Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Deutschschweizer Spargelproduzenten tagten

Ausgabe Nummer 1 (2016)

Am grossen Erfahrungsnachmittag der Deutschschweizer Spargelproduzenten stand nebst Pflanzenschutz und Unkrautbekämpfung auch die Aufbereitung der Spargel im Nacherntebereich im Zentrum.

In der Schweiz gehört der Spargelanbau zu jenen Kulturen, welche in den letzten Jahren einen eigentlichen Boom erlebt haben. Dies, obwohl die ausländische Konkurrenz deutlich billiger ist und die Spargel auch keinen Grenzschutz kennt. Frische, Qualität und Kundennähe sind es aber, welche dem Anbau weiter Auftrieb geben. Am diesjährigen Deutschschweizer Spargeltag lag der Fokus besonders bei der Mechanisierung und Qualitätssicherung im Nacherntebereich. «Die Qualitätsansprüche steigen, und die Qualität kann bei genügender Marktversorgung für den Absatz entscheidend sein», rief Herbert Cebulla von der Neubauer Automation OHG in Erinnerung. Dieses Unternehmen mit Sitz in Welver in Nordrhein-Westfalen hat sich auf den Bau von Maschinen für den Nacherntebereich spezialisiert. Ursprünglich entwickelte das Werk einen Roboter für das Stechen der Spargeln. Doch dieser stand in der direkten Konkurrenz zum billigeren Erntehelfer, und das Projekt wurde Ende des letzten Jahrhunderts beerdigt. Im selben Zeitraum begann das Unternehmen mit der Entwicklung und dem Bau von Spargelsortiermaschinen. «Wir haben uns dabei vorwiegend auf die weisse Spargel ausgerichtet, welche in Deutschland zu 97 Prozent angebaut wird», so Cobulla. Heute sind diese Maschinen weltweit im Einsatz. Die erste wurde 2008 in die Schweiz geliefert, aktuell sind es bereits deren dreizehn. «Wir stellen fest, dass es in Deutschland und der Schweiz vorwiegend Betriebe sind, welche ihre Spargeln direkt vermarkten. In Frankreich stehen diese hingegen in Genossenschaften im Grosseinsatz.» Eine normale Maschine sortiert pro Stunde 18 000 bis 36 000 einzelne Spargeln. Nach dem Sortiervorgang, wo jede Spargel sechs- bis siebenmal fotografiert wird, kann sie in bis zu zwölf Qualitätsstufen aussortiert werden.

Vieles wird möglich
Die Daten der Sortiermaschine lassen sich aber auch in Kombination mit einem Scanner weitergehend verwenden. Wird exakt nach Parzelle und Erntehelfer gewaschen und sortiert, so können die Daten jeder einzelnen Spargel entsprechend des Strichcodes auf den Kisten zugeordnet werden. «Dies erlaubt eine sehr exakte Erfassung der Spargelmengen der einzelnen Felder. Sie liefern aber auch umfassende Informationen über deren Qualität», führte Cebulla weiter aus. Doch auch der einzelne Erntehelfer kann miteinbezogen werden. Die Daten können zur Entlöhnung im Rahmen der Akkordernte und auch zur Verbesserung der Spargelstechqualität eingesetzt werden. «Die Erhebung der Daten erlaubt es, dass die Arbeit des Stechens im Nachhinein von jedem einzelnen Erntehelfer exakt überprüft werden kann», so Cebulla. Neu kommt jetzt auch die Wasserstrahlschneide dazu. Jede einzelne vermessene Spargelstange wird unter Berücksichtigung der Sorte und der Merkmale auf die exakte, vorgegebene Länge geschnitten. Es minimiert damit den Verschnitt und der Ausnutzungsgrad kann optimiert werden. «In Betrieben, wo täglich bis zu 100 Tonnen Spargeln sortiert werden und mit dieser Technik 5 Prozent mehr herausgeholt werden können, macht sich diese Technologie rasch bezahlt», ist Cabulla überzeugt.

Unkraut, Schädlinge, Pflanzenschutz und neue Sorten
Auch beim Spargelanbau machen neue Züchtungen Fortschritte. Der Niederländer Maurice Deben von der Bejo stellte aktuell das vorhandene Sortiment an Bleich- und Grünspargelsorten vor. Bereits stehen aber neue, noch ertragreichere Sorten bereit. So kommt unter anderen mit Canticus eine neue Grünspargel mit Anthocyan auf den Markt. Mit Erasmus wird die erste 100-prozentig männliche und violette Sorte eingeführt. Als sehr ertragreiche Sorte eignet sie sich für den Anbau in sehr warmem aber auch kühlem Klima.
«Vieles hat sich geändert», gab Tagungsleiter Daniel Bachmann mit Blick auf die Anpassungen und Änderungen bei den Pflanzenschutzmitteln auf den Weg. «Es ist wichtig, dass die Arbeitgeber, insbesondere auf Betrieben mit Spargeln, umfassende Kenntnisse über arbeitsvertragliche Grundlagen, den Einzelarbeitsvertrag und das Meldeverfahren haben», rief Monika Schatzmann von Agroimpuls in Erinnerung. Auch die Spargelbauern haben mit der Spargelfliege ihren spezifischen Schädling. «Beim Auftreten der Spargelfliege sind vorbeugende und mechanische Bekämpfungsmassnahmen wenn immer möglich zu nutzen», betonte Ute Vogler von Agroscope. «Das A und O in der Unkrautbekämpfung im Spargelbau besteht darin, die Felder möglichst sauber zu halten. Man muss achtsam sein, Problemunkräuter frühzeitig erkennen und beseitigen, das heisst auch von Hand rasch ausreissen», so der Rat von Martina Keller von der Agroscope.


Roland Müller




« zurück zur Übersicht