Ausgabe Nummer 24 (2011)

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Die Mischungswahl im Kunstfutterbau steht jetzt an

Wegen der vorzeitigen Ernte der Ackerkulturen sollte man jetzt schon die richtige Kunstwiesen-Mischungen für das «Äugstlen» auswählen. Als Auswahlkriterien werden die Nutzungsdauer, der Nutzungszweck und die Lage des Standorts herangezogen. In Anbetracht der häufi ger zu erwartenden Trockenheitsperioden sollte man bei der Auswahl vermehrt Mischungen mit trockenheitstoleranten Futterpfl anzen wie Luzerne, Mattenklee, Knaulgras oder Rohrschwingel berücksichtigen. Die vorzeitige Ernte soll nicht zu einer zu frühen Saat verleiten: Eine Saat vor einer absehbaren längeren Trockenheitsperiode wäre fatal!

 

Die Ackerkulturen haben dieses Jahr dank des warmen Frühlings mindestens zwei Wochen Vorsprung. Es ist zu erwarten, dass früh räumende Kulturen wie die Gerste oder Raps schon in wenigen Tagen geerntet werden können. Aber auch spätere Kulturen werden voraussichtlich früher geerntet. Die Wahl der geeigneten Kunstwiesen-Mischungen für das «Äugstlen » steht deshalb an. Es steht eine breite Palette an Standardmischungen und unzählige Spezialmischungen der Saatgutanbieter zur Auswahl.

Hierzu wird folgendes Vorgehen empfohlen: Als erstes Kriterium muss die Nutzungsdauer einer Mischung festgelegt werden. Handelt es sich um überwinterndes oder nichtüberwinterndes Zwischenfutter (100er-Mischung)? Oder soll die Kunstwiese nach dem Ansaatjahr ein, zwei oder mehr Hauptnutzungsjahre genutzt werden (200er-, 300er- oder 400er- Mischung)? Als zweites Auswahlkriterium muss festgelegt werden, wie die Kunstwiese genutzt werden soll: Soll die Kunstwiese vorwiegend für Grünfutter, Silage, Dürrfutter oder als Weide genutzt werden? Oder soll sie möglichst vielseitig genutzt werden können? Als drittes Auswahlkriterium müssen die Standort eigenschaften berücksichtigt werden: Handelt es sich um einen Standort, auf dem die Raigräser gut gedeihen können (= raigrasfähige Lage)? Das heisst, ist das Klima mild (mittlere Jahrestemperatur zwischen 6,5 und 9 °C), genügend niederschlagsreich (mindestens 900 mm Jahresniederschlag, regelmässig verteilt) und hat der Boden ein hohes Nährstoff-Nachlieferungsvermögen (zum Beispiel Braunerde)? Bezüglich Standorteigenschaften ist ausserdem entscheidend, ob es sich um eine mehrheitlich trockene, trocken bis frische oder frische bis feuchte Lage handelt. Schlussendlich gibt es noch Mischungen für die Ansaat von artenreichen Wiesen und Übersaaten für die Wiesenverbesserung.

Eine hilfreiche Übersicht über die Standardmischungen fi nden Sie in der Agroscope- Publikation «Standardmischungen für den Futterbau» (Revision 2009–2012). Diese kann bei der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues (AGFF) oder beim BBZ Arenenberg für Fr. 2.– bezogen werden. Aber auch die Kataloge der verschiedenen Saatgutanbieter enthalten eine gute Übersicht über die wichtigsten Standardmischungen und die verschiedenen Spezialmischungen. Als Beispiel für die Auswahl einer Mischung folgende Annahme: Es soll dieses Jahr nach Gerste eine Kunstwiese angesät und bis und mit 2013 genutzt werden. Der Bestand soll vielseitig genutzt werden, unter anderem auch als Weide. Es handelt sich um einen raigrasfähigen, frisch bis feuchten Standort. In diesem Beispiel wäre die richtige Wahl die SM 340.

 

Auswirkungen der erwarteten Klimaveränderungen auf die Mischungswahl

In Zukunft müssen wir gemäss Klimamodellen häufi ger mit Trockenheitsperioden rechnen. Deshalb empfi ehlt sich die Auswahl von Mischungen mit trockenheitstoleranten Futterpfl anzenarten nicht nur in bisher schon eher trockenen Regionen, sondern vermehrt auch in Regionen, die bisher selten durch Trockenheit beeinträchtigt waren. Die wichtigsten trockenheitstoleranten Futterpfl anzenarten bei uns sind Luzerne, Mattenklee, Knaulgras, Rohrschwingel und eventuell Wiesenschwingel. Die Unterschiede bezüglich Trockenheitstoleranz zeigen sich zur Zeit beim Gang über die Wiesen eindrücklich. Im oben genannten Beispiel wäre die SM 330 unter trockeneren Bedingungen die bessere Wahl, da diese Mischung auch Knaulgras enthält. Neben der Standardversion wird diese Mischung von den Saatgutanbietern auch in abgeänderter Form angeboten (Mattenklee statt Ackerklee). Hier muss man sich bewusst sein, dass man eigentlich eine leguminosenreiche Mattenklee-Gras- statt einer Gras-Weissklee- Mischung auswählt. Viele Mischungen werden mit Deckfrüchten (häufi g Alexandrinerklee) angeboten: Davon wird bei Sommersaaten generell abgeraten, da die Wasserkonkurrenz zum Problem für die eigentlichen Komponenten einer Mischung werden kann. Auch bei Weiden gibt es seit kurzem Standardmischungen für trockenere Bedingungen: Die SM 462 enthält den trockenheitstoleranten und weideverträglichen Rohrschwingel. Hier handelt es sich jedoch nicht um die gefürchteten, grobblättrigen Rohrschwingel-Ökotypen, sondern um feinblättrige Zuchtsorten.

 

Hinweise zu Bodenbearbeitung, Saatzeitpunkt und Saatverfahren

 

Obwohl die Ackerkulturen voraussichtlich früher geerntet werden, soll dies nicht zu einer zu frühen Ansaat verleiten: Eine Saat vor einer unmittelbar absehbaren Trockenheitsphase wäre fatal! Lieber noch einige Wochen warten, bis eine längere Regenwetterperiode in Sicht ist. Bei Sommersaaten – besonders bei trockenen Bedingungen – sind pfl uglose Ansaatverfahren dem Pfl ug vorzuziehen. Ausserdem ist statt der Breitsaat die Drillsaat vorzuziehen. Besondere Bedeutung fällt einer sauberen Arbeit zu: Der bearbeitete Boden soll sich vor dem Säen wieder etwas setzen können, und nach dem Säen soll gut gewalzt werden (Wasserschluss). Vom Verfahren Grubbern – Eggen – Säen an einem Tag wird deshalb abgeraten. Auch bei der Saat muss sauber gearbeitet werden. Es ist beispielsweise entscheidend, dass das Saatgut bei Drillsaat auf 1 cm Tiefe abgelegt wird. Wenn sich wegen Fehler bei der Kunstwiesenanlage der Bestand schlecht entwickelt, muss man sich unter Umständen während mehrerer Jahre darüber ärgern!

 

Daniel Nyfeler, BBZ Arenenberg