Ausgabe Nummer 15 (2005)
Die drei wichtigsten Schrauben rund um die Fütterungskosten
| Sondernummer Grundfutterkosten im Griff |
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| Wer die Futterkosten senken will, kommt nicht darum herum, an drei Schrauben zu drehen: Kraftfutter, Grundfutter, Betriebsleiter. Jede Schraube weist ein Kosteneinsparungspotenzial auf, das auf Grund des unterschiedlichen Umfeldes und betrieblichen Faktoren jeder Betrieb für sich ausloten muss. Welche Kosten sind zu erwarten? Was sind wichtige Einflussfaktoren? | |||
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| Futter- und Fütterungskosten machen einen wesentlichen Teil der Produktionskosten der Milch aus. Aus der Buchhaltung können meist nur die Kraftfutterkosten entnommen werden, nicht aber die Kosten für die Grundfutterbeschaffung und Fütterung. Auf einem Milchwirtschaftsbetrieb sind aber der Flächenbedarf, die Kosten für Maschinen, Heuraum, Silos und mechanische Einrichtungen sowie der Arbeitszeitaufwand für den Futterbau, die Konservierung und die Fütterung von wesentlicher Bedeutung. Somit bestimmen die dabei anfallenden Kosten massgeblich die Produktionskosten. Bedingt durch betriebliche Faktoren sowie das Umfeld ist vielerorts die Wahl auf bestimmte Konservierungsverfahren sowie der Futtermittel schon gefallen oder gar vorgegeben. Eine Diskussion rund um deren Kosten sowie Vor- und Nachteile bringt deshalb diesen Betriebsleitern wenig. Trotzdem, wer in Zukunft mithalten will, muss auch am Bestehenden rumschrauben. Mit welchen Fütterungskosten muss gerechnet werden? Die konkrete Berechnung der Futterkosten für den eigenen Betrieb ist sehr aufwändig. Standardzahlen geben dem Betrieb zu wenig Auskunft, da die Berechnungen nicht auf den eigenen Maschinen und Verhältnissen abgestützt sind. Betriebe, die eine Vollkostenrechnung durchgeführt haben, können die Fütterungskosten anhand dieser Zahlen schätzen. Sie setzen sich zusammen aus den Kosten für Kraftfutter, Futterbau, Maschinen (~90% der effektiven Vollkosten), Gebäude (35%), allg. Betriebskosten (10%), Schuldzinsen (35%), Pachtzinsen sowie eigene Arbeit (33%). Gegebenenfalls muss je nach verwendetem Produktionsverfahren (Vollweide Ganzjahressilage) ein höherer oder tieferer Anteil der Gebäudekosten für die Fütterung eingesetzt werden. Für die verschiedenen Produktionssysteme ergeben sich folgende Fütterungskosten (siehe Tabelle). Als Kontrollrechnung wurde eine Kostenschätzung durchgeführt, wenn sämtliches Futter alle 2 bis 3 Wochen zugekauft wird. Bei einem guten Kostenmanagement sollten die eigenen Fütterungskosten tiefer liegen als der Zukauf des Futters. An drei Schrauben drehen Die geschätzten Fütterungskosten zeigen die drei Schrauben, an die es zu drehen gilt, deutlich auf: Kraftfutter, Grundfutter und Betriebsleiter. Jeder Faktor birgt Optimierungspotenzial in sich. Kraftfutterkosten: Die Kraftfutterkosten machen rund 20% der Fütterungskosten aus. Schon beim Einkauf können die Kraftfutterkosten reduziert werden: Preis des Kraftfutters, Einkauf von Grossmengen, Einzelkomponenten statt Mischungen, lose statt verpackt. Beim Kraftfuttereinsatz sind folgende Massnahmen in Betracht zu ziehen: gezielter Einsatz nach Milchleistung und Laktationsstadium (Fütterungsplan), Verabreichung über den Tag verteilt, Einsatz von Spezialfuttermittel oder Zusätzen nach Bedarf. Eine Reduktion des Kraftfuttereinsatzes ist eine Gratwanderung, die es abzutasten gilt, um keine Einbussen in der Tiergesundheit und vor allem