Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Die Segel des Betriebes richtig in den Wind stellen

Ausgabe Nummer 46 (2015)

Wirtschaftliche Milchproduktion

Ein Betriebsleiter heute steht nicht vor der Herausforderung, sich für ein bestimmtes Produktionssystem wie Hochleistungsstrategie, Vollweide, Silofrei oder Eingrasen zu entscheiden. Ein Betrieb ist heute am Erfolgreichsten, wenn das System umsetzen wird, was den betrieblichen Möglichkeiten und persönlichen Fähigkeiten am Besten entspricht, und dass die eigene Arbeit möglichst mit hoher Wertschöpfung und Wirkung eingesetzt wird. Um im rauhen Milchmarkt das Segelschiff Landwirtschaftsbetrieb gekonnt zu navigieren, ist eine Standortbestimmung und angepasste Zieleingabe zeitweise erforderlich. Dieses «Ziel» enthält Angaben zum Betrieb wie auch zur Familie oder Lebensqualität. Die neu erschienenen Vollkostenzahlen der Milchproduktion zeigen, ein bewusstes und konsequentes Navigieren macht den Unterschied.

Direktkosten streuen von 10 bis 50 Rp.
Kürzlich sind wieder die neuen Zahlen der Vollkostenrechnung Milch erschienen. Für die Auswertung wurden die Daten von 152 Talbetriebe einbezogen, mit einem rollenden Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2014.
Betrachtet man die Zahlen in der Tabelle, sticht kein Produktionssystem deutlich heraus. Würden die Ergebnisse aller Betriebe jedoch grafisch dargestellt, zeigten sich riesige Unterschiede: Die Direktkosten pro kg Milch (Kraftfutter, Tierarzt, KB) betragen im Mittel 22 Rappen pro kg Milch, mit einer Streuung von 10 bis 50 Rappen – und dies unabhängig von der Milchleistung! Bei einer Milchmenge von 250 000 kg Milch ergeben 10 Rappen höhere Direktkosten total 25 000 Franken – dies kann mit einer Optimierung der Direktzahlungen nicht wett gemacht werden.

Eigene Arbeit wirkungsvoll einsetzen
Die Entschädigung für die eigene Arbeit von gut 30 Rappen (= eigene Strukturkosten) beläuft sich bei allen Systemen auf rund 1⁄3 der gesamten Kosten. Dies zeigt die Bedeutung auf, die Arbeit dort einzusetzen, wo entweder eine höhere Wertschöpfung erzielt oder die Kosten tief gehalten werden können. Zu wissen, wo die Arbeit die grösste Wirkung hat ist ein ständiger Prozess und ist je nach Produktionssystem sehr unterschiedlich. So erfordert ein Vollweidesystem ein anderes Beobachten der Futterflächen als ein Betrieb mit viel Eingrasen. So wiederspiegelt das Landwirtschaftliche Einkommen (LE) aus der gesamten Rindviehhaltung nicht nur die Leistungen aus dem Milchverkauf, sondern auch diejenigen aus Tierverkäufen – und ein entsprechendes Engagement in diesem Bereich.

Haben Sie ein Frühwarnsystem?
Genau so wie das Auto oder ein Traktor Anzeigen hat für Geschwindigkeit, Öldruck, Drehzahl oder Tankfüllung – die neueren gar mit GPS, Karte und Wegangaben zum Ziel –, so braucht auch ein Landwirtschaftsbetrieb ein kleines Cockpit mit den wichtigsten Angaben zum Betrieb.
Die Analyse einer Buchhaltung oder die Vollkostenrechnung sind eine Möglichkeiten für eine Standortbestimmung. Während dem Jahr sind weitere Anzeigen erforderlich, die über den Monat oder Woche Auskunft geben.
Die ständigen Weiterentwicklungen beim Auto wie GPS, Parkhilfe, Einschlafanzeige, Hybrid und das Wegfallen von alten Systemen, ist ein Spiegelbild für den heutigen Landwirtschaftsbetrieb – alte Indikatoren verlieren ihren Wert, neue sind miteinzubeziehen. Um sein Wissen wieder aufzufrischen oder sich mit Neuerungen vertraut zu machen, kann der Besuch eines Kurses hilfreich sein (siehe Kasten Kurse). Zentral bleibt, dass ein Anzeiger ein Feuer aufzeigt wenn es noch sehr klein ist oder erst zu brennen beginnt, und nicht, wenn das Haus schon in Vollbrand steht.

Eigenes Bauchgefühl eichen
Die vielen Zahlen bei der Buchhaltung oder der Vollkostenrechnung Milch schrecken viele ab. Jedoch, für keinen Betrieb sind alle Zahlen wichtig. Viele liefern Zusatzinformationen. In einem Jahr wie das 2015 mit tiefen Milchpreisen und Trockenheit genügt ein «ungefähr» nicht mehr. So wie das Auto regelmässig in den Service gegeben wird, neuere Autos ein anderes Fahrgefühl vermitteln als alte, ist auch der Landwirtschaftsbetrieb regelmässig zu checken, und das Bauchgefühl den veränderten Bedingungen anzupassen und neu zu eichen.


BBZ Arenenberg,
Jenifer van der Maas







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