Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Deutschschweizer Spargelproduzenten auf der Schulbank

Ausgabe Nummer 1 (2015)

Über 100 Spargelproduzenten aus der ganzen Ostschweiz liessen sich in Wülflingen über viele Belange im Spargelanbau informieren.

«Der Ertrag im Spargelfeld wächst auf der Basis der im Vorjahr eingelagerten Nähr- und Reservestoffe heran», betonte Reto Neuweiler von der Agroscope am diesjährigen Weiterbildungstag. Wie bei kaum einer anderen Dauerkultur in der Landwirtschaft spielt das Vorjahr (siehe Kasten) eine zentrale Rolle, der Anbau boomt, wie der volle Saal in Wülflingen zeigte. Mit Liebegg, Inforama, Arenenberg und Strickhof hatten gleich vier kantonale Fachstellen eingeladen. Neuweiler zeigte auch die Notwendigkeit der Unkrautregulierung auf. «Spargelanlagen reagieren nach der Ernte empfindlicher auf eine Verunkrautung als man denkt. Für sie ist es eine Konkurrenz um Licht, Nährstoffe und Wasser». Unkraut kann zu einer Hemmung der vegetativen Entwicklung führen, was eine reduzierte Wurzelneubildung und somit eine verminderte Bildung und Einlagerung von Reservestoffen zur Folge hat. Deshalb richtete Neuweiler den Appell an die Produzenten, den Anfängen zu wehren. Flächensanierungen sollen vor dem Pflanzen erfolgen. Eine rigorose Unkrautbekämpfung in der Aufbauphase in Verbindung mit einer mechanischen Bearbeitung im Zwischenreihenbereich ist wichtig. Der Referent machte zudem mit Blick auf die Bodenmüdigkeit deutlich, dass die Anbauflächen nie von Rhizom- und Wurzelkrankheiten frei sein werden. Entsprechend sind die Verhältnisse im Bereich des Wurzelraumes so zu beeinflussen, dass das Pflanzenwurzelwachstum gefördert wird. Dies kann mit wirksamen Kulturmassnahmen und der Ansiedlung und Förderung natürlicher Gegenspieler erreicht werden.
«Spargeln mögen bevorzugt tiefgründige, leichtere und humushaltige Sandböden. Diese müssen gut durchlüftet sein und sich erwärmen können. Für Grünspargeln eignen sich eher lehmhaltigere mittelschwere und kiesige Böden», rief Margareta Scheidiger vom Arenenberg in Erinnerung. Im Spargelbau sind gewisse Grundsätze zu beachten. Das als Sprossenachsensystem gebildete Rhizom der Spargel mit fleischigen Speicherwurzeln kann mehr als zwei Meter in den Boden reichen. Zugleich verlangt die Spargel eine gleichmässige und gute Wasserversorgung. Scheidiger verwies aber auch auf allgemeine Grundsätze im Vorfeld des Anbaus. Sie bezeichnete als gute Vorfrüchte Getreide-, Hülsen- und Hackfrüchte. Eher ungeeignet sind Luzerne, Klee und Mais, welche Fusskrankheiten begünstigen können. Als ideale Vorbereitung plädierte sie für das Anlegen einer zweijährigen, tief wurzelnden Gründüngung, beispielsweise mit Lupinen, Ölrettich oder Ackerbohnen. Mit Blick auf die Düngung machte sie deutlich, dass bei Bodenproben auch Erde aus dem Damm einbezogen werden muss, häufigere Bodenanalysen sind von Vorteil.

Mit neuem Pflanzverfahren mehr Erfolg
«Wir haben 2011 erstmals bei den Jungpflanzen in einer Neupflanzung auf das System «Eisbär» gesetzt und damit erste Erfolge verzeichnet», erklärte Walter Pfister vom Spargelhof Rafz. Statt nur Wurzelknäuel pflanzten sie rund 24 000 Jungspargeln pro Hektare im Topf. Diese Eisbär-Spargeln schafften nach einer intensiven Entwicklung ab 2004 den Durchbruch. Die neue Klulturform stellt aber verschiedene Ansprüche, wie Pfister ausführte. Sie verlangt eine tiefengelockerte und eingeebnete Anbaufläche mit optimalem Nährstoffzustand sowie eine Bewässerungsmöglichkeit. «Gesunde Jungpflanzen mit Wachstumsvorsprung, Flexibilität bei der Sortenwahl und widerstandsfähige, homogene und gesunde Pflanzenbestände sind die Vorteile», so Pfister. Die Mehrkosten glichen sich aber bereits nach zwei Erntejahren aus. Im zweiten Standjahr wurde ganz auf eine Ernte verzichtet. Im dritten Jahr konnten bereits etwas mehr als 100 kg pro Are, im vierten gar über 160 kg gestochen werden. Sein Fazit fällt entsprechend gut aus. «Die Produktivität ist gut, wobei Aufwand und Vollkosten bis zur ersten Ernte doppelt so hoch als üblich sind. Für mich sind die Grünpflanzen eine gärtnerische Kultur», machte Pfister deutlich.
Der Nachbau von Spargeln wirft immer wieder Fragen auf und führt zu unterschiedlichen Resultaten, wie der Flaacher Spargelproduzent Rolf Spaltenstein aufgrund seiner eigenen Erfahrungen aufzeigte. Seit über 50 Jahren wird auf seinem Hof diese Kultur angebaut. «Wir machten nach zehn Jahren Spargelanbau und zwei Jahren Pause erneut einen Versuch und mussten bereits nach dem vierten Standjahr grosse Lücken feststellen», so Spaltenstein. Ein zweiter Versuch fiel dann etwas besser aus.
Johann Kling vom Strickhof beschäftigte sich intensiv mit dem Fusarienbefall, welche rasch zu grossen Lücken im Bestand führen kann. «Anaerobe Verhältnisse wie Staunässe, Bodenverdichtungen, Nährstoffoder Humusmangel können den Befall fördern», so Kling. Eine direkte Bekämpfung ist aber nicht möglich. Deshalb rät er dazu, dass Anlagen nicht überstochen werden sollten und beim bei Befall im Nachbau mindestens zehn Jahre gewartet werden soll.


Roland Müller




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