Ausgabe Nummer 1 (2005)

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Die schweizerische Landwirtschaft 2004 im Überblick

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Die schweizerische Landwirtschaft 2004 im Überblick
 
Auf einen kalten, schneereichen Winter folgte ein gebietsweise zu trockenes, überwiegend sonniges und leicht zu warmes Frühjahr. Darin eingebettet waren Nässe- und Kälteperioden um Ostern und in der ersten Maidekade. Der Sommer war wechselhaft, mit warmen, trockenen Perioden und Gewitter- und Niederschlagsperioden. Wegen knapper Niederschläge und häufiger Nordwinde, welche die Böden austrockneten, war es in der West-, Nordwest- und Südschweiz bis Anfang August zu trocken. Der Herbst begann in der ganzen Schweiz mit beständigem warmem und schönem Wetter.
 
Im vergangenen Jahr war das Wetter für Gemüse ideal. (LBBZ)
 
Gute Erträge im Pflanzenbau
Mit geschätzten 287000 Hektaren war die offene Ackerfläche um rund 3200 Hektaren grösser als im vorangehenden, witterungsmässig extremen Anbaujahr 2003. Die Erträge im Getreidebau waren gut bis sehr gut. Ausnahmen gab es in Regionen, die unter Trockenheit litten oder von Hagelschlägen betroffen waren. Die Qualität und die Erträge beim Getreide waren gut bis sehr gut, ebenso im Kartoffel- und im Gemüsebau. Eher über dem langjährigen Durchschnitt lagen sie auch bei Beeren und im Weinbau. Leicht unterdurchschnittlich dagegen war die Ernte bei den Tafeläpfeln. Quantitativ und qualitativ sehr gut fiel die Heuernte aus. Damit konnten die vielerorts aufgebrauchten Futterreserven mindestens teilweise wieder gebildet werden.

Marktgerechte tierische Produktion
Der Rindviehbestand erreichte Anfang Mai rund 1,56 Millionen Tiere, rund 9000 weniger als letztes Jahr. Vom Bestandesabbau entfiel ein grosser Teil auf Kühe zur Verkehrsmilchproduktion. Weiter ausgedehnt wurde die Mutter- und Ammenkuhhaltung. Auch bei den Schweinen und beim Geflügel waren Zuwächse zu verzeichnen.
Die Milcheinlieferungen näherten sich dank der meistenorts guten Futtersituation im Verlaufe des Sommers der Rekordmarke aus dem Jahre 2002. Weil der Absatz von Konsummilch, Konsumrahm und anderen Frischmilchprodukten leicht zunahm und etwas mehr Käse hergestellt werden konnte, blieben ernste Marktstörungen aus.
Das Schlachtviehjahr war vor allem von hohen Kuhpreisen geprägt. Das Angebot war so klein, dass erstmals seit vier Jahren wieder Kuhwurstfleisch importiert werden musste. Auch die Kälberpreise waren in der ersten Jahreshälfte hoch, gerieten jedoch gegen Mitte des Jahres unter Druck. Beim Bankvieh war die Nachfrage bereits zu Jahresbeginn verhalten, sie erhöhte sich erst im August. Der Schweinesektor präsentierte sich zu Beginn des Jahres erfreulich, mit kleinem Angebot und höheren Preisen. Der relativ kühle Sommer verursachte aber einen Nachfrageeinbruch. Den Lammfleischsektor belasteten vor allem das grössere Angebot und die neue Importkontingentsverteilung. Weiter im Aufwind befand sich die Geflügelfleischproduktion, während die Eierproduktion die Vorjahresvorgabe nicht erreichte.

