Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Die Landwirtschaft glaubwürdig vertreten

Ausgabe Nummer 38 (2014)

Vorwärts schauen, Einfluss nehmen und glaubwürdig bleiben: Nationalrat Markus Hausammann aus Langrickenbach engagiert sich als Landwirt auf nationalem und kantonalem Parkett für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Es sei wichtig, dass mit den bestehenden landwirtschaftlichen Flächen und den darauf befindlichen Liegenschaften verantwortungsvoll umgegangen wird, um den laufenden Strukturwandel positiv zu prägen.

Markus Hausammann weiss, wo der Branche der Schuh drückt: In seinem eigenen Betrieb hat er erlebt, vor welche Herausforderungen man steht, wenn ein Hof über Generationen erhalten bleiben und langfristig ein Auskommen ermöglichen soll.

Faire Auseinandersetzungen
Als Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL) und Vorstandsmitglied des Schweizer Bauernverbands behält der SVP-Politiker die fachtechnischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Anliegen seiner Branche im Fokus. Er wolle sich für praktikable Lösungen einsetzen, wobei faire Auseinandersetzungen mit anderen Interessenvertretungen nötig seien. Gerade wenn es um landwirtschaftliche Flächen und Immobilien gehe, sei es wichtig, das Grundanliegen einer langfristig intakten Landwirtschaft im Auge zu behalten. Dabei müssten beispielsweise Umweltanliegen oder Energiefragen berücksichtigt werden. Der VTL beschäftige sich in seinen Stellungnahmen und seiner Beratung mit vielen Aspekten, die Landwirte direkt als Liegenschaftsbesitzer betreffe.

Knacknuss Nachfolgeregelung
Der laufende Strukturwandel bringe es mit sich, dass bei einem Generationenwechsel die Ausrichtung eines Betriebs oft überdacht werden müsse. Das oberste Ziel bleibe, dass mit Nachfolgeregelungen möglichst gute Grundlagen für leistungsfähige Landwirtschaftsbetriebe geschaffen werden: «Die Landwirtschaft darf nicht stehen bleiben», ist er sich bewusst und bestätigt, dass die durchschnittliche Betriebsgrösse in den letzten Jahren ständig zugenommen hat. Gemäss Bundesamt für Statistik war ein durchschnittlicher Bauernhof vor 100 Jahren rund 5 Hektaren gross, heute umfasst ein Betrieb durchschnittlich etwas mehr als 17 Hektaren. Die Produktivität pro Flächeneinheit sei im Thurgau grösser als in der übrigen Schweiz, sagt Hausammann. Er bezeichnet die optimale Betriebsgrösse für vielfältig gemischte Familienbetriebe für die Zukunft mit 25 bis 30 Hektaren oder mit rund 20 bis 25 Hektaren für einen reinen Milchwirtschaftsbetrieb. Spezialisierte Betriebe, wie Beeren-, Obst- oder Rebbaubetriebe werden kleiner sein, dafür aber pro Flächeneinheit arbeitsintensiver. Es wäre in seinen Augen wünschenswert, gemischte Betriebe zu stärken. Tatsache sei indes, dass sich immer mehr Betriebe spezialisieren müssten, um den Investitionsbedarf zu optimieren. Er stelle wie in den übrigen Wirtschaftsbereichen fest, dass das Kapital immer mehr den Menschen ersetze und hohe Investitionen im Dienste der dauernden Liefersicherheit getätigt werden müssten: «Das kann den Einzelunternehmer Landwirt auch in die Arbeits- und Kostenfalle bringen.»

