Ausgabe Nummer 22 (2008)
Die ersten dreieinhalb Monate bei der Agro Marketing Thurgau AG
Jeden zweiten Tag gibt?s Spargel
Es gilt für den französischen Staatspräsidenten ebenso wie für die neugewählte Bundesrätin ? nach 100 Tagen im Amt ist der Zeitpunkt reif für ein erstes Fazit und einen Ausblick auf die zukünftigen Schwerpunkte. Die Geschäftsführerin der Anfang Jahr gegründeten Agro Marketing Thurgau AG,Angela Nägele, steht nach 100 Tagen im Amt dem «Thurgauer Bauer» Rede und Antwort.Thurgauer Bauer (TB): Frau Nägele, sie sind auf einem Bauernhof in der Nähe von Ravensburg aufgewachsen. Wie gefällt es Ihnen südlich des Bodensees?
Angela Nägele: Einfach super, total gut! Ich spüre eine grosse Akzeptanz in der Zusammenarbeit mit den Menschen im Thurgau und die Gegend ist traumhaft. Auf dem Weg zur Arbeit grüsst mich der See, auf dem Heimweg schaue ich zum Säntis. Schon in der Jugend war ich oft in der Schweiz.
TB: Was hat Sie dazu bewogen, diese Stelle im Thurgau anzunehmen, nachdem Sie vorher in verschiedenen Marketingpositionen in den USA und in Deutschland tätig waren?
Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Zum einen wollte ich in die Bodenseeregion zurückkehren und zum andern habe ich nach einer ganz neuen beruflichen Herausforderung gesucht. Jetzt, nach der ersten Einarbeitungszeit kann ich sagen, dass ich in meinem Entscheid noch bestärkt bin.
TB: Sind Menschen und Märkte beidseits der Schweizer Grenze vergleichbar?
Dass ich auf der Schweizer Seeseite bin, merke ich daran, dass beim Ortseingang oft bis auf 40 km/h runtergebremst wird? Aber im Ernst: natürlich sind Mentalität und damit auch das Kaufverhalten der Menschen verschieden. Aber gerade um den See herum sind sich die Menschen ähnlicher, als viele denken. Deutschland ist generell gesehen ein Tiefpreismarkt bei den Lebensmitteln. Dass dabei irgendwann der Geschmack und die Qualität auf der Strecke bleiben, sehen jetzt immer mehr Leute ein. Insbesondere in Süddeutschland, wo eine vergleichbar hohe Kaufkraft wie in der Schweiz vorhanden ist, bieten sich grosse Chancen für die oft etwas teureren Schweizer Produkte. Eigentlich geht es schon heute darum, gute Schweizer Produkte so zu positionieren, dass sie bei möglichem weiterem Abbau der Handelsbarrieren bereits gut positioniert sind und der neue Markt sofort weiter erschlossen werden kann.
TB: Welche Projekte und Aufgaben sind für das laufende Jahr geplant?
Momentan stehen wir mitten in den Thurgauer Spargelwochen, die wirklich sehr gut laufen. Im Juni sind wir dann mit einigen Partnern am Schweizer Gesangsfest in Weinfelden. Für die WEGA im Herbst koordinieren wir einen gemeinsamen Auftritt verschiedener Unternehmen. Bei unseren Aktivitäten wollen wir die Marke «Natürlich aus dem Thurgau» konsequent weiter verfolgen und sie zu einer Art Gütesiegel machen. Daneben bieten wir konkrete Marketingdienstleistungen an, so etwa des Erstellen von Marketingkonzepten oder die Überarbeitung von Websites.
Einen grossen Vorteil für meine Arbeit bringt der Standort in Amriswil, im gleichen Haus wie Thurgau Tourismus und das Standortmarketing Thurgau. Es ergeben sich Projekte, die sich toll kombinieren lassen.
TB: Schon Visionen und Ideen für die Zukunft?
Oberstes Ziel meiner Arbeit bei der Agro Marketing Thurgau AG ist ganz klar, mit geeigneten Massnahmen dafür zu sorgen, dass unsere Partner ihre Produkte vernünftig verkaufen können. Hier im Kanton kann mit der Bündelung von Kräften noch enorm viel erreicht werden, zu viele Einzelkämpfer backen noch ihre eigenen Brötchen, statt sich zusammen zu tun. Die Agro Marketing Thurgau AG kann hier Hand bieten, zu einer wertvollen Plattform werden und auch Aufgaben übernehmen, die für einzelne Unternehmen zu mühselig sind. Als konkrete Aufgabe denke ich an die Abwicklung der Zollformalitäten, die für viele Thurgauer Unternehmen eine zu grosse Hemmschwelle darstellen, um beispielsweise auch einmal an einer Messe jenseits der Grenze aufzutreten.
In der Vermarktung von Thurgauer Produkten sind schon so viele gute Aktionen und Ideen vorhanden. Ich spüre eine grosse Bereitschaft, diese Ideen erfolgreich weiter zu entwickeln.
TB: Sagen Sie uns doch zum Schluss noch etwas über Ihre persönlichen Vorlieben im Lebensmittelbereich! Was ist Ihr Lieblingsmenü?
Das hängt total von der Jahreszeit ab. Im Moment esse ich jeden zweiten Tag Spargeln, weil ich immer so lange auf die Saison warten muss. Im Herbst locken mich Wildgerichte mit selbstgemachten schwäbischen Spätzle.
Ihr Lieblingsgetränk?
Der sortenreine Rubinette-Apfelsaft von meinem Papa ist absolut köstlich. Und zu einem guten Essen gehört für mich ein gutes Glas Rotwein.
Ihr Lieblingsobst?
Für mich geht nichts über die Erdbeere. Ausserdem esse ich täglich einen Apfel und gerne auch einmal Trauben. Und ich sage das nicht, weil ich jetzt im Apfelkanton arbeite?
Andreas Rohner, Thurgauer Bauernverband

Angela Nägele will dafür sorgen, dass der Thurgauer Innovationsgeist zu erfolgreichen Marketingmassnahmen gebündelt werden kann. (ro)
