Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Die gute Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure wird angestrebt

Ausgabe Nummer 24 (2016)

Landschaftsqualität Oberthurgau

Der Verein Landschaftsqualität Oberthurgau führte Anfang Juni eine Gemeindeinformationsveranstaltung durch, um regionspezifische Leistungen näher vorzustellen.

Peter Schweizer, Geschäftsführer von Landschaftsqualität Thurgau, betonte gegenüber den Gemeindevertretern in Amriswil, dass die Initiative zur Teilnahme an LQ-Projekten von der Basis kommen muss. Es erfordere die Beteiligung breiter Interessenskreise, damit die regionalen Projekte eine nachhaltige Wirkung in der Landschaft aufweisen. «Die Landschaft betrifft die gesamte Bevölkerung, eine abwechslungsreich ausgestaltete Landschaft sorgt nicht nur für Wohlbefinden, sie ist auch ein wichtiger Standortfaktor. Bei den LQ-Projekten ist Biodiversität nur eine Randerscheinung», betonte Peter Schweizer.

Aufwertung und Siedlungsabgrenzung
Mittels LQ-Projekten sind auch Synergien möglich: Konflikte, die sich am Siedlungsrand, zum Beispiel durch das Ausbringen von Jauche, ergeben könnten, müssten nicht sein. Diese könnten umgangen werden, zum Beispiel durch ein gezieltes Anlegen von Ökoflächen. Erklärtes Ziel der LQ-Projekte sei die gute Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure in diversen Projekten. Für diese Gemeindeinformationsveranstaltung hatte der Vereinsvorstand mit Landwirten aus der Region die Besichtigungsmöglichkeit einiger Landschaftselemente vereinbart. Gegenüber den Gemeindevertretern betonte Peter Schweizer, dass deren Auswahl keine Wertung beinhalte. Es handle sich um Elemente mit Beispielcharakter. Die Besichtigungsfahrt führte zuerst nach Gizehus, Amriswil, zu Landwirt Stefan Koster, der den Besuchern seine Baumallee zeigte. Diese Allee stelle eine Aufwertung der Landschaft und eine ideale Abgrenzung zum näher rückenden Siedlungsgebiet dar. Stefan Koster sagte, die Allee, hinter der ein Gesamtkonzept steht, sei bereits vor den LQ-Projekten entstanden und entspreche seiner inneren Überzeugung.
Nach einem kurzen Fussmarsch zum Hellmüliweier zeigte der Junglandwirt Markus Oettli, der einen viehlosen Betrieb führt, seine Ökowiese am Siedlungsraum. Er betonte, als Landwirt müsse man auch Freude haben an den Landschaftselementen und nicht in erster Linie an die Beiträge denken. Beim Flurgang wurde den Besuchern konkret ins Bewusstsein gerückt, wie stark die Landwirte den Druck, der von den Agglomerationen ausgeht, verspüren: Fast angrenzend an die Ökowiese entstehen neue Siedlungen.

Produzierende Landwirtschaft bleibt das Ziel
Markus Oettli sagte, dass er mit seiner artenreichen Heuwiese (die nicht in der Vernetzung ist) mit anerkannter Qualität, insbesondere auf die angrenzenden Siedlungen Rücksicht nimmt. Circa am 20. Juni wird er mähen und freiwillig 10 % Randstreifen stehen lassen, um für Flora und Fauna Lebensräume zu erhalten. Für diese Wiese erhalte er keine LQB, hingegen für die Hecke gibt es Beiträge. Danach befragt, was mit dem Heu, welches er schonend mäht geschehe, sagte er, dass dies hochwertiges Heu für Pferdehalter ergibt. Letzten Sommer brachte er den «Lockpfosten» sowie informative Flurrandtafeln für die Spaziergänger an, denn die Kommunikation mit der Bevölkerung ist ihm wichtig. Für Markus Oettli stellen die Hecken bei der Bearbeitung der Landflächen keine Hindernisse dar: «Ich bin sehr aktiv in der Direktvermarktung und meiner Meinung nach sind die LQB bestes Marketing für die Landwirtschaft. Trotzdem vertrete ich klar die Meinung, dass auch bei den LQ-Projekten das Ziel eine produzierende Landwirtschaft ist und bleibt.»
Eine Fahrt nach Sommeri führte zu einer Streuobstwiese mit zahlreichen Hochstammbäumen, die von Stefan Koster bewirtschaftet werden. Urs Schär, Vorstandsmitglied des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft, zeigte den Gemeindevertretern auf, dass diese Hochstammobstwiese insgesamt eine bedeutende Aufwertung der Landschaft darstellt. Dabei dürfe der Schutz der Hochstammbäume gegen den Feuerbrand nicht ausser Acht gelassen werden, allfällig befallene Bäume müssten auch im Rahmen von LQ-Projekten entfernt werden.

Freiwilligkeit betont
Hugo Fisch, Geschäftsführer der Landi Aachtal und Technische Obstverarbeitung, thematisierte die Herausforderung des Hochstammobstsafts für die Mostereien. Er stelle beim Mostobst fest, dass heute das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage gut funktioniere. Er betonte die Notwendigkeit der Lagerhaltung für die Mosterei in Oberaach. Kürzlich wurde an der GV der Landi Aachtal AG ein Kredit zur Erweiterung der Kühltanklager (Kapazität: rund 2,8 Mio. Liter) für 2 700 000 Franken genehmigt. Die Landi Aachtal stellt damit unter anderem die Erfüllung neuester Lebensmittelvorschriften und Reduktion von Transporten sicher.
Raimund Hipp, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Amt für Raumentwicklung, erörterte die Hochäcker, ein für den Oberthurgau typisches Landschaftselement. Die LQ-Projekte würden dazu beitragen, dass ein Gemeindeauftrag und die landwirtschaftliche Nutzung ideal miteinander verbunden werden.
In einer abschliessenden Diskussion im Restaurant Weinberg in Amriswil betonte Urs Schär, dass für die Landwirte die Teilnahme am Projekt Landschaftsqualität freiwillig ist. Es dürfe nicht dazu führen, dass man auf jene Landwirte, die produzieren wollen und sich nicht an Projekten beteiligen «mit dem Finger zeige».
Stephan Tobler, Gemeindepräsident von Egnach, sagte, dass aus seiner Sicht die Herausforderungen der Zukunft nicht länger allein innerhalb der bestehenden raumplanerischen Ebenen angegangen werden können. Kantons- und gemeindeübergreifende Kooperationsformen müssten gestärkt werden. «Um Siedlungen nachhaltig zu gestalten, braucht es gute Ideen und Nachahmungsbeispiele. Die Bevölkerung ist von Anfang an am Prozess zu beteiligen», empfahl er.


Isabelle Schwander
















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