Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Die Drosophila suzukii fliegt aus

Ausgabe Nummer 29 (2015)

Die Kirschenernte ist bald vorüber und die Kirschessigfliege Drosophila suzukii sucht sich neue Kulturen für die Vermehrung. Besonders attraktiv zeigten sich in der Vergangenheit verschiedene Beerenkulturen. Der Einflug aus den Kirschen kann dabei schnell und plötzlich geschehen. Nur mit vorbeugenden Massnahmen kann man den Schädling unter Kontrolle halten.

Aktuelle Vermehrung
Die Kirschenernte neigt sich langsam dem Ende zu. Die hohen Temperaturen führten zu einer schnellen Reifeentwicklung. Hie und da konnten nicht alle Hochstammkirschen geerntet werden. Aber auch bei geernteten Anlagen lässt es sich selbst bei einer vorbildlichen Erntehygiene nicht vermeiden, dass einzelne Kirschen hängen bleiben und der Vermehrung der Kirschessigfliege dienen.
Hohe Temperaturen, welche nachweislich die Aktivität der Kirschessigfliege reduzieren und die Männchen sterilisieren, vermochten in den letzten Tagen die Populationsentwicklung nicht zu bremsen. Es ist gut möglich, dass sich die Kirschessigfliege bei höheren Temperaturen an kühlere Orte zurückzieht, wie zum Beispiel in einen Kirschenbaum. Dort sind die Temperaturen meist tiefer und es herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Zudem findet die Fliege ein breites Nahrungsangebot, wodurch ihre Fruchtbarkeit steigt. Auch die Kirsche selber ist die perfekte Kinderstube für die Kirschessigfliegen-Larven. Die Entwicklungsrate liegt dort nahe bei 100 Prozent.

Blick in die Zukunft
Die Kirschessigfliege hat sich in den letzten Wochen stark vermehrt und wird dies weiterhin tun. Die Erfahrungen vom letzten Jahr und die diesjährige Entwicklung führen zum Schluss, dass zum Ende der Kirschensaison eine grosse Population auf die Suche nach neuen Nahrungs- und Vermehrungsquellen geht. Die Beerenkulturen sind dabei besonders beliebt. Sie gilt es daher optimal zu schützen.

Bekämpfung ausserhalb der Kultur
Die Kirschessigfliege von den Beerenkulturen fern zu halten hat erste Priorität. Es empfiehlt sich daher Waldränder und Büsche in der Nähe von Beerenkulturen mit Fallen abzuhängen. Zusätzlich muss gegen Ende der Kirschenernte auch die Bekämpfung an den Kirschenbäumen ins Auge gefasst werden. Bei eingenetzten Kirschenanlagen sollte man dazu das Gespräch mit den Produzenten suchen, damit diese nach der Ernte die Seitennetze nicht öffnen und sich die Kirschessigfliege in den verbleibenden Kirschen vermehren, beziehungsweise eine bereits etablierte Population ausfliegen kann. Diesbezüglich ist auch eine gezielte chemische Nacherntebehandlung in Betracht zu ziehen. Bei ungeschützten Anlagen oder Hochstammkirschen empfiehlt es sich, die Bäume mit Fallen abzuhängen. Somit soll verhindert werden, dass die Fliege aus dem Kirschenbaum hinaus in die Beeren fliegt. Eine aktuelle Überwachung zeigt, dass mit vier Becherfallen pro abgeerntetem Baum bis zu 100 Kirschessigfliegen pro Woche gefangen werden können.

Bekämpfung in den Beerenkulturen
Die Bekämpfung der Kirschessigfliege in der Kultur gelingt nur in Verbindung mit verschiedenen Massnahmen. Das wichtigste ist dabei ein proaktives Vorgehen. Ein Fallengürtel oder Massenfang mit Becherfallen im Abstand von zwei Metern muss vor dem ersten Befall installieret sein, um effektiv zu sein. Aber damit ist es leider noch nicht getan, eine strikte Erntehygiene und kurze Ernteintervalle sind eine weitere wichtige Bekämpfungsmassnahme. Um frühzeitig einen Befall zu erkennen, empfiehlt es sich, die nicht marktfähigen Früchte standardmässig in einer zehnprozentigen Salzwasserlösung auf Madenbefall zu kontrollieren. Das Verhältnis Beeren zur Lösung sollte 1: 3 nicht überschreiten. Nach spätestens zwei Stunden sind die Larven bei Befall sichtbar. In solch einem Fall kontaktieren Sie umgehend die kantonale Beratung.

Netze als physischer Schutz
Neu sind seit diesem Jahr verschiedene Beerenkulturen mit Netzen der Maschenweite 1,3 mm x 1,3 mm eingenetzt. Diese müssen nun unbedingt geschlossen sein. Durch diese Massnahme entstehen aber neue Herausforderungen in der Betriebsführung. So ist bei den Herbsthimbeeren der Einsatz von Bestäubern zwingend und dem betriebseigenen Monitoring von tierischen und pilzlichen Schaderregern kommt durch die veränderte Atmosphäre eine höhere Bedeutung zu.

Forschung und Entwicklung
Die Bekämpfung der Kirschessigfliege bleibt auch in diesem Jahr herausfordernd und ist mit vielen Unsicherheiten verbunden. Derweil arbeitet die Agroscope gemeinsam mit den kantonalen Fachstellen an neuen Lösungen. In diesem Zusammenhang laufen auch im Kanton Thurgau verschiedene Versuche.


Florian Sandrini,
BBZ Arenenberg










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