Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Oktober 2018


Der "starke" Franken hat auch Auswirkungen auf den Milchpreis

Ausgabe Nummer 8 (2015)

Den einheimischen Milchproduzenten wurde an den Infoveranstaltungen vom 10. Februar unter anderem auch ein Blick nach Österreich ermöglicht und aufgezeigt, dass die Währungsturbulenzen auch Auswirkungen auf die inländische Milch- und Käseproduktion haben.

Othmar Bereuter, Leiter Fachbereich Milchwirtschaft, Vorarlberg AT, gab unumwunden zu, dass die österreichischen Bauern vom Beitritt zur Europäischen Union profitieren. Er berichtete, dass seit Mitte der Sechzigerjahre in Österreich versucht wird, durch Eingriffe in den Markt (hoher Aussenschutz, Exporte, Lieferquote) die Überproduktion von Milch und Milchprodukten zu reduzieren. Die Direktzahlungen werden wie die Regelungen für Klein- sowie Junglandwirte neu festgelegt. Die Milchproduktion stieg um 3,5 Prozent auf die Rekordmenge von 2,95 Millionen Tonnen Milch an. Die Rohmilcherzeugung in Österreich liegt bei 3 382 000 Tonnen. Keim- und Zellzahlen werden monatlich mindestens drei Mal geprüft. Die AMA, Agrar Markt Austria, ist unter anderem für den Vollzug der Marktordnung, Förderungsabwicklung, Einfuhr- und Ausfuhr-Lizenzen, Milchquotenverwaltung, Marktinterventionen, Markt- und Preisberichterstattung und die Rinderkennzeichnung verantwortlich.

Gentechnikfreie Fütterung und Aufhebung der Quotenregelung
Im Weiteren informierte Othmar Bereuter, dass im Jahr 2013 Ausgleichszahlungen im Betrage von 1,81 Milliarden und 43,2 Millionen Euro geleistet wurden. Um das Vertrauen der Kunden zu halten, werden verschiedene Gütesiegel für Qualitätsproduktion erteilt. Er hielt fest, dass die österreichische Landwirtschaft eine gentechnikfreie Fütterung bevorzugt und der Erhalt von Lebensqualität eine nachhaltige Entwicklung voraussetzt. «Wir leisten unseren Beitrag, damit unsere Region auch in den nächsten Jahrzehnten Mensch und Tier die bis anhin gewohnte Lebensqualität bietet», betonte der Referent. Nach seinen Aussagen hat auch die Bioproduktion einen hohen Stellenwert; die österreichischen Kunden setzen zum Beispiel auf Produkte wie Heumilch. In Österreich sind 13 EU-geschützte Produkte erhältlich. Wichtig für die österreichische Landwirtschaft seien Agrarexporte. 2013 betrug die Exportquote für Milchprodukte 48 Prozent. Die Nachfrage in Asien, besonders in Indien und China, übersteigt den Bedarf von Europa und den USA.
Bereuter wies darauf hin, dass in der EU die Quotenregelung für Milchproduktion ab 31. März 2015 aufgehoben und so auf allen Ebenen eine Wettbewerbsverbesserung angestrebt wird. Der Referent erachtet zudem die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus als wichtig.

Neue Milchgeldabrechnung
Anschliessend an das interessante Referat informierte Jürg Fatzer, Geschäftsführer Thurgauer Milchproduzenten, über Neuerungen bei der Beitragserhebung. Diese werden ab sofort nicht mehr über die Milchgeldabrechnung der Erstmilchkäufer erhoben, sondern von TMP direkt in Rechnung gestellt.

Schwarzer Donnerstag für die Milchbranche
Den 15. Januar 2015 bezeichnete Ruedi Schnyder, Präsident TMP, zufolge der absolut überraschenden Aufhebung des Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank als «Schwarzen Donnerstag». Dies werde auch die Milch- und Käseproduktion direkt treffen. Nach einem erfreulichen Milchjahr 2014 haben sich seit Herbst die Marktverhältnisse ohnehin verschlechtert.
Es wird erwartet, dass der entstehende Druck innerhalb der Branche verteilt wird und nicht einseitig auf den Milchproduzenten lastet. Laut Schnyder ist indessen die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren der Milchbranche spürbar besser geworden. Es herrscht mittlerweile eine gesunde Diskussionskultur, Verhandlungen werden am Tisch und nicht in der Presse geführt. Die Herausforderungen auf dem Schweizer Milchmarkt haben sich nicht grundsätzlich verändert, jedoch ist heute die Ausgangslage für den einzelnen Milchproduzenten punkto Wachstumsmöglichkeit anders als vor fünf Jahren. So haben sich unter anderem auch die Zuordnungen der Aufgaben im Milchmarkt wieder leicht verändert.


Mario Tosato




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