Ausgabe Nummer 4 (2004)

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Die Chance für Unternehmer

Neuorientierung: Bauer mit Zuerwerb

 

Die Chance für Unternehmer

 
Mit einem zusätzlichen Standbein ausserhalb der Landwirtschaft kann die Einkommenssicherheit der Bauernfamilie gesteigert werden. Dabei gilt es aber einige Grundregeln zu beachten.

Von ungefähr kommt es ja nicht, dass Bauernfamilien sich einen Teil ihres Einkommens von ausserhalb der eigentlichen Landwirtschaft holen. Verglichen mit früher bleibt dem Landwirt immer weniger vom Konsumentenfranken. Vom Nahrungsmittel von heute, wie es der Konsument kauft, macht die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion im Verhältnis zur Verarbeitung, Verpackung und Handel nur noch einen kleinen Bruchteil aus. In der Folge verdienen auch immer weniger Bauern damit ihr Einkommen. Wenn aber nach wie vor mehr Menschen auf ihren Höfen tätig sein wollen, und das ist gut so, als für die Nahrungsmittelrohstoffproduktion nötig sind, so ist es nichts anderes als folgerichtig, wenn aktive Bauernfamilien den Rest des notwendigen Einkommens von ausserhalb der Landwirtschaft hereinholen. Darin zeigt sich einmal mehr die Überlebensstärke des landwirtschaftlichen Sektors.

Reizwort Quersubventionierung
Rund eine Milliarde Franken sollen es sein, welche Schweizer Bauernfamilien jährlich ausserhalb ihrer Landwirtschaftsbetriebe hinzuverdienen. Dies im Vergleich zu rund 2,2 Milliarden Einkommen, welche aus dem Produktverkauf in der Höhe von rund 10 Milliarden pro Jahr resultieren. Schnell liegt der Gedanke nahe, dass eine Bauernfamilie mit Zuerwerb hauptsächlich vom nichtlandwirtschaftlichen Einkommen lebt und dass das Einkommen aus der Bewirtschaftung des Betriebes gegen null geht, weil dort zu hohe Kosten anfallen für teure Gebäude oder nicht ausgelastete Maschinen. Kritische Stimmen brauchen hier das Wort Quersubventionierung.

Zwei Standbeine können nur erfolgreich geführt werden, wenn Betriebsorganisation und Planung stimmen.

Quersubventionierung nein
Die Bauernfamilie mit oder ohne Zuerwerb entscheidet selber, wie sie ihre Finanzen regelt und ihr Einkommen verwendet. Sicher macht es aber wenig Sinn, fast um jeden Preis ausserhalb der Landwirtschaft ein Einkommen zu verdienen, um damit die Kosten im Landwirtschaftsbetrieb zu tragen. Geschieht das trotzdem so, müsste das eher als Pflege der Tradition und Freizeitbeschäftigung betrachtet werden. In diesem Fall ist der Begriff «Quersubventionierung» angebracht. Die Folge davon ist, dass eine wirtschaftlich nicht sinnvolle landwirtschaftliche Produktion aufrechterhalten wird. Davon profitieren alle vor- und nachgelagerten Wirtschaftsteilnehmer vom Maschinenlieferanten bis zum Kälblihändler, nur die Landwirtschaft hat nichts davon.
Anders sieht die Sache aus, wenn dank der kombinierten Tätigkeit mit dem ausserlandwirtschaftlichen Erwerb Eigenkapital gebildet werden kann und dieses zielorientiert und wirtschaftlich für eine Investition im Landwirtschaftsbetrieb eingesetzt wird anstelle von Fremdkapital von der Bank. Dies wäre eine «Querfinanzierung», welche dann vorgenommen werden soll, wenn dadurch die landwirtschaftliche Tätigkeit ihrerseits wieder mehr Arbeitsverdienst abwirft. So verfügt eine Bauernfamilie mit ihrer Landwirtschaft und dem Zuerwerb über zwei gesunde Standbeine zu ihrer Existenzsicherung.

Zwei Standbeine, weniger Risiko
Ein Einkommensstandbein in der Landwirtschaft und ein zweites in einer ausserlandwirtschaftlichen Tätigkeit, egal ob selbstständigerwerbend oder unselbstständigerwerbend, sind die beste Einkommensversicherung in schwierigen Zeiten. Sie bedingen aber, dass die Bauernfamilie gute unternehmerische Fähigkeiten hat und es schafft, beide Standbeine erfolgreich zu führen und die nötigen organisatorischen Massnahmen zu treffen. Die Konsequenzen aus dieser Forderung an den landwirtschaftlichen Betrieb sind ganz klar: einfach, einfach und nochmals einfach muss der Betrieb organisiert sein.

Einfach organisieren ? straff führen und zusammenarbeiten
Ein zukunftsorientierter landwirtschaftlicher Betrieb mit einem hohen Anteil Zuerwerb von bis gegen fünfzig Prozent des Einkommens hat eine hervorragende Zukunft. Er darf aber konsequent nur einen bis maximal zwei Betriebszweige umfassen, muss diese so professionell führen wie der Vollerwerbsbetrieb und wo immer möglich die überbetriebliche Zusammenarbeit suchen und umsetzen. Wer dieses Prinzip nicht konsequent umsetzt, wird mit dem Konzept «Zuerwerbsbetrieb» Schiffbruch erleiden. Er sollte die Landwirtschaft möglichst bald reduzieren oder mindestens nichts mehr investieren. Die Gefahr ist nämlich gross, dass sonst in wenigen Jahren so viel Geld verloren geht, dass sogar die Altersvorsorge gefährdet ist.

LBBZ Arenenberg,
Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Martin Huber

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