Ausgabe Nummer 25 (2010)

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Die Obstbranche sucht Nachwuchs

Ausbildung zum Obstfachmann/-frau mit eidg. Fähigkeitsausweis

 

Im Obstsektor haben etliche Betriebe und Institutionen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von qualifi ziertem Fachpersonal. Die Branche schlägt nun Alarm und intensiviert die Suche nach Lernenden für die Obstbaulehre. Für die Ausbildung am Strickhof konnten nun zusätzlich namhafte Spezialisten als Lehrkräfte engagiert werden.

 

Dass in der Obstbranche bereits seit mehreren Jahren zu wenige Fachkräfte ausgebildet werden, ist keine Neuheit. Dass sich der Mangel an qualifi ziertem Personal nun quer durch die Branche schmerzlich bemerkbar macht, jedoch schon. Namhafte Unternehmen im vor- und nachgelagerten Sektor, aber auch grössere Obstproduzenten suchen bereits seit Monaten verzweifelt nach Fachpersonal.

 

Personalmangel als Hemmschuh

Der Personalmangel ist einerseits für den einzelnen Akteur schwierig zu verkraften, andererseits leidet ebenso die ganze Branche darunter. Denn fehlt beispielsweise in einer Beratungsinstitution das Fachpersonal, so wird, um die internen Abläufe sicher zu stellen, oft zuerst die Anbauberatung reduziert. In der Folge fehlt es dann den Früchteproduzenten an kompetenter Ausbildung zum Obstfachmann/-frau mit eidg. Fähigkeitsausweis Die Obstbranche sucht Nachwuchs Im Obstsektor haben etliche Betriebe und Institutionen Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von qualifi ziertem Fachpersonal. Die Branche schlägt nun Alarm und intensiviert die Suche nach Lernenden für die Obstbaulehre. Für die Ausbildung am Strickhof konnten nun zusätzlich namhafte Spezialisten als Lehrkräfte engagiert werden. 26 Betreuung und es wird für sie schwieriger, die angestrebte Produktqualität zu erreichen. Für wachsende Obst- oder Beerenbaubetriebe stellt die akute Personalsituation ausserdem eine schwierig zu überwindende Hürde dar. Sobald ein Betrieb aufgrund eines Wachstumsschritts auf eine zusätzliche Führungskraft angewiesen ist, kann eine entsprechende Stelle oftmals nicht besetzt werden. Die Folge davon ist, dass viele Betriebe trotz geeigneten Betriebsstrukturen auf ein weiteres Wachstum verzichten und die anfallenden Arbeiten mit Familienarbeitskräften und Erntehelfern abdecken.

 

Gute berufliche Perspektiven

Beim Schweizerischen Obstverband zeigt man sich besorgt über die aktuelle Situation, zumal eine rasche Besserung kaum in Sicht ist. Im letzten Jahrzehnt haben jährlich nur rund zehn Jugendliche die Obstbaulehre absolviert, und dies nicht pro Kanton, sondern gesamtschweizerisch! Berücksichtigt man, dass gut die Hälfte der Absolventen später auf dem eigenen Betrieb einsteigen und dass einige weitere die Branche verlassen, so bleiben noch zwei bis vier junge Obstbauern übrig. Dass diese dann in den vor- und nachgelagerten Betrieben schon früh attraktive Positionen einnehmen, ist daher nicht verwunderlich. Umso erstaunlicher ist jedoch, dass die Anzahl an Obstbaulehrlingen trotz der interessanten berufl ichen Aussichten noch immer zu gering ist. Der Schweizerische Obstverband schätzt, dass mittelfristig mindestens zwanzig bis dreissig Lernende pro Jahr nötig sein werden, um die Branche in Zukunft mit Fachkräften versorgen zu können.