Trockenes Frühjahr, feuchter Sommer
Nach einem kalten, schneereichen Winter war der März gebietsweise zu trocken, überdurchschnittlich sonnig und leicht zu warm. Über Ostern (11. April) zog eine mehrtägige Kälteperiode über die Schweiz. Im letzten Drittel herrschte aber wieder sonniges, warmes Frühlingswetter. Der Mai brachte zuerst Sonne, dann Nässe und Kälte mit Schnee bis auf 600 Meter über Meer. Das zweite Monatsdrittel kompensierte mit viel Sonne und Wärme, bevor ein Kaltlufteinbruch späte Nachtfröste brachte und mehrere Störungen durchzogen. Im Juni brachen anhaltend feuchtwarme Luftmassen ein. Die Zentralschweiz und das Berner Oberland erhielten zu viel, das Genferseegebiet und die Südschweiz zu wenig Regen. Der Juli begann wechselhaft.
Am 8. Juli überquerte ein 250 km langer und bis zu 40 km breiter Hagelzug die Schweiz und hinterliess zahlreiche, zum Teil sehr schwere Schäden an Gerste, Raps und Getreide sowie an Gärtnereien und Beerenkulturen. Ab Monatsmitte war es schwül. Erst ab dem 24. Juli herrschte sonniges, heisses Sommerwetter. Wegen der nur knappen Niederschläge und der ständigen Nordwinde, die die Böden austrockneten, war es in der West-, Nordwest- und Südschweiz zu trocken. Ab dem 3. August gewitterte es fast täglich mit Ausnahme einer kurzen Schönwetterperiode Mitte des Monats. Der September brachte der ganzen Schweiz beständiges warmes und schönes Herbstwetter mit kühleren Nächten.

Preisdruck beim Getreide
Nach zwei extrem unterschiedlichen Brotgetreideernten, 2002 zu nass und mit viel Auswuchs, 2003 zu trocken und mit Notreife, war 2004 ein normales Getreidejahr. Auf einer Fläche von rund 93000 Hektaren fielen 532000 Tonnen Brotgetreide an. Das sind 87000 Tonnen oder 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Weil nicht die gesamte, durch ausserordentlich hohe Hektolitergewichte charakterisierte Menge verwertet werden kann, wurden zur Marktentlastung vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband bereits im Juli und September über 25000 Tonnen zu Futterware deklassiert, bis Ende Jahr sind es insgesamt 35000 Tonnen. Ausgehend vom Bedarf wurde der Richtpreis für Weizen Klasse I leicht gesenkt und für Weizen Klasse III geringfügig erhöht.
Im Gegensatz zum Brotgetreide nahm die Futtergetreidefläche erneut leicht ab, auf 75300 Hektaren. Trotzdem wird die Ernte auf 525000 Tonnen geschätzt. In preislicher Hinsicht lagen die Vorstellungen der Marktpartner zu weit auseinander, sodass man sich beim Futtergetreide auf keine Richtpreise einigen konnte. Lediglich beim Körnermais gab es einen Konsens bei 45 Franken je 100 Kilogramm. Das bedeutet 2.50 Franken weniger als im ausserordentlichen Vorjahr und gleich viel wie im Jahr 2002.



Raps im Aufwärtstrend
Raps verzeichnete im Berichtsjahr eine Aufwärtsbewegung, sei es bei der Fläche, bei der Angebotsmenge oder bei der Nachfrage. Mit rund 52800 Tonnen Raps für den Speiseölmarkt wurde erstmals die zwischen den Landwirten und den Ölwerken vereinbarte Zielmenge von 52000 Tonnen leicht überschritten, aber die Ölwerke konnten die gesamte Menge übernehmen. Für das kommende Jahr ist die Zielmenge bereits auf 54000 Tonnen erhöht worden. Als nachwachsender Rohstoff für industrielle Zwecke wurden im Berichtsjahr zudem rund 4700 Tonnen abgeliefert, sodass die total geerntete Rapsmenge auf rund 57500 Tonnen zu stehen kommt.

