Der kleine Globalplayer im Saftgeschäft
Ausgabe Nummer 46 (2003)
Der kleine Globalplayer im Saftgeschäft
| Porträt: Unipektin AG, Eschenz | |||
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| Rund um das Obst drehen sich die Hauptgeschäftsfelder der Unipektin AG Eschenz. Die Firma mit gut 80 Angesellten verarbeitet Obst zu Fruchtsaftkonzentraten und nutzt ihr langjähriges Know-how in der Planung und Realisierung von Frucht- und Gemüsesaftverarbeitungsanlagen in der ganzen Welt. Drittes Standbein ist die Verarbeitung und der Verkauf von natürlichen Lebensmittelzusatzstoffen. | |||
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| Ein süsslich-angenehmer Duft hängt über dem Areal südlich der Bahnlinie KreuzlingenSchaffhausen. Es ist ungewöhnlich ruhig an diesem nebligen Donnerstagnachmittag. Noch vor wenigen Tagen dagegen herrschte Hochbetrieb auf dem Gelände der Unipektin AG, Eschenz. Landwirte aus der Unterseeregion, aus dem Zürcher Weinland und aus dem Kanton Schaffhausen lieferten rund 4000 Tonnen Mostobst ab, das zu Apfel- und Birnensaftkonzentrat verarbeitet wurde. In Jahren mit grossen Obsternten werden gut und gerne auch einmal 12 000 Tonnen Obst zu Konzentraten verarbeitet. Auf der ganzen Welt im Einsatz Das Unternehmen Unipektin AG wurde 1936 als Handelsfirma für Pektine und konzentrierte Fruchtsäfte in Eschenz gegründet. Seit 1941 wird in Eschenz auch produziert, allerdings nicht Pektin, wie der Namen vermuten lässt, sondern in erster Linie Apfel- und Birnensaftkonzentrat sowie die entsprechenden natürlichen Aromen (siehe auch Kasten). Der frisch gepresste Most wird dazu mittels Verdampferanlagen von 12 auf mindestens 65 Prozent Trockensubstanzgehalt eingedickt und die flüchtigen Aromastoffe in speziellen Apparaturen «eingefangen». Die Fruchtsaftkonzentrate werden je nach gesamtschweizerischer Versorgungslage an Fruchtsafthersteller in der Schweiz verkauft oder exportiert. «Der Markt für dieses Produkt ist starken Schwankungen unterworfen», erklärt Direktor Bruno Jud. Dies mag mit ein Grund dafür sein, dass sich das Unternehmen bereits früh nach einem weiteren Standbein umgesehen hat: Es entwickelt, baut und betreut Verdampferanlagen, Ultrafiltrationen zur Herstellung von Frucht- und Gemüsesaftkonzentraten. Etwa 40 Prozent der weltweit produzierten Apfelsaftkonzentrate werden auf Unipektin-Verdampfern hergestellt, verrät der Firmenprospekt. Unipektin ist ein «Globalplayer», der Wert darauf legt, unabhängig von den grossen Lebensmittelkonzernen tätig zu sein. Die von Unipektin entwickelten Anlagen werden auf der ganzen Welt eingesetzt. Einer der grossen, noch jungen Märkte ist China, wie Bruno Jud verrät. «China ist der zweitgrösste Hersteller von Apfelsaftkonzentraten weltweit.» Herstellung und Anlageentwicklung zusammen Für die Firma Unipektin ist heute mitentscheidend, dass die eigene Herstellung von Saftkonzentraten und die laufende Weiterentwicklung von den dafür benötigten technischen Anlagen Hand in Hand laufen. «Die eigene Obstverwertung liefert uns den Hintergrund, um in der ganzen Welt im Verkauf, in der Planung und im Coaching von vergleichbaren Anlagen tätig zu sein», meint Jud. Die Stärke von Unipektin liegt dabei in erster Linie in der Forschung und Entwicklung und im Engineering. Die eigentliche Produktion der Anlagenteile wird vielfach spezialisierten Metallbaufirmen überlassen. 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen an den drei Standorten Eschenz, Zürich und Germersheim (D). «Infolge der internationalen Geschäftsausrichtung sind viele Mitarbeiter auf der ganzen Welt im Einsatz: Verkauf, Beratung, Montage und so weiter», macht Bruno Jud deutlich. Andere sind in der Forschung und Entwicklung tätig, so werden in Eschenz und Zürich Fruchtsaftverarbeitungsanlagen für Kunden entwickelt und in Pilotanlagen getes-tet. Neben den Verdampferanlagen für die Saftkonzentrierung sind die Ultrafiltrationsanlagen eine weitere Kernkompetenz von Unipektin, die seit Ende der 1980er-Jahre entwickelt werden. Lebensmittelzusatzstoffe Ausser den beiden erwähnten Geschäftsfeldern ist Unipektin seit Mitte der 1950er-Jahre auch auf dem Gebiet der natürlichen Lebensmittelzusatzstoffe tätig. Ziel war es damals, die Produktion auf das ganze Jahr auszuweiten, da die Verarbeitung von Mostobst und die Aufkonzentrierung die Belegschaft nur in den Herbst- und Wintermonaten beschäftigte. Seither hat es in Eschenz eine Produktionsstätte für Johannisbrot, Tara- und Guarkernmehl. Die Rohstoffe werden in den Herkunftsregionen wie Mittelmeerraum, Indien und Peru beschafft und im Werk in Eschenz verarbeitet. Mehle und Mischungen aus diesen tropischen und subtropischen Pflanzensamen werden in der Lebensmittelindustrie als Gelier- und Verdickungsmittel äusserst vielfältig eingesetzt, vor allem in Milchprodukten, Fruchtzubereitungen, Mayonnaisen usw. Pro Jahr werden in Eschenz mehrere tausend Tonnen Rohstoff (Johannsibrot, Tara- und Guarkerne) verarbeitet. «Wir verkaufen aber nicht nur die Produkte, sondern auch unsere Beratung und anwenderorientierte Forschung», präzisiert Bruno Jud auch hier. Das Unternehmen könne als Nischenplayer nur erfolgreich bleiben, wenn es zusätzlichen Service anbieten würde. Die praxisnahe Forschung und Entwicklung im Auftrag von Kunden sei durchaus ein interessantes Segment, fährt Jud fort und erwähnt dazu das «Projekt Gummibärchen», als im Zuge der BSE-Diskussion Alternativen zur bisher üblichen Gelatine gesucht werden mussten. Eschenz als Standort wird vom weltweit tätigen Unternehmen keineswegs als Nachteil empfunden, auch wenn es manchmal etwas anspruchsvoller sei, qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren. Die Rohstoffe werden per Lastwagen oder Bahn angeliefert. «Einzig der Hafen fehlt», schmunzelt Betriebsleiter Heinz Grundlehner. (hil) Mehr über Unipektin: www.unipektin.ch
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