Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


"Die Satten hungrig machen"

Ausgabe Nummer 47 (2018)

Delegiertenversammlung der Fromarte

Die Käser stehen in einem Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Konsumenten. Sich darin erfolgreich zu bewegen, ist die grosse Herausforderung, wie an der DV von Fromarte klar wurde.

«Rund drei Prozent Landwirte haben wir noch in der Schweiz», sagte Präsident Hans Aschwanden an der DV von Fromarte in Winterthur. «Die anderen 97 % der Bevölkerung sind Landwirtschaftsexperten. Wir als Käser stehen direkt an der Schnittstelle zwischen diesen beiden. Wir müssen uns zwangsläufig mit beiden Gruppen beschäftigen. Diese Situation können wir bedauern. Aber wir kommen nicht darum herum, uns in diesem Spannungsfeld zu bewegen. » Er erwähnte zudem, dass die Werbung das Bild der Landwirtschaft oft idealisiere und romantisiere. Die Realität mit Melkroboter oder durchschnittlichem Kuhalter von sechs Jahren sehe anders aus.

Falsche Denkweise
Zu diesem Spannungsfeld gehörte für den Präsidenten der Begriff der produzierenden Landwirtschaft, der für ihn eine falsche Denkweise ausdrückt. Er verglich sie mit der Mentalität einer Anbauschlacht während des 2. Weltkriegs. «Wir brauchen heute vielmehr eine verkaufende Landwirtschaft, welche die Wertvorstellungen der Konsumenten aufnimmt und zu erfüllen versucht», sagte er. «Früher mussten wir die Hungrigen satt machen. Heute müssen wir die Satten hungrig machen.» Er ging zudem auf die Hornkuhinitiative ein. Sie sei für die Käser keine wichtige Abstimmung. Wobei er gleichzeitig erwähnte, dass ihr Werbeeffekt im In- und Ausland unbezahlbar sei. Sorgen hingegen bereitete ihm die Trinkwasserinitiative, die im Frühjahr 2020 zur Abstimmung kommen dürfte. «Es wird für die Landwirtschaft eine sehr grosse Herausforderung sein, den Stimmbürgern mit Fakten zu erklären, warum sie diese Initiative ablehnen sollen.»

Nachhaltigkeit verbessern
Direktor Jacques Gygax zeigte sich sehr zufrieden mit dem neuen Standard der BOM für nachhaltige Milch. Die gewerblichen Käsereien erfüllten zwar schon viele der Anforderungen, erklärte er. Trotzdem könne dieser Standard in der Käseherstellung einen Mehrwert generieren, denn der Schweizer Käse stehe dadurch für natürliche und bedenkenlos geniessbare Nahrungsmittel. Im Bereich Energieeffizienz lasse Fromarte vom HAFL eine Auslegeordnung zum «Umgang mit der Nachhaltigkeit in gewerblichen Käsereien erstellen. «Unser Ziel für die Zukunft ist eine bessere Wertschöpfung dank Mehrwerten in Milchproduktion, Käseherstellung und Vermarktung», betonte er. Markige Worte fand Andreas Hinterberger von der Bergkäserei Gais. Der SBV und die Milchproduzenten müssten einiges dazulernen, sagte er. Ihr Verhalten sei marktfremd und müsse realistischer werden. Den Vorstand verliessen Ernst Hofer und Pius Oggier. Neu dazugekommen sind Pierre Reist und Erwin Schmid.


Martin Brunner













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