Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Die Mischung macht's - gemeinsam statt einsam

Ausgabe Nummer 23 (2015)

In der Sendung «Einstein» des Schweizer Fernsehens vom 30. April 2015 wurde der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft kritisiert. Als Alternative wurde unter anderem das Landwirtschaftssystem «Milpa», bei dem Mais, Bohnen und Kürbisse gemeinsam angebaut werden, vorgestellt.

Die Maispflanze dient als Rankhilfe für die Bohnen. Letztere versorgen die Mischpartner mit Stickstoff. Die Kürbisse bedecken mit ihren grossen Blättern den Boden und verhindern so dessen Erosion und Austrocknung. «Milpa» dient der Selbstversorgung und wird seit Jahrhunderten durch die Maya in Mittelamerika betrieben. Klar, das System «Milpa» ist unter industriellen Bedingungen kaum praktikabel. Die gängige Futterbaupraxis mit Leguminosen-Grasmischungen sowie neuere Entwicklungen im Bereich der Mischkulturen als Marktfrucht zeigen, dass Alternativen zum Monokulturanbau in der Schweiz einen festen Platz haben und sich weiterentwickeln.

Mischkulturenanbau im Biolandbau
Der Mischkulturenanbau hat in der hiesigen Landwirtschaft eine lange Tradition. Insbesondere im Futterbau werden Klee-Gras-Mischungen, Wicke-Hafer- Gemenge und dergleichen angebaut. Welche Möglichkeiten bestehen für die Markt-Ackerfrüchte? Das FiBL testet seit geraumer Zeit den Mischkulturenanbau unter Biobedingungen. Auf Praxisbetrieben werden verschiedene Mischungspartner in verschiedenen Saatdichten und Saatzeitpunkten getestet. Wie bei «Milpa» sollen Synergien zwischen den Mischungspartnern entstehen. Die Getreidekultur soll die Leguminose stützen (Gerste mit Eiweisserbsen) und/oder das Unkraut unterdrücken sowie das Risiko eines Ausfalls vermindern (Hafer oder Triticale mit Ackerbohnen). Die Leguminose ihrerseits bedankt sich beim Getreide mit Stickstoff-Lieferung, sodass eine Düngung hinfällig wird. Da Getreideund Leguminosenarten nicht gleich tief wurzeln, respektive unterschiedlich hoch wachsen, können Nährstoffe, Wasser und Licht effizienter genutzt werden. Bei der Wahl von Mischpartnern ist eine zeitgleiche Abreifung wichtig. Ertrag und Druschreife der Eiweisspflanze stehen im Vordergrund.

Praxistaugliche Mischkombinationen

Eiweisserbse und Gerste
Saatdichte*: 80 Prozent Erbsen und
                     40 Prozent Gerste
Saat: Herbst (H) → Mitte Oktober bis Anfang November
         Frühling (F) → März bis April 
Unkrautregulierung: nicht immer notwendig, Striegel: 1 bis 2-Blatt bis Reihenschluss
Ernte: H: Anfang bis Mitte Juli;
           F: Juli bis Anfang August
Anbaupause: 6 Jahre


Ackerbohne und Hafer
Saatdichte*:
80 Prozent Ackerbohne und
                     40 Prozent Hafer
Saat: H → Ende September bis Mitte Oktober 
         F → Februar bis März
Unkrautregulierung: nicht immer notwendig, Striegel: 2 bis 6-Blatt
Ernte: H: Anfang August;
           F: Anfang September
Anbaupause: 3 Jahre
Vorteil: bei mehr als 1000 mm Niederschläge Ersatz für Eiweisserbse.


Ackerbohne und Triticale
Saatdichte*:
80 Prozent Ackerbohne und
                     40 Prozent Triticale
Übrige Angaben analog zu Ackerbohne und Hafer
Vorteil: Bessere Nachfrage für Triticale als für Hafer


*Details zur Saatdichte: Die Saatdichte bezieht sich in Prozent der Saatdichte in Reinkultur.

Quellen: Text und Bilder: FiBL bioaktuell, posthof.ch

Zusammenstellung praxistauglicher Mischkombinationen
Die Praxisversuche vom FiBL zeigen, dass die Mischungen Eiweisserbse und Gerste, Ackerbohne und Hafer sowie Ackerbohne und Triticale zum Anbau empfohlen werden können (vergleiche Zusammenstellung). Obwohl meist nicht in Saatkatalogen aufzufinden, sind über den Handel Fertigmischungen erhältlich (nachfragen). Die Sortenzusammenstellung erfolgt nach Verfügbarkeit und in Absprache mit dem FiBL. Falls keine Fertigmischungen erhältlich sind, sollen die Sämereien in einem separaten Behälter gemischt und erst anschliessend in die Sämaschine gefüllt werden.

