Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Deutsche Käsefachleute in der Ostschweiz

Ausgabe Nummer 31 (2016)

Im Rahmen der Aktivitäten des BBZ Arenenberg in Süddeutschland konnte kürzlich eine Reisegruppe von über 50 Käsefachleuten im Thurgau und der Ostschweiz begrüsst werden. Dies aufgrund der Zusammenarbeit des BBZ Arenenberg und diverser Thurgauer Käsereibetriebe mit dem Käsefachhändler in Ulm. Anbei ein Ausschnitt des Reiseberichtes, welche die Reiseleitung der Firma Jäckle selbst geschrieben und in diversen deutschen Medien veröffentlicht hat.

«Schwiizer Chäs-Reis»
Von Christian Jäckle und Regina Rosner, Ulm:
Käse aus der Schweiz begeistert uns schon lange. Top Qualität – oft auch zu «top» Preisen. Wir wollten uns ein eigenes Bild davon machen, warum das so ist, und organisierten eine dreitägige Reise für Jäckle- Kunden und Käse-Sommeliers. Vom mittelständischen Thurgauer Käsehersteller über die grossen Sorten Appenzeller und Raclette bis zur Käsevielfalt kleiner Käser spannten wir den Bogen. Und natürlich wollten wir auch wandern und die berühmte Schweizer Schoggi probieren.

Erster Halt: Käserei Müller-Thurgau in Hagenwil
Die lang ersehnte Reise startete morgens um sieben Uhr auf dem Betriebsgelände der Familie Jäckle in Ulm. Die 51 Teilnehmer vertraten sämtliche Bereiche unserer Branche (Fachverkäufer/innen, Hersteller, Küche, Grosshandel, Zentralen, Onlineshop), wodurch es auf der gesamten Fahrt zu vielen interessanten Gesprächen kam. Unser Weg führte uns zuerst in den Kanton Thurgau nach Hagenwil-Amriswil zu Käser Tony Müller.
Tony Müller kam 1985 als Käsermeister nach Hagenwil. 1989 wurde die Käserei gepachtet und seit 1994 ist der Betrieb im Besitz der Familie. Heute arbeiten er und seine Frau Anita gemeinsam mit je zwei Käsermeistern und Käsern, einem Lehrling, drei Hilfskräften und einem Milchchauffeur. Im Jahr 2000 liess er die Marke Müller-Thurgau für seinen Käse schützen, die seitdem das Unternehmen repräsentiert. Uns erwartete unter anderem eine Führung durch das neu errichtete Reifelager und eine Verkostung der eigenen Produkte. Spätestens hier war auch dem Letzten klar, was der Schweizer unter einem Apéro versteht.
Ein besonders regionaler Bezug findet sich wieder in der Sorte «Hagenwiler Schloss-Chäs». Das Hagenwiler Schloss befindet sich nämlich in direkter Nachbarschaft und ist das letzte privat geführte Wasserschloss der Schweiz in der siebten Generation.
Es war zugleich die nächste Location, wo Bernhard Müller uns in die Schweizer Milchwirtschaft einführte. Er ist Leiter der Abteilung «Regionale Entwicklung» im Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg und sehr um Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Handel bemüht.
Zum Mittagessen fanden wir uns im Rittersaal des Wasserschlosses wieder. Der straffe Zeitplan liess jedoch leider keinen Besuch der Burgbar zu, da der nächste Stopp, die Ebenalp im Appenzell, schon wartete.

