Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Der Roboter als Weinlesekontrolleur

Ausgabe Nummer 43 (2014)

Moderne Technologie in den Volg-Weinkellereien bewährt sich

Seit fünf Jahren setzen die Volg-Weinkellereien auf völlige Automatisierung bei der Traubenannahme. So misst der Roboter die Öchlsegrade.

Es war ein ambitioniertes Projekt, welches die Volg- Weinkellereien im Herbst 2010 an ihrem Sitz in Winterthur in Betrieb nahmen. Die damals eingesetzte Technologie, welche in der Ostschweiz fast als revolutionär bezeichnet werden konnte, war aber nichts Neues. In der Westschweiz oder auch im süddeutschen Raum waren solche automatisierte Anlagen für die Traubenannahme seit Jahrzehnten anzutreffen. Trotzdem konnte der Schritt der Winterthurer Weinkellerei durchaus als grundlegend bezeichnet werden, indem alles, von den Gebinden für die Traubenanlieferung, über die eigentliche Weinlesekontrolle bis zu internen Betriebsabläufen beim Erfassen der Daten der Trauben an das neue System, angepasst werden musste. Es gab verschiedene Gründe, welche die Kellerei dazu bewogen, die ganze Traubenannahme neu zu planen. Einerseits waren die Annahmeanlagen mit Waage und Leeren sowie Reinigung der Standen veraltet, und es war ein enormer Personalbedarf für das Abladen nötig. Anderseits erwiesen sich die alten runden Standen in der Transportlogistik als nicht befriedigend. Deshalb entschied man sich in Winterthur für das neue automatisierte System. So setzte die Kellerei dabei bei der Traubenannahme auf einen Systemwechsel mit einer völligen Automatisierung, indem auch das Messen der Öchslegrade durch einen Roboter übernommen wurde. Jetzt, im fünften Herbst seit Inbetriebnahme, ist dieses System bei den Verantwortlichen kaum mehr wegzudenken. Wo früher für das Anhängen, Kippen und Reinigen der Standen jeweils über ein halbes Dutzend Hilfskräfte nötig waren, sind es jetzt zwei bis vier Personen, welche die gesamte Traubenübernahme bewerkstelligen. Am Dienstagabend sind es an die 400 Boxen, welche in Winterthur aus dem ganzen Einzugsgebiet der Volg Weinkellereien vom Bündnerland bis in Klettgau und vom Thurgau bis in den Aargau eintreffen.

Ganze Kette einbezogen
Bereits bei der Weinlese ist das neue Transport- und Traubenannahmesystem zu erkennen. Es sind die grauen Boxen mit einem Inhalt für 400 bis 450 kg Trauben, welche auf den Fuhrwerken stehen und von den fleissigen Händen der Weinleseschar mit unzähligen Trauben gefüllt werden. Die Rebleute kleben dann ihre speziellen Marken an die stapelbaren Boxen, damit diese beim Abladen identifiziert werden können. Danach geht es via Landi oder einem anderen Umladeort mit dem Camion nach Winterthur. Darauf liegt es am Staplerfahrer, Stande um Stande entsprechend dem Plan auf das Rollsystem zu stellen. Ein Gerät liest dabei die entsprechenden Daten des Produzenten ein, die Stande wird gewogen, und schliesslich nimmt der Roboter mit mehrmaligem Stechen das Probemuster für das Bestimmen des Zuckergehaltes. Mitten in der gesamten Anlage befindet sich der Überwachungsraum. Hier werden Ablauf überwacht und Daten erfasst. Nach diesem Arbeitsschritt steht das automatische Kippen der Boxen an. «Wir sind mit der Anlage sehr zufrieden. Sämtliche Kinderkrankheiten konnten beseitigt werden», betont Betriebsleiter Hermann Steitz bei einem Augenschein beim Abladen.


Roland Müller




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