Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
17. Mai 2019


Die häufigsten Fragen zu den Direktzahlungen der AP 2014 bis 2017

Ausgabe Nummer 4 (2014)

An verschiedenen Veranstaltungen und in diversen Artikeln wurde auf die Ausgestaltung und die Neuerungen der Direktzahlungen im Zuge der AP 2014 bis 2017 eingegangen. Im folgenden Beitrag wird auf die häufigsten Fragen eingegangen, die im Rahmen von Beratungen an das BBZ Arenenberg herangetragen wurden.

Wie in Tabelle 1 dargestellt ist, bleibt der Zahlungsrahmen der gesamten Direktzahlungen während der Periode 2014 bis 2017 gleich. Dabei gilt es festzuhalten, dass Direktzahlungen ausschliesslich der Landwirtschaft ausbezahlt werden. Aus diesen Beträgen werden keinerlei Administrativkosten bezahlt.
Während dieser vier Jahre wird es innerhalb der Direktzahlungsarten Verschiebungen geben. Auf Kosten der Übergangsbeiträge werden die leistungsbezogenen Direktzahlungen, die Biodiversitäts-, Landschaftsqualitäts-, Produktionssystem- und Ressourceneffizienzbeiträge zunehmen. Dies führt dazu, dass Betriebe, die aus diesen leistungsbezogenen Beitragsarten nicht höhere Zahlungen realisieren können, laufend Direktzahlungen verlieren.


Eintretens- und Begrenzungskriterien

Ausbildung
Eine abgeschlossene nicht landwirtschaftliche Ausbildung, ergänzt mit dem Direktzahlungskurs, berechtigt nach wie vor zum Bezug von Direktzahlungen, jedoch muss der Direktzahlungskurs abgeschlossen sein und nicht wie bisher innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen werden. Eine Übergangsregelung gilt, sofern der Kurs im Jahr 2013 begonnen wurde.
Nach wie vor keine Ausbildung ist erforderlich, jedoch eine vorgängige zehnjährige Mitarbeit auf dem Betrieb, wenn bei der Pensionierung eines Partners die Bewirtschaftung auf den noch nicht pensionierten Partner übertragen werden soll.

Altersgrenze
Bei Personengesellschaften (vor allem Generationengemeinschaften) wurde bisher jeweils nur das Alter des jüngeren Partners berücksichtigt. Neu gilt die Alterslimite für alle Partner. Beim Überschreiten der Altersgrenze eines der Partner werden die Direktzahlungen anteilsmässig nach Anzahl Partner (bei zwei Partnern um die Hälfte) gekürzt. Es gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2015.

Einkommens und Vermögensgrenze
Die Einkommens- und Vermögensgrenze werden nur noch bei der Berechnung des Übergangsbeitrages berücksichtigt. Ansonsten sind die Einkommens- und Vermögensgrenze aufgehoben.

Abstufung nach Tierzahl und Fläche
Die Begrenzung, respektive Abstufung nach Tierzahl, ist aufgehoben. Dies insbesondere auch für die BTS- und RAUS-Beiträge.
Die Abstufung nach Fläche betrifft nur den Versorgungssicherheitsbeitrag. Dieser wird ab 60 Hektaren wie folgt reduziert:
  60 bis   80 Hektaren  20 Prozent
  80 bis 100 Hektaren  40 Prozent
100 bis 120 Hektaren  60 Prozent
120 bis 140 Hektaren  80 Prozent
> 140 Hektaren        100 Prozent.

Versorgungssicherheit - Abgestufte Grünlandbeiträge

Im Rahmen der Versorgungssicherheit werden unter Auflagen Basisbeiträge auf die gesamte Landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) ausbezahlt. Zudem werden zusätzlich Beiträge für erschwerte Produktionsbedingungen, einzelne Kulturen gemäss Einzelkulturbeitragsverordnung, offene Ackerflächen und Dauerkulturen entrichtet.
Die für den Versorgungssicherheitsbasisbeitrag berechtigten Flächen werden in zwei Kategorien, in jene mit Mindesttierbesatzanforderung und in jene ohne Mindesttierbesatzanforderung unterteilt. Zu den Flächen, welche keine besonderen Auflagen erfüllen müssen, zählen offene Ackerflächen, Kunstwiesen und Dauerkulturen. Für diese Flächen wird ein Beitrag von Fr. 900.–/ha ausbezahlt. Offenes Ackerland und Dauerkulturen erhalten zudem einen Zusatzbeitrag von Fr. 400.–/ha (Abbildung 1). Je nach Zone folgt ein weiterer Beitrag für die Produktionserschwernis. Dauergrünland und Biodiversitätsförderflächen (BFF) hingegen müssen mit einem Mindesttierbesatz in Form von raufutterverzehrenden Tieren belegt werden, damit sie beitragsberechtigt sind. Im Talgebiet liegt der Richtwert des Mindesttierbesatzes auf Dauergrünland bei 1 RGVE/ha und auf Biodiversitätsförderflächen bei 0,3 RGVE/ha. Werden diese Werte erreicht, können maximale Basisbeiträge von Fr. 900.–/ha beim Dauergrünland und Fr. 450.–/ha bei den Biodiversitätsförderflächen generiert werden (Abbildung 1). Anders als ursprünglich vorgesehen, handelt es sich hierbei nicht mehr um ein Ja/Nein-Kriterium. Wird der geforderte Mindesttierbesatz nicht vollständig erreicht, werden nun prozentual abgestufte Beiträge ausbezahlt. Die Beitragsansätze werden entsprechend des Grades der Erreichung des Mindesttierbesatzes angepasst. 50 Prozent Erreichung des Mindesttierbesatzes bedeutet 50 Prozent des Beitragsansatzes. Produk- tionserschwernisbeiträge werden auf Grünflächen ebenfalls ausbezahlt. Die Abstufung funktioniert analog derjenigen bei den Basisbeiträgen.
Um den für Grünland essentiellen Basisbeitrag zu generieren, ist es notwendig, den Mindesttierbesatz zu erreichen. Ist dies für Einzelbetriebe nicht möglich, stehen Gründungen von Betriebszweiggemeinschaften oder Verpachtungen als Lösungsoptionen zur Verfügung.


Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion – Suisse-Bilanz gibt Aufschluss

Die Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) ist ein neues Element in den bisher schon bekannten Produktionssystembeiträgen, welchen auch BTS und RAUS angehören. Die GMF-Beiträge werden pro Hektare Grünfläche (inklusive Kunstwiesen) ausbezahlt, auf welchen der Mindesttierbesatz erreicht wird. Der Beitrag beträgt Fr. 200.–/ha (Abb. 1). Voraussetzungen für die Beitragsberechtigung sind die Einhaltung folgender Mindestanforderungen an die Jahresration aller raufutterverzehrenden Tiere auf dem Betrieb:
– Mindestens 90 Prozent der Trockensubstanz bestehend aus
   Grundfutter, respektive maximal 10 Prozent Kraftfuttereinsatz.
– Mindestens 75 Prozent (Talgebiet)/85 Prozent (Berggebiet) der
   Trockensubstanz bestehend aus Wiesen- und Weidefutter.
Als Entscheidungsgrundlage für die Beitragsberechtigung für die GMF dient die Suisse-Bilanz.
So können Sie Ihre Beitragsberechtigung eruieren oder berechnen was noch fehlt:
1. Bestimmen Sie anhand der Suisse-Bilanz jeweils den Gesamtverzehr
    von Grund- und Kraftfutter in dt TS. Das Kraftfutter muss dabei von
    kg FS in kg TS umgerechnet werden.
2. Bestimmen Sie nun die Anteile an Wiesenfutter und anderen
    Grundfuttern (Mais, Zuckerrübenschnitzel usw.) inklusive Zukäufen
    am Gesamtgrundfutterverzehr.
3. Die Summe von Gesamtgrundfutter- und Gesamtkraftfutterverzehr
    entspricht 100 Prozent der Jahresration.
4. Der Gesamtkraftfutterverzehr darf nicht mehr als 10 Prozent der
    Gesamtjahresration ausmachen. Der Anteil Wiesenfutter muss
    mindestens 75 Prozent der Gesamtjahresration sein.
Wird weniger Kraftfutter eingesetzt, kann entsprechend mehr übriges Grundfutter verfüttert werden.

Landschaftsqualitätsbeiträge
Damit Landschaftsqualitätsbeiträge bezogen werden können, muss in der Region ein Landschaftsqualitätsprojekt bestehen, welches vom BLW genehmigt ist. Das Projekt definiert beitragsberechtigte Landschaftselemente. Im Mittelthurgau, zwischen Ottoberg und Nollen, wird ein solches Projekt aufgebaut. Die im Projektperimeter gelegenen Betriebe werden, nach der Bewilligung des Projektes (voraussichtlich April 2014), von den Projektverantwortlichen informiert, wann und wie sie sich für diese Beiträge anmelden können.


Hochstamm-Feldobstbäume

Beiträge der Qualitätsstufe 1:
Beiträge werden maximal für die folgende Anzahl Bäume pro Hektare ausbezahlt:
120 Kernobst- und Steinobstbäume, ohne Kirsch bäume
100 Kirsch-, Nuss- und Kastanienbäume.
Bei höherer Baumdichte wird für die zusätzlichen Bäume kein Beitrag entrichtet. (Beispiel: 140 Kernobstbäume pro Hektare – nur für 120 Bäume werden Beiträge ausbezahlt.)