Kartoffeln: Weniger Fläche, mehr Ertrag
Zweifellos haben die Schwierigkeiten mit dem Kartoffelanbau im Hitzesommer 2003 dazu geführt, dass im Berichtsjahr rund 300 Hektaren weniger Kartoffeln gepflanzt wurden (-2 Prozent). Da jedoch der Hektarertrag mit 395 Kilogramm wesentlich höher und die Ausbeute an Speiseware bei 77 Prozent lagen, dürfte sich die Gesamternte auf gute 526000 Tonnen belaufen, wovon 16500 Tonnen auf Biokartoffeln entfallen. Gemessen an der Nachfrage zeichnet sich ein Überangebot bei den festkochenden Speisesorten Charlotte und Nicola sowie vor allem bei den Chips- und Friteskartoffeln ab. Gestützt auf Angebot und Nachfrage bewegen sich die Produzentenpreise in der unteren Hälfte des ausgehandelten Preisbandes.

Gemüseproduktion – es wird eng
Geradezu ideal wirkte sich das milde, feuchte Klima auf das Wachstum der Gemüsekulturen aus. Das Resultat waren überdurchschnittliche Ernten von qualitativ hoch stehender Ware, die einen Angebotsdruck und chaotische Verhältnisse auf dem Markt erzeugten. Praktisch jede Frischgemüsekultur, ob Freiland oder Gewächshaus, verzeichnete einen Preiseinbruch schon ab der zweiten Erntewoche und verharrte über die ganze Saison auf tiefem Niveau. Produzenten mit organisierten Absatzstrukturen konnten ihre Ware meist absetzen, während «wilde» Ware trotz tiefem Preisniveau oft unverkauft blieb.
Die Ernten im Verarbeitungsgemüseanbau waren besonders bei Frühlingsspinat und Pariser Karotten so hoch, dass ein Teil der Fläche ungeerntet blieb. Produzenten mit fehlender Bewässerungsinfrastruktur spürten beim Anbau von Erbsen und Bohnen die beschränkten Wasservorräte als Nachwirkung der Trockenperiode des Vorjahres. Auch der Lagergemüseanbau verzeichnete Rekordernten, die zu Preisen führten, die nahe am EU-Niveau zu liegen kamen. Der stark zurückgehende Konsum während der Sommer- und Herbstferien lässt auf eine wiederum zunehmende Reiselust der Schweizer schliessen. Der Konsum von Biofrischgemüse scheint seine Sättigung allmählich erreicht zu haben.

Wenig Tafeläpfel, viele Beeren
Die Tafelapfelernte fiel wiederum unterdurchschnittlich, aber doch leicht höher als im Vorjahr aus. Mehrere Hagelgewitter in den Hauptanbaugebieten der West- und Ostschweiz hatten beachtliche Schäden angerichtet.
Beim Mostobst führten die überdurchschnittliche Mostapfelernte und die unterdurchschnittliche Mostbirnenernte dazu, dass die gesamte Erntemenge ziemlich genau dem 10-jährigen Mittel entsprach. Pünktlich mit dem Herbstbeginn war ab dem 20. September der frische Obstsaft ab Presse, das herbstliche Lieblingsgetränk der Schweizer, wieder bei den Grossverteilern und in den Detailgeschäften erhältlich.
2004 war ein ausgesprochen günstiges Beerenjahr, denn der Erntesegen war nicht nur bei den Erdbeeren grösser als im Vorjahr (+12 Prozent), sondern auch bei den Himbeeren und Brombeeren.
Auch für die Kirschen waren die entscheidend wichtigen Wetterverhältnisse ideal, sodass insbesondere die hochwertige Klasse Premium erstmals in breiterem Umfang und die Klasse Extra regen Absatz fanden. Demgegenüber waren die Nachfrage und der Absatz von Konservenkirschen verhältnismässig bescheiden.