Kulturführung und Ernte
Vor der Aussaat ist eine Homogenitätsprüfung im Sätank vorzunehmen. Die Saat der Mischungen erfolgt mit einer Getreidesämaschine (Drillsaat mit Schlepp- oder Scheibenscharen). Die Saattiefe soll 3 bis 4 cm betragen. Zwischen Saat und Ernte gibt es nicht viel zu tun. Die Arbeit wird durch das Zusammenspiel von den Mischungspartnern übernommen. Eine Unkrautregulierung ist nicht immer notwendig; kann bei Bedarf ausgeführt werden (vergleiche Zusammenstellung). Das Zusammenspiel der zwei Kulturen kann bis zur Ernte hin beobachtet und notiert werden. Daraus können bei Bedarf Anpassungen für die Saatdichten der Mischungspartner abgeleitet werden. Unmittelbar vor der Ernte sind Problemunkräuter (unter anderen Blacken und Disteln) manuell zu entfernen. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach der Reife des Leguminosepartners. Ausgerüstet mit einem speziellen Sieb für die Eiweisskomponenten, erfolgt der Drusch mit einem normalen Mähdrescher.
Insbesondere für Eiweisserbsen gestaltet sich der Drusch in Mischung im Vergleich zur Alleinkultur einfacher, da die Erbsen über eine grössere Standfestigkeit verfügen. Bei den Praxisversuchen des FiBL wurden folgende Durchschnittserträg erzielt: Winter- Eiweisserbse und Wintergerste → ~ 55 kg/a (Standort Reitnau, drei Verfahren); Winter-Ackerbohne und Winterhafer → ~ 47 kg/a (Standort Büblikon, fünf Verfahren). In beide Mischungsvarianten erfüllen die Leguminose-Partner den minimalen Gewichtsanteil von 30 Prozent, der zum Bezug eines Einzelkulturbeitrags von 1000 Franken je Hektare berechtigt.

Absatzmöglichkeiten
Die Biomühle Albert Lehmann sowie die Fenaco- GOF sind an Mischkulturen interessiert. Die Biomühle Albert Lehmann übernimmt sämtliche Mischkulturen, wobei Eiweisserbse und Gerste sowie Ackbohne und Triticale bevorzugt werden. Die neue Sortieranlage kann bis zu drei verschiedene Erntemischungen voneinander trennen. Das Erntegut kann entweder bei der Erlenmühle in Gossau (SG) abgegeben werden oder die Biomühle Albert Lehmann holt es ab Hof ab (Zuschlag zwischen 70 bis 170 Franken). Bei der Hofabholung sollte das Erntegut ab Kipper mit Schieber verfügbar sein. Alternativ bietet die Biomühle Albert Lehmann einen Muldenservice an (mindestens 10 Tonnen Erntegut). Die Fenaco ist an Eiweisserbse und Gerste interessiert. Da im Thurgau derzeit keine Abgabemöglichkeit besteht, befinden sich die nächstgelegenen Sammelstellen der Fenaco in Marthalen ZH, Steinmauer ZH oder Schaan FL. Nebst den zwei erwähnten Abnehmern besteht die Möglichkeit, das Erntegut zu trocknen, zu pelletieren und direkt an einen bäuerlichen Abnehmer zu verkaufen.

Preise
Bei der Sammelstelle werden die Mischungen aufgetrennt. Aus einem repräsentativen Durchschnittsmuster werden die Anteile der Einzelkomponenten bestimmt und daraus ein gewichteter Durchschnittspreis berechnet. Die Eiweisserbsen werden mit 98 Franken je dt, die Gerste mit 83 Franken je dt, die Ackerbohnen mit 87 Franken je dt, der Hafer mit 67 Franken je dt sowie das Triticale mit 82 Franken je dt entschädigt (Richtpreise 2015). Für das Auftrennen verrechnet die Biomühle Albert Lehmann Fr. 3.50 je dt; die Fenaco-GOF Fr. 4.– je dt.

Ausblick
Der Mischkulturenanbau entwickelt sich rasant. Laufend werden Mischungspartner in Forschung und Praxis neu kombiniert und getestet. Hierzu zwei Beispiele.

Haben Sie Fragen zum Thema? Dann melden Sie sich ungeniert beim Autor.


Daniel Fröhlich,
BBZ Arenenberg,
Bioberatung



















« zurück zur Übersicht