Wandern im Appenzell
Sorgenvoll betrachteten wir während der Fahrt unablässig den dunklen Himmel, der nichts Gutes bedeuten sollte. An der Talstation der Ebenalp nahm uns Monika Walser von der Sortenorganisation Appenzell im Empfang und ermunterte uns zu der Fahrt auf den 1500 Meter hohen Gipfel. Nach 1000 Metern verschwanden wir jedoch in einer dicken Regenwolke, die sich kurz, aber heftig nach dem Ausstieg über uns ergoss.
Schnell eilten wir zu den schützenden Wildkirchlihöhlen. 1904 wurden sie durch prähistorische Funde von Steinwerkzeugen berühmt, welche erstmals den Beweis erbrachten, dass der Alpenraum in der Altsteinzeit von Menschen begangen worden war. Die Schönheit dieses Naturschauspiels lockte bereits im 17. Jahrhundert die ersten Touristen an, die von Einsiedlern des Wildkirchlis mit Fackeln durch die Höhle geführt wurden. Unser Weg führte östlich der Felswand entlang, über eine hölzerne Galerie, zum Berggasthaus Äscher, wo wir uns mit einem Apéro stärken konnten. Nach der Rast wurde beschlossen, den Abstieg zur Seealp zu wagen. Eine gute Stunde Wanderung talwärts sollte doch zu schaffen sein! Allerdings haben wir dann eindrücklich erfahren, dass sich Schweizer Berge durchaus von den uns bekannten Bergen aus dem bayerischen Voralpenraum unterscheiden. Steil bergab ging es über Stock und Stein und es erforderte wirklich Durchhaltevermögen, den Weg zu bezwingen. Belohnt wurden wir für diese Strapazen mit einem grandiosen Blick auf eine Symbiose von Wasser, Vegetation und Gestein, der die Seele aufatmen liess.

Die Seealp-Käserei
Wir bezogen unsere Zimmer in den Gasthäusern, und nach Appenzeller Siedwurst und vielen weiteren regionalen Schmankerln schafften es nur noch wenige, die Nacht zum Tag zu machen. Bereits um sieben Uhr wartete nämlich Hans Gmünder in seiner kleinen Alpkäserei auf uns. Im Sommer zieht er mit seiner Frau und den beiden Kindern für drei Monate auf die Alp und versorgt dort etwa 100 Kühe, 60 Stück Jungvieh und je 25 Ziegen und Alpschweine.
Die Seealp ist eine Gemeinschaftsalp, die von sechs weiteren Sennen bewirtschaftet wird. Es war sehr beeindruckend, zu sehen, auf welch kleinem Raum hier gelebt wird, während die Natur im breiten Tal mäandert. Ein winziges Zimmer dient als Küche, Schlaf- und Wohnraum. Wohl wird es ausreichend sein, denn der Arbeitstag von Senner Hans beginnt um 4 Uhr und endet erst, wenn alle Arbeit getan ist. Zu Beginn der Saison ist dies oft erst gegen 22.00 Uhr. Dazwischen liegt ein langer Tag mit viel körperlicher Schwerstarbeit. Der Weg von der Milch bis zum fertigen Käse erscheint hier besonders lange, da kein Arbeitsschritt automatisiert ist. Die Käse reifen im kleinen Keller unter der Wohnstube. Eine Sennerin übernimmt hier die Käsepflege, die sie oft von Tagesanbruch bis Mittag in Anspruch nimmt. Im kleinen Beizli (bewirtschaftete Hütte) nebenan können die Käse probiert und gekauft werden. Der restliche Käse geht zum Teil an die Sortenorganisation Appenzeller bzw. wird direkt auf den Wochenmärkten in der Umgebung verkauft.
Gerne wären wir auch hier noch länger geblieben, zumal die Wolken ab und zu ein klein wenig blau durchblitzen liessen. So klein und beschaulich der Seealpsee sich präsentierte, so gross war anschliessend das Appenzeller-Reifelager der Firma Dörig. Christoph Holenstein, Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse GmbH, und Urs Dörig führten uns durch das Lager, das Platz für 90 000 Käselaibe bietet. Die sieben Kilo schweren Laibe reifen hier drei bis sieben Monate bei 15 °C. Gepflegt werden die Laibe mit der vielumworbenen Kräutersulz, deren «Geheimnis» wir allerdings auch nicht herausgefunden haben.

Ende der eindrucksvollen Reise
Bei den gastfreundlichen Schweizern wären wir gerne noch länger geblieben. Käse, Berge, Wandern … fast alles hatten wir auf unserer Wunschliste abgehakt. Den Abschied versüssten wir uns auf dem Rückweg noch mit einem Besuch bei einem Chocolatier und stellten fest, dass Schweizer Schoggi es durchaus mit dem Schweizer Käse aufnehmen kann, was Genuss und «Suchtfaktor» betrifft.
Unser Fazit: Die Schweiz hat uns gezeigt, wie vielfältig Käse sein kann. Höchste Qualität professionell vermarktet und immer mit Blick auf den Erhalt der Kaufkraft in der Region. Nachhaltigkeit, die ihren Preis kostet, uns aber auch in Zukunft viele genussreiche Momente verspricht.


BBZ Arenenberg













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