Viel versprechender Weinjahrgang
Der Jahrgang 2004 wuchs in den meisten Regionen sehr viel versprechend heran. Zahlreiche Winzer in der Nordostschweiz und am Genfersee waren allerdings von einem schweren Hagelzug betroffen.
Die Weinbauern befinden sich gegenwärtig in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Viele kommen trotz Direktzahlungen ohne Zusatzeinkommen wirtschaftlich nicht über die Runden. Absatz und Preise der Schweizer Weine werden namentlich bedrängt durch Weine aus Übersee.
Die Produzenten begegnen der Konkurrenz mit einer zukunftsorientierten Qualitätspolitik, mit Diversifizierung und mit der Produktion von Spezialitäten, die auf einer grossen Weintradition basieren.
Der Bund und einzelne Kantone unterstützen die Anstrengungen. So hat die Walliser Kantonsregierung auf den 1. Mai des laufenden Jahres eine neue Reb- und Weinbauverordnung erlassen, welche das AOC-Label verstärkt und neue Auflagen für die «Grand Cru»-Tropfen schafft. Wichtigstes Ziel dieser Anstrengungen ist die hohe Qualität. Daher werden höhere qualitative Anforderungen an die AOC-Weine gestellt. Der Mindestzuckergehalt wird erhöht, die Erntemenge pro Hektare eingeschränkt.

 
Der Jahrgang 2004 scheint viel versprechend zu werden. (TWV) Sehr gute Kuhpreise: Auf den öffentlichen Märkten, wie diese Woche in Weinfelden, waren Kühe sehr gesucht. (kb)

Sommerlicher Futtermangel in der West- und Südschweiz
Im laufenden Jahr weidete das Vieh im Tal bereits Anfang April im saftigen Grün. In den frühen Lagen wurde Anfang April das erste Gras siliert, in den übrigen Gebieten nach der Regen- und Kälteperiode, das heisst Ende April, Anfang Mai. Dank dem sonnigen Wetter ab Mitte Mai bis Auffahrt (20. Mai) wurde im Tal die gute Heuernte unter idealen Bedingungen eingebracht. Infolge der knappen Niederschläge in der Süd- und Westschweiz wurde in diesen Gebieten 30 bis 50 Prozent weniger Futter geerntet als üblich, sodass nach dem Trockenjahr 2003 in diesen Regionen erneut ein Futtermangel drohte. Futterlieferungen aus den übrigen Teilen der Schweiz – wo dank Gewittern die Futterernte reichlich ausfiel –, ausgiebige Regenfälle im August auch in den Trockenheitsgebieten und eine gute Silomaisernte entschärften schliesslich die Futterknappheit.

Milchmarkt entwickelt sich besser als erwartet
Im Januar und im Februar sowie ab Mai übertrafen die Milcheinlieferungen das Vorjahresergebnis. In den Monaten bis Ende September lagen die Milcheinlieferungen um 1,1 Prozent über dem Vorjahresstand, teils infolge der Lieferung von 8800 Tonnen am Schalttag. Die rollende Jahresmenge näherte sich im Verlaufe des Sommers der Rekordmarke aus dem Jahre 2002. Trotzdem konnte die Milch ohne Friktionen verwertet werden, dank stabilem Konsummilch-, Konsumrahm- und Frischprodukteabsatz und höherer Käseproduktion. Trotz dem Wegfall der Sondergeschäfte beim Käseexport (Lagerabbau im Vorjahr) gelang es, den Gesamt-umsatz mit Milchprodukten im Ausland zu erhöhen. Markterfolge mit innovativen Frischprodukten führten dazu. Im Käsegeschäft konnten erste Erholungstendenzen festgestellt werden, trotz der nach wie vor unbefriedigenden Situation beim Emmentaler, namentlich im wichtigen Italiengeschäft. Insbesondere die Sorten Gruyère, Tête de Moine und Raclette Suisse entwickelten sich positiv. Eine kleine Exportsteigerung weist auch der im In- und Ausland kontinuierlich nachgefragte Appenzellerkäse auf. Marktführer setzen sowohl im Heim- wie im Exportmarkt auf Spezialitäten mit herausragender Produkt-qualität für das Premiumsegment.
Butter und Rahm konnten leicht mehr als in den Vorjahren abgesetzt werden. Die Produzentenpreise konnten nicht gehalten werden. Die Reduktion der Zulage für verkäste Milch von 20 auf 19 Rappen je Kilogramm, die Kürzung der Inlandbeihilfen für Butter, Magermilch und Vollmilchpulver, die Streichung der Exportbeiträge für Sbrinz und Weichkäse in die EU und die Kürzung der übrigen Ausfuhrbeihilfen wirkten sich auf das Preisgefüge aus. Die Produzentenpreise, die im Mittel der ersten drei Monate noch leicht über dem Preis vor Jahresfrist von 71 Rappen je Kilogramm gelegen hatten (+0,8 Rappen je Kilogramm), fielen in den folgenden Monaten um rund einen Rappen unter das Niveau des Vorjahres zurück.

