Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Der Wald als Ökosystem und Lebensraum

Ausgabe Nummer 29 (2014)

Auch in einem Waldreservat wie dem Schaarenwald, der in den politischen Gemeinden Diessenhofen und Wagenhausen liegt, sind gezielte Nutzungen auf vielen Flächen möglich – und sogar nötig.

Eine Sommermedienfahrt von Anfang Juli, organisiert vom Informationsdienst und dem Forstamt des Kantons Thurgau, führte in das Waldreservat im Schaarenwald in Diessenhofen. Ulrich Ulmer, Kreisforstingenieur Forstkreis 3; Ruedi Lengweiler, Förster und Fachspezialist Biodiversität beim Forstamt, sowie Jakob Gubler, Revierförster des Forstreviers «Am Rhein» zeigten unter anderem Beispiele von geschützten Waldtypen und erörterten die nötigen Pflegemassnahmen im Reservat. Ulrich Ulmer schilderte, wie im Speziellen im Schaaren die Vielfalt sehr gross und unterschiedlich ist: Auf engem Raum bieten sich viele Besonderheiten an. So ist der Waldboden aus sehr heterogenen Materialien aufgebaut und bildet eine wichtige Ausgangslage für den vielfältigen Waldbestand, zum Beispiel für einen seltenen Eichen-Hagebuchentyp. Das hat dazu geführt, dass das ganze Schaarengebiet vor zehn Jahren als Waldreservat ausgeschieden wurde und nun entsprechend geschützt und gepflegt wird. Die Waldeigentümer werden für den Nutzungsverzicht entschädigt. Mit forstlichen Eingriffen wird die Lichtdosierung so gestaltet, dass zum Beispiel der «Frauenschuh » gedeiht und keine Verbuschung eintritt. Das Waldreservat Schaaren soll ein möglichst vielfältiger Lebensraum sein: Deshalb werden auf zirka 13 Hektaren die natürlichen Alterungsphasen des Waldes zugelassen.

Förderung der Eiche
Im Wirtschaftswald wird die ökologisch wertvolle Alters- und Zerfallsphase der Bäume «ausgelassen»: In diesen Lebensabschnitten eines Waldes werden die Bäume immer dicker und der Anteil von abgestorbenen Bäumen und Ästen nimmt zu. Totholz in verschiedenen Zersetzungsstadien bildet einen Lebensraum für viele spezialisierte Pflanzen- und Tierarten; darunter sind viele, die auf der Roten Liste aufgeführt sind. Jakob Gubler schilderte die grosse Bedeutung der Eiche für die Artenvielfalt im Wald: Mit ihren grossen Kronen, ihrer strukturellen Rinde und dem hohen Anteil an abgestorbenen Ästen bietet sie zahlreichen Tierarten, insbesondere Insekten, Nahrung und Lebensraum. Zum Erhalt des Waldzieltyps «Mittelwald/Eichenwald» und ihrer Artenvielfalt sind Massnahmen zwingend: Damit die Eichen weiterhin genug Platz haben und keine Konkurrenz bekommen, wird die heranwachsende Unterschicht unter den grossen Eichen in den nächsten zehn Jahren stückweise genutzt, damit sie die Eichen nicht zu stark bedrängt. Gleichzeitig werde dort, wo ausreichend Platz vorhanden ist, auch immer wieder eine junge Eiche geschützt und gefördert, damit sie später einmal eine der grossen Eichen ersetzen kann, schilderte Jakob Gubler. Weil es für die Artenvielfalt wichtig ist, versucht man in Waldreservaten mit gezielter Pflege den Waldzieltyp «Lichter Wald» beizubehalten.

Reservat und Naherholungsgebiet
Ziel bei der Bewirtschaftung des «Lichten Waldes» im Schaaren sind unter anderem offene, blütenreiche Waldlichtungen, welche für Insekten wie Schmetterlinge und Käfer, aber auch für Vögel, Säugetiere und Reptilien einen wertvollen Lebensraum bieten. Dazu werden die offenen Flächen alternierend jährlich zur Hälfte gemäht. Gemäht wird erst im Herbst, nachdem die Blütenpflanzen versamten. Diese Pflegemassnahmen müssen unbedingt beibehalten werden, sonst wachsen die Flächen ein, betonte Jakob Gubler. Die Forstfachleute zogen nach der Rundführung und Besichtigung verschiedener Objekte im Wald Bilanz zu «10 Jahre Waldreservat Schaaren» und stellten fest, dass auf rund 40 Hektaren oder rund einem Fünftel der Reservatsfläche in den vergangenen zehn Jahren gezielt eingegriffen wurde. Dadurch wurde der Wald im Schaaren reicher an Eichen und die Kontraste wurden entsprechend den gesteckten Zielen deutlicher. Es hat mehr Wasserflächen, feuchte, lichte Wälder und offene Flächen als vorher. Um die Entwicklungen im Waldreservat verfolgen zu können, wurde ein Monitoring angelegt. Beobachtungen zeigen, dass bereits verschiedene Arten von den erfolgten Massnahmen profitieren konnten, so zum Beispiel der Laubfrosch und verschiedene Tagfalter. Der Schaarenwald ist nicht nur ein Waldreservat, sondern auch ein bedeutendes Naherholungsgebiet mit Besucherlenkung. «Die Schaffung eines derart grossen Waldreservates vor über zehn Jahren ist aus heutiger Sicht ein Erfolg », sagte Ulrich Ulmer.


Isabelle Schwander













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