Direktzahlungen schwächen Unternehmertum
Das unternehmerische Denken und Handeln der Landwirte sei mehr gefordert denn je zuvor. Es wäre ideal, so Hausaummann, «wenn die Bauern ihr Einkommen über die Produkte generieren können. Die Direktzahlungen bergen die Gefahr in sich, dass sich Bauern mehr auf die Landschaftspflege konzentrieren, weil sie damit zum Teil mehr verdienen als mit landwirtschaftlichen Produkten.» Gerade die Milchwirtschaft sei, gemessen am Arbeitsaufwand, nicht besonders rentabel, betont er. Vermehrte Ökoausgleichszahlungen seien problematisch: «Sie fördern eine Nebenerwerbslandwirtschaft, und Bauern bewirtschaften ihr Land eher am Feierabend und am Wochenende.» An gewissen Orten sei es deshalb für Vollerwerbsbetriebe schwierig, an dringend benötigtes, zusätzliches Land heranzukommen, um eine vernünftige Betriebsgrösse zu erreichen. Die Direktzahlungsmentalität müsse überwunden werden, ist Hausammann überzeugt. Er ist deshalb gespannt auf die Diskussion, welche die diesen Sommer bei der Bundeskanzlei eingereichte Initiative für Ernährungssicherheit auslösen wird. Der Schweizer Bauernverband fordert damit die Stärkung der einheimischen Lebensmittelproduktion.

Perspektiven eröffnen
Wenn die Betriebe stetig wachsen und es immer weniger Landwirte gibt, sind in den meisten Fällen Arrondierungen enorm wichtig. Dies weiss auch der Immobilienexperte für landwirtschaftliche Liegenschaften bei Fleischmann Immobilien, Alfred Ernst. Der Ingenieur Agronom begleitet jährlich rund ein Dutzend Bauern oder deren Erben beim Verkauf landwirtschaftlicher Flächen und Liegenschaften, Tendenz steigend. Die Komplexität solcher Handänderungen erfordere gute Branchenkenntnisse. Es sei ihm ein Anliegen, der Landwirtschaft mit zukunftsfähigen Projekten zu dienen, so Ernst. Hausammann ergänzt, dass man jungen Berufsleuten Perspektiven eröffnen müsse. Der Strukturwandel habe verschiedene Aspekte. So könnten etwa Zuerwerbe je nach Situation eine gute Lösung sein. Er sei sich bewusst, dass viele Landwirte einen mehr oder weniger grossen Prozentsatz des Einkommens ausserhalb der Landwirtschaft generieren müssen.

Verantwortung wahrnehmen
Hausammann mahnt, dass verkaufende Bauern oder deren Erben wie auch Immobilienmakler gleichsam in der Verantwortung stünden. Natürlich gehe es darum, einen guten Preis zu lösen. Aber es könne nicht sein, dass Menschen in die Landwirtschaftszone ziehen, die mit dem Bauernleben nichts anfangen können und kein Verständnis für diesen Berufsstand mitbringen. Das führe immer wieder zu unschönen Situationen, wenn zum Beispiel Käufer die absolute Ruhe auf dem Land suchen und nur schon das Läuten von Kuhglocken zum Problem werde. Auf der anderen Seite müsse bei Verkäufen darauf geachtet werden, dass «das Leben der Bauern nicht nur aus Traktorfahren besteht». Zum Teil seien die Flächen zu weit vom Hof entfernt. «Distanzen von bis zu zehn Kilometern zur Bewirtschaftung von Feldern sollten die Ausnahme sein.»

Enttäuschungen vorbeugen
Ernst ist deshalb darauf bedacht, beim Verkauf eines Bauernhauses Personen zu bevorzugen, die einen Bezug zur Landwirtschaft haben: «Bei Handänderungen können wir dies gut steuern, indem das zum Haus gehörende Land genügend gross ist sowie den Vorgaben des Landwirtschaftsamtes entspricht. Sodann suchen wir Käufer, die einen Bezug zur Tierhaltung und damit auch zur Landwirtschaft haben.» Zudem sei es ihm wichtig, dass der grösste Teil der Flächen möglichst an benachbarte Bauern verkauft werde. Er bringe deshalb in solchen Fällen immer zuerst alle betroffenen Pächter an einen Tisch: «Das hat sich bewährt.»


Roman Salzmann







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