Milchkühe überschreiten die 3000-Franken-Grenze
Nach drei Jahren mit sehr tiefen Preisen scheint gegen Ende des Jahres 2004 die Erholung der Nutzviehpreise definitiv zu sein. Lagen die durchschnittlichen Erlöse im Jahre 2003 noch fast immer unter 3000 Franken je Kuh, so wurde diese Grenze in der ersten Jahreshälfte 2004 meist erreicht und ab Mai/Juni eindeutig überschritten. Mit 3100 bis 3200 Franken je Kuh erreichten die Nutzviehpreise ab September annähernd das gute Niveau des Jahres 2000. Zur Erinnerung: Zwischen Ende 1999 und Ende 2000 wurde an den Auktionen für Nutzkühe im Schnitt 3500 Franken bezahlt.

Schlachtviehmarkt: Pionierrenten für Labeleinsteiger schmelzen dahin
Neben hohen Kuhpreisen infolge des kleinen Angebotes waren in der ersten Jahreshälfte vor allem der verhaltene Rindfleischkonsum und der daraus resultierende Preisdruck ausgeprägt. Dieser Umstand äusserte sich zum Teil sehr differenziert innerhalb einer einzelnen Schlachtviehkategorie. So gab es im klassischen Produktionssektor zeitweise weniger Absatzschwierigkeiten als im Labelsektor. Gründe sind sicher der kleinere Anteil «Nichtlabeltiere», die Preisdifferenz am Ladentisch sowie die Sättigung in den Labelsektoren. Das Überangebot an Labeltieren führte dazu, dass diese teilweise in den klassischen Verkaufskanal flossen. Dieser Austausch von Label- und konventionellen Tieren bewirkte ebenfalls eine Annäherung der Preise zwischen den Produktionssystemen. Während im Jahr 2002 die Preise der Grossverteilerlabel noch 13 Prozent oberhalb des QM-Preises1 lagen, die Biopreise2 21 Prozent darüber, «NaturaBeef3» 41 Prozent und «BioWeieBeef4» noch 37 Prozent darüber, sind es heute noch magere 3 bis 19 Prozent Unterschied. Einzig das Label «NaturaBeef» konnte sich mit 31 Prozent Preisunterschied zur klassischen Produktion auf dem Markt behaupten. Die restlichen Labels mussten zum Teil gravierende Preissenkungen hinnehmen. Ein wesentlicher Grund für die Annäherung der Preise liegt in der allmählichen Sättigung des Labelmarktes, was Wartelisten und vorläufige Aufnahmestopps gewisser Labelprogramme bestätigen. Besonders kritisch wird es bei sehr grossem Druck auf die Preise. So lagen die Preisunterschiede im Mai dieses Jahres zwischen den Labels «M-75» und «CTS6» einerseits und QM andererseits bei knappen 10 Rappen, bei einem derzeitigen Jahresdurchschnitt von 23 Rappen.

