Ausgabe Nummer 4 (2012)
"Die Energie ist vorhanden - wir müssen sie nutzen"
Rund 150 Personen folgten der Einladung der Landi Thur AG in Zuzwil zu einem Informationsabend. Zum Thema «Biogene Heizstoffe» referierten Persönlichkeiten wie Nationalrat Markus Ritter, Regierungsrat Willi Haag und Andreas P. Koch, Geschäftsführer KEEST. Erneuerbare Energien, und hier vor allem die Förderung von biogenen Heizstoffen, standen am 8. Informationsabend der Landi Thur AG in Zuzwil im Brennpunkt des Interesses. In Zusammenarbeit mit dem Kompetenz-Zentrum Erneuerbare Energie SüdThurgau KEEST und der Regio Wil hatte Ueli Kellenberger, Geschäftsführer der Landi Thur AG, diese Informationsveranstaltung organisiert. Am 19. Januar 2012 folgten rund 150 Personen seiner Einladung. Für eine umfassende Information der Anwesenden sorgten Referenten wie Markus Ritter, Nationalrat; Willi Haag, Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements des Kantons St. Gallen; Andreas P. Koch, Geschäftsführer KEEST; Stefan Frei, Gemeindepräsident von Jonschwil und Vorstandsmitglied von Regio Wil; Janez Zekar, Geschäftsführer und Inhaber der Bioburn AG, Zürich. Pferdemist – eine geballte Ladung Energie Pellets aus ungenützter Biomasse, die hart sind, nicht krümeln oder stauben, beim Verbrennen viel Energie erzeugen, und deren Asche als wertvoller Dünger ausgebracht werden kann – dafür plädierte Janez Zekar, Geschäftsführer und Inhaber der Bioburn AG. Mit dem Bioburn-Pelletsystem, das auf dezentrale Energiegewinnung setzt, kann jegliche Art von nicht holzhaltiger Biomasse verarbeitet werden. Dies veranschaulichte Janez Zekar am Beispiel von Pferdemist: «Ein Pferd produziert pro Tag rund 35 kg Mist, woraus 25 kg Pellets hergestellt werden können. Mit dem Mist eines Pferdes kann ein konventionelles Einfamilienhaus ein Jahr lang beheizt werden.» Ein Landwirt könne auf einer Bioburn-Pelletieranlage pro Tag rund 2,5 Tonnen Pellets herstellen, und das vollautomatisch und mit einmaliger Beschickung. Das Bioburn-Green-Franchising, welches die Clean- Tech-Strategie zu 100 Prozent erfülle, stosse im Moment in der Schweiz wegen des «Amtsschimmels» an unüberwindliche Grenzen. Das geltende Recht müsse unter dem Aspekt der Kohärenz mit der Biomassestrategie weiterentwickelt werden. Energieeffizienz massiv steigern Andreas P. Koch, Geschäftsführer KEEST (Kompetenz-Zentrum Erneuerbare Energie SüdThurgau) und Vertreter Wirtschaft der Regio Wil, referierte unter dem Thema «Energiefragen in der Landwirtschaft – von strategischer Bedeutung». Er bezeichnete als den wahren Grund der steigenden Energiepreise den Umstand, dass weltweit die fossilen Energiereserven langsam aber sicher zu Ende gehen. Auch der Atomausstieg werde eine Stromlücke hinterlassen. Um die Energieversorgung sicherzustellen, müsste vermehrt auf erneuerbare Energie aus unserer Region gesetzt werden: «Hier besteht ein riesiges zusätzliches Potenzial», sagte er. Dies sei je nach Technologie wie Wasserkraft, Biomasse oder Windkraft, verschieden. Am grössten sei das Potenzial bei der Photovoltaik und der Tiefengeothermie. Aber auch bei der Energieeffizienz seien dank individueller Beratung zum Beispiel bei KMUs und Gewerbe auch ohne grossen finanziellen Aufwand massive Verbesserungen möglich. Chancen für die Landwirtschaft Nationalrat Markus Ritter, Präsident des St. Galler Bauernverbands, wies im Bereich erneuerbare Energie auf vielfältige Chancen für die Landwirtschaft hin. So erwähnte er das Potenzial für Photovoltaikanlagen dank riesiger vorhandener Dachflächen. Doch auch die Energieeffizienz müsse gesteigert werden: «Die wirkungsvollste Energie muss gar nicht produziert werden.» Als grossen Beitrag des SBV beim Nutzen der Chancen im Bereich Klima und Energie nannte er die Mitbegründung der Plattform AgroClean Tech im Jahr 2011. Es brauche neue Technologiesprünge. Er sagte: «Die Energie ist vorhanden – wir müssen sie nutzen.» Die Politik habe mit dem Atomausstieg ein wichtiges Zeichen gesetzt. Wertschöpfungsketten unterstützen Stefan Frei, Vorstandsmitglied der Regio Wil, informierte über die neue Regionalpolitik NRP, deren Kernaufgabe die Stärkung der Regionen als Wirtschaftsraum ist. Dies geschieht durch Förderung und finanzielle Unterstützung von Wertschöpfungsketten. Ein weiteres Ziel ist, pro Jahr ein neues NRP-Projekt wie KEEST aufzugleisen. Lukrativ für Landwirte Willi Haag, Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements des Kantons St. Gallen, zeigte in der Energiepolitik des Kantons St. Gallen lukrative Möglichkeiten für Landwirte auf. Unterstützt werden Bereiche wie Sonnenkollektoren, Biogasproduktionsanlagen, automatische Holzfeuerungen, aber auch der Ersatz von Elektroboilern oder Beleuchtungsanlagen. In einer Fragerunde stellten sich anschliessend die Referenten den Fragen der Anwesenden, und der Abend schloss mit einem ausgezeichneten Nachtessen und weiteren angeregten Gesprächen. Beatrice Oesch, Niederwil
