Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Der freie Markt ist stärker als Regulierungsmethoden

Ausgabe Nummer 15 (2015)

Eines der Themen an der Generalversammlung der Thurgauer Milchproduzenten stellten die massiven Einbussen bei den Direktzahlungen und laufend sinkende Milchpreise dar.

Ruedi Schnyder, Präsident der Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten, begrüsste Ende März 200 Mitglieder und Gäste zur ordentlichen Generalversammlung 2015 im Kongresszentrum Thurgauerhof. Er thematisierte im Einstiegsreferat die veränderten Rahmenbedingungen, welche geprägt sind von durchschnittlich 15 Prozent tieferen Milchpreisen sowie rund 15 Prozent weniger Direktzahlungen an das Talgebiet. Der politische Wille, die Direktzahlungen verstärkt ins Berggebiet zu verlagern, sei zu respektieren: «Ich meine jedoch, die Entwicklung ist ‹aus dem Ruder gelaufen› und muss dringend korrigiert werden. Dies verstehe ich als einen Aufruf an die Parlamentarier, auf diese Entwicklung Einfluss zu nehmen.» Schnyder stellte fest, dass Regulierungsmassnahmen wie zum Beispiel Milchpool, Direktzahlungen und Grenzschutz staatliche oder private Regulierungen sind und somit Markteingriffe bedeuten. Sie alle lägen im Spannungsfeld der beiden Pole «Kontingentierung» und «freier Markt», und alle suchen einen gemeinsamen Mittelweg. Das Fazit daraus laute, dass der freie Markt immer stärker sei als Regulierungsmethoden. Dies habe der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vom 15. Januar 2015 deutlich gezeigt. Er habe die Situation auf den Märkten weiter verschärft und viele Milchproduzentenbetriebe in existenzielle Nöte gebracht. Die Branche beteuerte, nicht unnötig Druck auf den Milchpreis auszuüben. «Realität sind jedoch zusätzliche anonyme Angebotsrunden der Grossverteiler, die zusätzlichen Druck auf den Milchpreis bewirken. Ebenso wird sich noch weisen müssen, wie sich die Preiserhöhungen beim Käse im Ausland auswirken und ob diese an der Verkaufstheke Akzeptanz finden», so Schnyder.

Swissness-Projekt zur Verkaufsförderung
Marktregulierungen in der Milchwirtschaft würden Sinn machen, wenn sie umsetzbar und kontrollierbar sind und nicht untergraben werden können. Nach diesen Kriterien müsse auch die neu gegründete LactoFama AG beurteilt werden. Schnyder informierte über ausserordentliche Massnahmen im Marketing. Das Marketing der Organisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) startet ab Mai 2015 eine mehrmonatige schweizweite Kampagne mit Sammelpunkten, um den Absatz von Schweizer Milchprodukten zu stützen. Die Prämien beinhalten Praktisches für den Alltag sowie, in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus, Tageskarten für Bergbahnen. Als besonders begrüssenswert bezeichnete es Schnyder, dass versucht werde, die gesamte Wertschöpfungskette einzubinden. Die Kampagne umfasst auch eine Aktion in grenznahen Schweizer Regionen. Damit soll die Solidarität mit Schweizer Produzenten gestärkt, dem Einkaufstourismus auf sympathische Art entgegengewirkt und der Milch- Sammelpunkt bekannt gemacht werden.
Jürg Fatzer, Geschäftsführer TMP, informierte über den Projektantrag Wärmerückgewinnung und Frequenzumrichter Vakuumpumpen im Rahmen des Förderprogramms ProKilowatt des Bundes. Im Laufe des Sommers/Herbst 2015 fällt der Entscheid über eine finanzielle Unterstützung.

Schlechtes «Kässeli»-Image verbessern
Der Beschluss des Vorstands TMP, das Inkasso für den Einzug der Beiträge an die LactoFama AG selbst zu übernehmen, finde, nach dem zweiten Rechnungsversand und der «Milch-Info» im März 2015, inzwischen grössere Akzeptanz bei den Milchproduzenten. Fatzer sagte, dass der SMP nach wie vor keinen einfachen Stand hat. Die Milchproduzenten sind skeptisch gegenüber der «Kässeli-Politik». Mit der Gründung der LactoFama AG ist erneut ein «Kässeli» entstanden, welches nicht nur negativ bewertet werden dürfe: «Diese Marktstützung wurde mit den bäuerlichen Handelsorganisationen, deren Mitglieder in der Regel auch Mitglieder bei den SMP sind, geschaffen. Auch ist die Verwendung der Gelder anders geregelt, als wir es aus der Vergangenheit kennen. Alternativen dazu fehlen. So bleibt zu hoffen, dass es gelingt, das schlechte ‹Kässeli-Image› zu verbessern und neues Vertrauen aufzubauen.»
An der GV wurde Andreas Kunz aus Gerlikon zum zusätzlichen Suppleanten der Delegierten SMP gewählt. Die Beschlussfassung des Vorstands zur Genehmigung des Jahresrechnung 2014, unter Entlastung des Vorstands, und zur Gutschreibung des Gewinns, wurde einstimmig angenommen.
René Gubler stellte den Antrag, es sei zuhanden der nächsten Generalversammlung zu prüfen, wie der Vermögensertrag des TMP zugunsten der aktiven Milchproduzenten zurückfliessen könnte.


Isabelle Schwander







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