Bankviehpreise unter Druck
Zu Beginn des Jahres 2004 verzeichnete man eine ausgeglichene Marktlage mit stabilen Preisen. Aufgrund der zunehmend schlechten Nachfrage und des höheren Angebots (Januar bis August: +1,8 Prozent) gerieten die Preise unter Druck. Der Preisdruck auf das Bankvieh war so stark, dass Preisdifferenzen zwischen Bankvieh und Verarbeitungsvieh immer kleiner wurden (Abb. 5). Um weitere Preissenkungen beim Bankvieh zu vermeiden, beschloss der Verwaltungsrat der Proviande7 deshalb Mitte März die Verbilligung von Munistotzen. Diese Verbilligung entlastete vor allem den QM-Markt. Die Überhänge bei den Labels hingegen blieben, sodass die Labelpreise weiter sanken. Rinder waren hingegen gesucht, sodass sie das Preisniveau von Munis erreichten. Im April wurden neben den Munistotzen zusätzlich noch die Vorderviertel verbilligt. Trotzdem verlief der Bankviehmarkt schleppend, und die Preisdifferenz zwischen Label und konventioneller Produktion verringerte sich stetig. Mitte Mai wurden die Verbilligungsaktionen beendet. Anfang Juli wurden erstmals vermehrt Munis anstelle von Kühen geschlachtet, was den Markt alsbald entlas-tete, sodass die Preise wieder anstiegen. Nachdem der Bankviehmarkt im August endlich abgeräumt war, erholten sich die Preise. Insgesamt (Januar bis September) sind die Preise für QM-Muni trotz der zu Beginn des Jahres schlechten Marktsituation um 0,5 Prozent höher als im Vorjahr.
Aufgrund des unter Druck stehenden Bankviehmarktes wurden in der ersten Hälfte des Jahres die Importe restriktiv gehandhabt. Soll die Gesamtimportmenge von Nierstücken und High-Quality-Beef gleich wie im Vorjahr ausfallen, bleiben für Oktober bis Dezember rund 800 Tonnen noch zu importierende Ware übrig. Da beim Bankvieh in der zweiten Jahreshälfte jeweils bessere Preise vorherrschen, kann von einem mittleren Bankviehjahr 2004 ausgegangen werden.

Sehr gute Kuhpreise
Der Kuhbestand nahm gegenüber dem Vorjahr um rund 9000 Milchkühe ab (Schätzung des SBV). Dieser erneute Bestandesrückgang bewirkte auch eine Reduktion der geschlachteten Kühe. So wurden von Januar bis August 2004 zirka 12 Prozent weniger Kühe als in derselben Vorjahresperiode geschlachtet. Dieser Bestandesabbau sowie die sehr gute Nachfrage nach Wurstfleisch liessen die Kuhpreise in die Höhe schnellen. Die durchschnittliche Preisdifferenz gegen-über der Vorjahresperiode (Januar bis September) lag bei der Kategorie VK T3 QM um +19 Prozent. Vor allem auf den öffentlichen Märkten waren die Kühe sehr gesucht. Das ständige Unterangebot an Kühen bewog den Verwaltungsrat der Proviande, erstmals seit vier Jahren wieder Wurstfleisch von Kühen für den Import zu beantragen (2000: 908 Tonnen). Die Mitte Mai freigegebenen 1000 Tonnen Wurstfleisch sowie die Zusatzfreigabe von 200 Tonnen Ende Juli bewirkten eine gewisse Preisstabilität, hingegen keinen Preisfall. Auch im Hinblick auf ein leicht steigendes Angebot im Herbst dürften die Kuhpreise im Herbst nicht allzu stark fallen, da der Kuhbestand ohnehin tief ist. Die freundliche Marktlage erlaubte sogar eine weitere Zusatzfreigabe von 150 Tonnen Importwurstfleisch im Oktober, ohne dass diese einen negativen Einfluss auf den Kuhmarkt genommen hätte.

