tiere mehr gehabt hätten», erklären beide. Der Ausstieg aus der Milchproduktion sei auch deswegen leichter gefallen, weil sie mit dem Aufbau der Mutterkuhherde bereits auf etwas Neues hingearbeitet hätten. Das Einstiegsjahr diente dazu, im neuen Betriebszweig erste Erfahrungen zu sammeln.
Und wie wird die Zukunft des Tabakanbaus beurteilt? «Im Gegensatz zur Milch ist der Preis beim Tabak stabil», erklären beide. Das Jahr 2003 sei ein überraschend gutes Jahr gewesen, fährt Peter Ausderau fort. Dank Erfahrung und guter Infrastruktur (z. B. Gewächshaus für Setzlingsanzucht) soll der Betriebszweig weiter bestehen können. «Es ist auch wichtig, dass die rund tausend Arbeitsstunden pro Hektar möglichst mit eigenen Leuten geleistet werden können», ergänzt er.
Die Ablösung der Milchproduktion durch Mutterkühe bringt der ganzen Familie mehr Flexibilität. Ferienablösungen lassen sich einfacher einrichten. Und die beiden Betriebszweige Tabak und Mutterkühe sind von den Arbeitsspitzen her besser aufeinander abgestimmt: «Wenn es im Sommer beim Tabak viel zu tun gibt, dann beanspruchen die Mutterkühe entsprechend wenig Arbeitszeit.» (hil)

top     schliessen