Beiträge der Qualitätsstufe 2 (bisher ÖQV)
Die maximale Dichte pro Hektar beträgt:
120 Hochstamm-Feldobstbäume
100 Hochstamm-Feldobstbäume Kirsch-, Nuss- oder Kastanienbäume.
Dabei muss mindestens ein Drittel der Bäume einen Kronendurchmesser von mehr als 3 m aufweisen. Der Obstgarten muss in einer maximalen Distanz von 50 m mit einer ökologischen Zurechnungsfläche verbunden sein. Diese berechnet sich wie folgt:
0 bis 200 Bäume 0,5   Aren pro Baum
über 200 Bäume 0,5   Aren vom 0. bis 200. Baum
                         0,25 Aren ab dem 201. Baum (neu)
Obstgärten, die die neuen Vorschriften bezüglich Dichte, Kronendurchmesser oder Zurechnungsfläche nicht erfüllen, erhalten keine Beiträge nach Qualitätsstufe 2. Laufende ÖQV-Verträge werden jedoch bis Vertragsende bestehen bleiben.


Zeitlich begrenzte Ressourceneffizienzbeiträge

Die Ressourceneffizienzbeiträge sollen die nachhaltige Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen sicherstellen und die Effizienz beim Einsatz von Produktionsmitteln verbessern. Sowohl Beiträge für schonende Bodenbearbeitung und emissionsmindernde Ausbringverfahren von flüssigen Hof- und Recyclingdüngern, welche pro Hektare ausgerichtet werden, als auch jener für den Einsatz von präzisen Applikationstechniken, welche durch einen einmaligen Beitrag bei der Anschaffung eines entsprechenden Geräts ausbezahlt wird, werden nur bis zum Jahr 2019 ausgerichtet.
Pro Hektare und Gabe mit emissionsmindernden Ausbringverfahren ausgebrachte flüssige Hof- und Recyclingdünger werden im Vergleich zur Ausbringung mit zum Beispiel Pralltellerverteiler 3 kg verfügbarer Stickstoff mehr in der Suisse-Bilanz angerechnet.

Übergangsbeitrag als Puffer
Der Übergangsbeitrag wird betriebsbezogen aus-gerichtet. Er soll den Landwirtschaftsbetrieben einen sozialverträglichen Wechsel des Direktzahlungssystems gewährleisten.
Die Bemessung des Übergangsbeitrags geht von einem Basiswert aus, welcher einmalig für jeden Betrieb berechnet wird. Für die Berechnung des Basiswerts wird jenes Jahr herangezogen, welches in der Zeitspanne 2011 bis 2013 die höchsten allgemeinen Direktzahlungen generierte. Dieses direktzahlungsstärkste Jahr gilt als Referenzjahr. Für dieses Referenzjahr werden, basierend auf den Betriebsdaten, die Direktzahlungen nach dem neuen System gerechnet. Die dabei resultierenden Kulturlandschafts- und Versorgungssicherheitsbeiträge werden von den allgemeinen Direktzahlungen des Referenzjahres in Abzug gebracht. Die resultierende Differenz wird mit dem vom BLW festgesetzten Faktor multipliziert. Es resultiert der Übergangsbeitrag. Nehmen Betriebe grössere strukturelle Veränderungen in Angriff, besteht die Gefahr, dass der Übergangsbeitrag gekürzt wird. Reduzieren sich die Standardarbeitskräfte (SAK) eines Betriebs im Vergleich zum Referenzjahr um 50 Prozent und mehr, wird der Übergangsbeitrag im gleichen Masse gekürzt. Das BLW passt den Faktor für die Übergangsbeitragsberechnung entsprechend der zur Verfügung stehenden Summe aufgrund Beitragskürzungen und Wachstum der anderen Beitragsarten Jahr für Jahr an.
Bei Betriebsänderungen gilt es zu beachten, dass der Übergangsbeitrag nicht an einzelne Betriebsteile, sondern an den gesamten Betrieb gebunden ist. Die Daten für die Berechnung des Basiswerts stehen fest. Somit kann der Basiswert nicht mehr beeinflusst werden.
Wird ein ganzer Betrieb zusätzlich übernommen, gilt der jeweils höhere Basiswert. Bei Gründungen von Betriebsgemeinschaften werden die Basiswerte addiert. Auflösungen von Betriebsgemeinschaften haben eine Aufteilung des Basiswerts entsprechend den Flächenanteilen zur Folge.
Bei Hofübergaben treten keine Probleme auf, da der Basiswert mit dem Betrieb an den/die Hofnachfolger/in übergeben wird.

Anmeldetermine
Die neue Direktzahlungsverordnung enthält einige neue Möglichkeiten und Elemente, weshalb für das Jahr 2014 spezielle Anmeldetermine gelten.


Beratung zur AP 2014 bis 2017

Für Sie als Landwirt ist es wichtig zu wissen, wie sich auf Ihrem Betrieb die Direktzahlungen entwickeln und welche Auswirkungen dies hat. Sinnvollerweise ist auch zu prüfen ob die angebotenen neuen Direktzahlungsprogramme auf Ihren Betrieb passen. Insbesondere im Bereich Biodiversität gilt es Potenziale auszuloten. Die Agridea stellt auf www.focus-ap-pa.ch einen Direktzahlungsrechner zur Verfügung. Ebenfalls bietet das BBZ Arenenberg spezifische Beratungen zu diesen Themen an.


BBZ Arenenberg,
Beratung und Entwicklung,
Philip Bernegger,
Christian Eggenberger













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