Bankkälber: Zweimalige Marktentlastungsmassnahmen
Auf dem Kälbermarkt lief es zu Beginn des Jahres noch recht gut. Als Resultat des gesunkenen Kuhbestandes war das Angebot an Kälbern von Januar bis August 4 Prozent kleiner als 2003. Die Preise waren während der ersten fünf Monate 2004 noch 12 Prozent höher als im Vorjahr. Nach Ostern begann der alljährliche Preiszerfall. Aufgrund der starken Preis-reduktionen beschloss der Proviande-Verwaltungsrat, ab Mitte April Kalbfleisch einzulagern. Die ruhigere Marktlage liess Mitte Mai eine Einstellung der Marktentlastungsmassnahmen zu. Die Nachfrage nach Kalbfleisch blieb jedoch weiterhin schwach, sodass Ende Juni erneut Einlagerungen beschlossen wurden, die bis zum 16. Juli dauerten. Der Sommer war durch die sehr verhaltene Nachfrage gekennzeichnet. Dank dem saisonbedingt ebenfalls kleinen Angebot kam es aber zu keinen Absatzproblemen. Ende Sommer begannen die Preise wiederum zu steigen. Anfang Oktober 2004 waren die Preise mit -1,2 Prozent leicht unter jenen vom Oktober 2003. Insgesamt, von Januar bis Oktober, lagen sie 6,6 Prozent oberhalb des Vorjahresniveaus. Die zweimaligen Marktentlastungen von Mitte April bis Mitte Mai und Ende Juni bis Mitte Juli führten dazu, dass sich die Kalbfleischlager auf rund 1000 Tonnen anhäuften. Anfang September wurde mit der Auslagerung des Kalbfleisches begonnen. Bis Ende September wurden erst 186 Tonnen ausgelagert, sodass bis Jahresende noch mehr als 800 Tonnen für den Verkauf freigegeben werden müssen. Obwohl die Nachfrage nach Wurstfleisch (eingelagertes Kalbfleisch) im Herbst sinkt, dürften infolge der schwachen Abkalbsaison im Spätsommer und Frühherbst diese Auslagerungen wenig Einfluss auf die Marktpreise haben.

Ausgeglichener Schweinemarkt
Anfang 2004 präsentierte sich der Schweinemarkt mehrheitlich ausgeglichen. Das Angebot an Schlachtschweinen war von Anfang Jahr bis Ende August permanent kleiner als in den beiden vorangegangenen Jahren. Gegenüber dem Vorjahr (Januar bis August) gab es 2,1 Prozent weniger Schlachtschweine. Die Marktpreise für QM-Schweine stiegen immer höher und erreichten im Juni ihren Höchststand. Aufgrund des kühleren Sommerwetters, das nicht gerade zum Grillieren einlud, sank der Schweinepreis stetig bis im August. Im September gab es wiederum eine Trendwende. Insgesamt war der Schweinepreis von Januar bis September um gut 4 Prozent höher als im Vorjahr. Die guten Preise in der ersten Hälfte des Jahres 2004 liessen deshalb auch grössere Importe ohne negativen Einfluss auf die Inlandpreise zu. So gab es bis Anfang September 2004 rund 28 Prozent mehr Importe als im Vorjahr. Zu Beginn des Herbstes waren bereits 87 Prozent der von der WTO vorgeschriebenen Richtmenge importiert. Somit wird der vom steigenden inländischen Angebot ausgeübte Preisdruck nicht durch Importfleisch zusätzlich verstärkt.

Schafmarkt: Konstant höheres Angebot
Das Angebot an Schafen war bis Ende August um rund zehn Prozent höher als in den letzten beiden Jahren. Dieser Angebotsdruck und die Umstellung der Importverteilung beeinflussten den inländischen Lammpreis negativ. So lagen die Lämmerpreise bis Ende September um 13,7 Prozent tiefer als im Vorjahr. Aufgrund der starken Saisonalität dürfte das Angebot gegen den Herbst weiterhin stark ansteigen. Mit den bis Anfang Oktober getätigten Importen ist die bei der WTO notifizierte Mindestmenge an Lammfleisch mit 109 Prozent übererfüllt. Somit dürfte von Seiten der Importe kein zusätzlicher Druck auf die Preise entstehen.

