Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Der Pflanzenschutz stand im Brennpunkt der Strohballenarena

Ausgabe Nummer 26 (2017)

Bei der 4. internationalen Strohballenarena in Güttingen standen die Herausforderungen des modernen Obstbaus, Pflanzenschutz und das Jubiläum «50 Jahre Agroscope Güttingen» im Zentrum.

Gegen 100 Interessierte besuchten die Strohballenarena «Obstbauern auf der Durchfahrt – ist weniger gleich mehr?» zum Thema Entwicklung im Obstbau und dem viel kritisierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dabei standen Urs Müller, Leiter Obst, Gemüse und Beeren am BBZ Arenenberg, Jörg Streckeisen, Vizepräsident Thurgauer Obstverband, Benno Neff, Geschäftsleiter Tobi Seeobst AG, Manfred Büchele, Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee-Bavendorf im Zentrum der Diskussionen. Nach den Aussagen von Urs Müller ist ein optimaler Standort der Kulturen und die Wahl robuster Sorten auf geeigneten Unterlagen der beste Weg, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz gering zu halten. Als wichtige Massnahme nannte er die Totaleinnetzungen der Anlagen, was im Thurgau zu 75 Prozent der Fall sei. Zudem wies er darauf hin, dass eine gute Bodenpflege von grösster Bedeutung sei.

Medien kritisieren den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
Thematisiert wurden auch die Medienberichte über die Verseuchung der Gewässer mit Pflanzenschutzmitteleinträgen, wobei es gelte, die Tatsachen offen auf den Tisch zu legen. Wichtig sei ein schnelles Aufdecken der Ursachen und diese zu eliminieren. Benno Neff erklärte, dass der Konsument in der Regel schöne, knackige und lange haltbare Äpfel wünsche. Diese Ansprüche könne man ohne Einsatz von Hilfsmitteln nicht erfüllen. Alle waren sich einig, dass Bio ein guter Weg ist und aus dem Biolandbau auch Methoden für den IP Obstbau übernommen werden können. Allerdings sind zurzeit nur 6 bis 7 Prozent der Konsumenten bereit, den höheren Preis für Bioobst zu bezahlen, so Benno Neff.
Betriebsleiter Patrik Stadler stellte einen neuartigen Pflanzenschutzsprayer vor, der mit Antidriftdüsen ausgerüstet ist, welche die Abdrift des Sprühnebels verhindern sollen. Er zeigte auch, wie in Güttingen die Pflanzenschutzspritze in einer Wanne gereinigt wird und das belastete Reinigungswasser in einer Verdunstungsstation auftrocknet. Die zurückbleibenden, trockenen Pflanzenschutzmittelrückstände können fachgerecht entsorgt werden.

Agroscope Güttingen jubiliert
Beim Festakt «50 Jahre Agroscope Güttingen» erinnerte Willy Kessler, Leiter des Kompetenzbereichs Pflanzen und pflanzliche Produkte Agroscope, an die Anfänge des Forschungs- und Versuchsbetriebs Güttingen. 1967 hatte die damalige Eidgenössische Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau Wädenswil in Güttingen 7,5 ha Land erworben. Als wichtige Errungenschaften des Versuchsbetriebs Güttingen erwähnte Willy Kessler die Güttinger V-Anbauform, welche weltweit zum Einsatz kam sowie die Entwicklung des Einsatzes von Nützlingen im Pflanzenschutz und damit die bedeutenden Leistungen im Aufbau der Integrierten Produktion (IP) im Obstbau. Christian Eggenberger, Leiter Beratung, Entwicklung, Innovation am BBZ Arenenberg, wies auf die grosse Bedeutung des Obstbaus im Thurgau hin. Er zitierte aus einer Schrift aus dem Jahre 1837 woraus hervorgeht, dass es schon damals in der Schweiz kaum eine Gegend gab, die so reich an Obstbäumen war wie der Thurgau. In den 1950er- Jahren begann der Siegeszug der Niederstammanlagen. Auch im Thurgau schritt die Umstellung auf Niederstammobstbau zügig voran, sodass im Jahr 1967 bereits auf über 1000 ha Niederstammobstanlagen Obst produziert wurde. Mit dieser Umstellung wurde die «äussere Qualität» des Tafelobstes wesentlich verbessert.

Druck auf die Produktion erhöht
Eggenberger wies darauf hin, dass jeder dritte Schweizer Apfel und jeder zweite Mostapfel nach wie vor aus dem Thurgau stamme. Auf rund 500 Thurgauer Betrieben werde Obst in Niederstammanlagen angebaut. Rund 100 Betriebe betreiben den Obstbau als Haupterwerb. Wie Eggenberger feststellte, hat die Diskussion um Pflanzenschutzrückstände in offenen Gewässern den Druck auf die Produktion nochmals erhöht. Die neuen, sehr sensiblen Messmethoden zeigen eine Problematik auf, bei welcher momentan hauptsächlich die Landwirtschaft ins Schussfeld geraten sei. Diese Tatsachen seien ernst zu nehmen – auch wenn die Landwirtschaft nicht der einzige Verursacher sei. «Für die Beratung ist das Thema absolut prioritär. Deshalb hat das BBZ Arenenberg zusammen mit Beratern rund um den Bodensee ein Interregprojekt mit dem Thema nachhaltige Produktionssysteme aufgezogen und dazu eine Musteranlage in Sommeri erstellt. Gleichzeitig hat das BBZ beim Bund ein Ressourcenprojekt eingereicht: «In Zusammenarbeit mit Agroscope Wädenswil wird untersucht, welche Quellen für den Pflanzenschutzmitteleintrag in die Gewässer verantwortlich sind und wie diese zu eliminieren sind.»


Mario Tosato
















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