 

Wert der eigenen Arbeit ist täglich erkennbar

Weshalb sich zurzeit nur wenige Jugendliche für die Ausbildung zum Obstfachmann respektive zur Obstfachfrau EFZ entscheiden, ist auf den ersten Blick schwierig zu erkennen. Beim Obstverband ist man der Auffassung, dass viele Lehrstellensuchende heute zwar gut informiert sind über die verschiedenen naturnahen Berufe. Andererseits seien gerade städtische Jugendliche kaum mehr im Bild über die Herkunft und Erzeugung der verschiedenen Lebensmittel. Mit diesem Phänomen einher geht ausserdem die Annahme, dass auch das Bewusstsein für die berufl ichen Tätigkeiten im Obstbau abhanden gekommen ist. Dennoch sieht der Obstverband für den Berufsstand Chancen. Denn Obstfachleute haben nicht nur das Vergnügen, den Grossteil ihrer Arbeitszeit an der frischen Luft zu verbringen. Sie können die Früchte ihrer Arbeit buchstäblich ernten. Dieser Vorzug wird von den Lernenden umso höher gewertet, wenn sie die Ernte dann auch selbstständig vermarkten dürfen. Auf dem Wochenmarkt frische Erdbeeren oder Kirschen an den Kunden zu bringen, gibt für die teils harte Arbeit während dem Lehrjahr auch die entsprechende Wertschätzung und Befriedigung.

 

Neue Bildungswege für Quereinsteiger und Karrierebewusste

 Als im letzten Jahr die Obstbauausbildung vom Berufsbildungszentrum Wädenswil an den Strickhof in Lindau verlegt wurde, hatte dies mehrere Gründe. Einerseits wollte man Lernenden mit Potenzial für einen Hochschulabschluss die Möglichkeit schaffen, berufsbegleitend die Berufsmaturität zu erreichen. Andererseits sollte ein fl exibles Ausbildungssystem entstehen, dass es Berufsleuten mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ erlaubt, in einem (mit landwirtschaftlicher Ausbildung) respektive in zwei Jahren (nicht landwirtschaftliche Ausbildung) das EFZ als Obstfachfrau/-mann zu erreichen. Mit diesen beiden Massnahmen sollen einerseits mehr Fachkräfte ausgebildet werden und andererseits soll der Weg an die landwirtschaftlichen Fachhochschulen attraktiver gestaltet werden. Ein erster 27 Teilerfolg konnte bereits erzielt werden. Im Sommer beginnt ein erster Quereinsteiger mit der Ausbildung zum Obstfachmann. Die einjährige Zusatzausbildung für Lernende mit landwirtschaftlichem EFZ soll zum ersten Mal im Sommer 2011 starten.

 

Zusammenarbeit von Arenenberg und Strickhof

Der Obstverband zeigt sich erfreut darüber, dass es gelungen ist, die beiden namhaften Berufsbildungszentren Arenenberg und Strickhof für eine gemeinsame Ausbildung der Obstfachleute zu gewinnen. So können die Lehrlinge nun vom breiten Know-how zweier Bildungs- und Beratungszentren profi tieren: Mit Patrick Stadler, dem Leiter des Versuchsbetriebes Güttingen, steht den Lernenden ein ausgewiesener Fachmann zur Verfügung. Weiter konnten Christian Bachofen, Maur ZH und Ueli Dolder, Meilen ZH als Lehrpersonen gewonnen werden. Beides sind bekannte Fachleute mit eigener Obstproduktion und Erfahrung als Lehrkraft. Die Ausbildung zum Obstfachmann oder zur Obstfachfrau kann somit mit kompetenten Lehrkräften überzeugen und ist attraktiver denn je. Für Schnellentschlossene stehen für Lehrbeginn August 2010 noch verschiedene Lehrbetriebe in den Kantonen Zürich, Thurgau, Graubünden, St. Gallen, Schwyz und Basel-Land zur Verfügung.

 

Weitere Informationen/Lehrstellen
unter www.agri-job.ch
oder www.swissfruit.ch (freie Lehrbetriebe unter Brancheninfos).

Ralph Gilg, Schweiz. Obstverband,
Abt. Produktion,
Telefon 041 728 68 30, Mobile 079 696 81 21, ralph.gilg@swissfruit.ch

 

Schweizerischer Obstverband, Ralph Gilg