Produktionsrückgang bei Eiern
Im Jahr 2003 sind die Ablieferungen von Inlandeiern um 4,9 Prozent gesunken. Aufgrund der Schätzung des Junghennenanfalls Anfang Jahr musste für 2004 ein noch stärkerer Rückgang der Eierproduktion erwartet werden. Die Zahlen der ers-ten sieben Monate des laufenden Jahres bestätigen diese Entwicklung, sind doch die Eierproduktion um 5,8 Prozent und die Ablieferungen um 3,5 Prozent zurückgegangen. Trotz dieses markanten Produktionsrückganges konnten die Produzentenpreise bei 24 Rappen pro Stück nur stabil gehalten werden.

Geflügelfleischproduktion expandiert weiter
Erfreulicher sieht die Lage beim Geflügelfleisch (Poulets und Truten) aus. Im Jahr 2003 konnte die Geflügelfleischproduktion im Inland um 4,3 Prozent auf gut 55000 Tonnen Schlachtgewicht gesteigert werden. Weil aber der Verbrauch sogar um 4,1 Prozent anstieg, musste eine Einbusse von 0,7 Prozent beim Marktanteil der Inlandproduktion in Kauf genommen werden. Für das laufende Jahr wird eine Zunahme der Geflügelfleischproduktion um rund 6 Prozent geschätzt. Diese dürfte ohne grössere Schwierigkeiten abgesetzt werden können.

Dienstleistungen und Nebentätigkeiten im Aufwind
Infolge der verstärkten Kostenklemme, welcher mit überbetrieblicher Zusammenarbeit begegnet wird, sowie dem laufenden technischen Fortschritt, der zu immer leis-tungsfähigeren Arbeitsketten führt, steigt der Produktionswert der landwirtschaftlichen Dienstleistungen laufend an.
«Brunch auf dem Bauernhof», «Schlaf im Stroh», Kutschenfahrten, Streichelzoo, Maislabyrinth und weitere Angebote werden immer beliebter. Über 260 Schweizer Bauernhöfe bieten «Ferien auf dem Bauernhof» an. Sie ermöglichen Begegnungen mit Menschen, Tieren und Pflanzen und das Erspüren der Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Meist wird mit der Beherbergung von Gästen auch die Möglichkeit zum Direkteinkauf geboten.
In den vergangenen Jahren sind die touristischen Dienstleistungen professionalisiert worden. Dies zeigt sich zum Beispiel in den vielen Internetauftritten und findet Niederschlag in den steigenden Einnahmen bei diesem Betriebszweig, wie die zentrale Auswertung der Buchhaltungsdaten zeigt.

Die Kaufkraft der Produzenten droht wieder zu erlahmen
Die Einkaufspreise landwirtschaftlicher Produktionsmittel blieben nach einer mässigen Erhöhung zu Jahresbeginn stabil. Sie wurden aber unterschiedlich beeinflusst durch die Turbulenzen am Erdölmarkt, die kleinen Ernten im Trockenjahr 2003 sowie durch günstige Wachstumsbedingungen im laufenden Jahr. Die bis Ende des Vorjahres angestiegenen Produktepreise liessen im Verlaufe des Berichtsjahres kontinuierlich nach. Der Produzentenpreisindex (auf der Basis Mai 1997 = 100 Punkte) verminderte sich von 96,7 Punkten im Dezember 2003 auf 93,6 Punkte im September.

LID

1 Qualitätsmanagement Schweizer Fleisch als Label für die klassische Produktion
2 Label für Knospe-Betrieb
3 Label der Schweizerischen Vereinigung für Ammen- und Mutterkuhhalter SVAMH
4 Label für extensive BioWeideMast
5 Label der Migros
6 Coop Tiergerechte Stallhaltung
7 Branchenorganisation Fleisch
 
 
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