Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Die Bodenbatterie

Ausgabe Nummer 38 (2014)

Gartentipps vom Fachmann

Terra Magica, Bodenbatterie, Boden-Regenerator ... Die Fantasie mancher Anbieter kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, die fantastischen Eigenschaften von Bodenverbesserungsmitteln anzupreisen. In jedem Fall ist es sinnvoll, die Produkte gezielt und mit Mass einzusetzen.

Die Mittel wirken auf vielfältige Weise im Boden. Alle aufgeführten Stoffe haben eine verbesserte Wasserspeicherung und Bodendurchlüftung zur Folge. Toxische Stoffe werden zum Teil gebunden. Die Stoffe haben auch eine positive Eigenschaft auf den Nährstoffhaushalt zwischen dem Boden und der Pflanze. Überschüssige Nährstoff-Ionen lagern sich an und werden bei Bedarf wieder an die Pflanze abgegeben. Dieser Vorgang ist unbegrenzt wiederholbar. In der Fachsprache wird diese Eigenschaft als «Pufferung» bezeichnet. Um die Bodenaktivität und die Mineralisierung zu fördern, werden bei einigen Produkten Mykorrhizen und Bodenbakterien beigefügt.

Terra Preta
Wesentliches Kennzeichen der Terra Preta ist der hohe Gehalt an organischer Substanz, der auf der Ansammlung von Holzkohle beruht. Verkohltes Pflanzenmaterial hat eine sehr grosse Oberfläche, die in der Medizin oder in der Reinigung unter anderem in Form von Aktivkohle genutzt wird. Es speichert ähnlich wie Huminstoffe wichtige Pflanzennährstoffe. In Verbindung mit herkömmlichem Kompost lässt sich so ein pflanzenfreundliches Material zusammenstellen. Diese wird Pflanzenkohle oder Biochar genannt. Als ein besonderer Vorteil der Pflanzenkohle ist die langfristige CO2-Speicherung. Je nach Qualität geht man von Abbauzeiten von 10 bis 50 Jahren aus. Auch wenn die Biokohle vorteilhaft lange im Boden verbleibt, sollte nüchtern geprüft werden, ob ein guter Kompost (zum Beispiel aus Laub) nicht die gleiche Wirkung hat.

Zeolithe
Zeolithe sind kristalline Alumosilikate, die in zahlreichen Modifikationen in der Natur vorkommen, aber auch synthetisch hergestellt werden können. Aufgrund ihrer grossen inneren Oberfläche (bis 1000 m2 pro Gramm) können Zeolithe sehr viel Wasser (bis 40 Prozent des Eigenvolumens) und Nährstoffe speichern und ohne Verlust an die Pflanze abgeben. Die Einsatzmöglichkeiten im Garten sind daher sehr vielfältig. Als wichtiger Bestandteil von modernen Pflanzsystemen (Vulkastrat®) verdrängen sie langsam das Hydrosystem Luwasa® vom Markt. Mittlerweile finden Produkte aus Zeolithe auch bei der Pflege von Rasenflächen ihre Anwendung.

Bentonit
Bentonit ist ein Gestein, das eine Mischung aus verschiedenen Tonmineralien ist. Es entsteht durch Verwitterung aus vulkanischer Asche. Bei Zugabe von Wasser dehnt sich das Mineral um ein Vielfaches der Ursprungsgrösse aus. Er bildet deswegen besonders wertvolle Ton-Humus-Komplexe, sodass unbelasteter Bentonit auch eine gute Zugabe zum Kompost darstellt. Durch seine grosse innere Oberfläche (1 g = 400 bis 600 m2, normaler Ton: 2 m2), können sich Kationen zwischen den Schichten einlagern. Bei Bedarf werden diese wieder an die Bodenlösung abgegeben. Bei belasteten und überdüngten Böden, hat Bentonit die Eigenschaft, die Speicherkapazität zu erhöhen. Bentonitprodukte (Edasil) werden im Gartenbau als Zuschlagsstoff von Erdmischungen und Bodenverbesserungsmitteln verwendet.

Ertragssteigerungen auf guten Böden sind unrealistisch, eher möglich erscheinen Einsparungen an Düngermittel bei einem angereicherten Nährstoffgehalt im Boden.
Grundsätzlich kann man nur zu eigenen Versuchen im privaten Garten raten. Jedoch sollten keine Wunderwirkungen erhofft werden, auch wenn die Werbung und die «Wunderpreise» solche Erwartungen wecken.


BBZ Arenenberg,
Schul- und Versuchsgärtnerei,
Daniel Brogle







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