der Fruchtbarkeit zu erleiden. Grundfutter: Die Grundfutterkosten betragen inklusive Mechanisierung, Futterlagerung und -vorlage rund 50% der Fütterungskosten. Folgende Optimierungsmöglichkeiten sind in Betracht zu ziehen: wenige Hauptkomponenten statt viele verschiedene Komponenten. Werden mehrere Futtermittel eingesetzt, muss dies aus Gründen des Arbeitsaufwandes oder der Kosten gerechtfertigt sein. Vor allem kleine Mengen z. B. an Futterrüben oder Mais verteuern durch einen im Verhältnis zur Menge hohen Mechanisierungs- und Arbeitsaufwand die Produktionskosten. Mit überbetrieblicher Zusammenarbeit und Maschineneinsatz bei der Futterproduktion und -bereitstellung können die eigenen Maschinen besser ausgelastet (Maschinenkosten!), Arbeitsspitzen reduziert und allenfalls Rationalisierungseffekte ausgenützt werden. Das System der Futterlagerung muss zur Zukunftsstrategie des Betriebes zusammenpassen. Betriebswachstum und -ausrichtung, Milchleistungssteigerung sind rechtzeitig einzuplanen. Eine Analyse der Preisparität der eingesetzten und auf dem Betrieb einsetzbaren Grundfuttermittel ist sehr hilfreich, um sich über die Kostenverhältnisse und -strukturen zu orientieren. Betriebsleiter: Die Kosten für die Arbeit des Betriebsleiters und etwaiger Angestellter beläuft sich auf zirka 30% der Fütterungskosten. Die Schraube «Betriebsleiter» umfasst jedoch mehr: hier sind Qualitäten des Betriebsleiters angesprochen wie Können, Wissen, Fähigkeiten, Beobachtungsgabe, Arbeitsqualität, Umsetzungsvermögen sowie Disziplin. Dieser Bereich ist weitaus am schwierigsten zu analysieren. Es handelt sich hier um Softfactors, die nicht immer mit knallharten Zahlen belegt werden können. Der Betriebsleiter muss sich und sein Handeln offen und ehrlich betrachten, was sehr hart sein kann. Dies kann zu Veränderungen führen. Im Extremfall kann dies bedeuten, dass teilweise lieb gewonnene Gewohnheiten aufgegeben werden müssen. Folgende Bereiche gehören zum Beispiel zu dieser «Schraube»: Tierbetreuung und -beobachtung, wie Kot, Körperkondition, Verhalten, Klauengesundheit; Erstellung eines Fütterungsplanes und dessen Überprüfung; Fütterungsmanagement; Aufzeichnungen, Datenerhebung und -analyse; Planung; Weidemanagement; regelmässige Weiterbildung. Schlussfolgerungen Auch bei einem bestehendem Produktionssystem ergeben sich Optimierungspotenziale. Für den Betriebsleiter lohnt es sich, die einzelnen Bereiche regelmässig genauer unter die Lupe zu nehmen. Da der Betriebsleiter seinen Betrieb immer nur durch «seine Brille» sieht und deshalb die Erarbeitung von neuen Lösungen schwieriger ist, ist es oft hilfreich, sich die Sichtweisen von aussen zu holen. Dies kann vielfältige Formen annehmen wie Artikel lesen, mit Berufskollegen diskutieren, andere Betriebe oder Kurse besuchen, an Erfahrungsgruppen oder Arbeitskreisen teilnehmen. Das Pikante: Ausreden wie «keine Optimierungsmöglichkeiten mehr» oder «Kos-tenpotenzial ausgeschöpft» gibt es nicht. Spitzenbetriebe (aus Sicht der Kosten) sind immer noch der vollen Überzeugung, dass bei ihnen immer noch Einsparungs- und Optimierungsmöglichkeiten bestehen. LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Jenifer van der Maas |
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| Fütterungskosten aus der Vollkostenrechnung von Schweizer Talbetrieben (Resultate 2001 bis 2003) geschätzt. Werden die eigenen Kosten einem alleinigen Futterzukauf gegenübergestellt, sollten diese tiefer liegen |
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