Ausgabe Nummer 33 (2012)
Die Sommermonate fordern die Winzer
Der bisherige Verlauf des Sommers 2012 forderte die Winzerinnen und Winzer ganz besonders und immer wieder aufs Neue. Wechselhafte Witterung, ausserordentlich hohe Luftfeuchtigkeiten bei fast tropischen Bedingungen, unterbrochen durch einzelne Hitzetage, prägten in den letzten Wochen den Entwicklungsverlauf der Kulturen und das Wachstum der Reben. Kaum eine Parzelle blieb gänzlich vom Mehltau verschont. Und wer nicht peinlich genau seine Spritzabstände geplant und auf Witterung und Neuzuwachs angepasst hatte, lief dieses Jahr ganz besonders Gefahr, grössere Ausfälle verzeichnen zu müssen.
Zeitpunkt für letzte Pflanzenschutzmassnahmen
Man sieht es nun überall – die Beeren haben langsam, aber sicher ihre Reifezeit begonnen. Sorten mit frühem Farbumschlag wie Regent oder Garanoir haben ihn fast schon vollständig abgeschlossen. Beim Riesling-Silvaner und beim Blauburgunder hat er jetzt begonnen. Damit ist nun der letzte Zeitpunkt für die Abschlussbehandlung gekommen. Wie bereits Anfang August kommuniziert, ist diese bis Ende dieser Woche an allen Orten vorzunehmen. Gleichzeitig sind die letzten Korrekturen gegen Unkraut im Unterstockbereich angezeigt, dort wo nötig bis spätestens Ende August mit Blattherbiziden. Mit diesen letzten Massnahmen werden nun auch noch die Kontrollen des Ökologischen Leistungsnachweises (für die Schaffhauser Rebleute) erfolgen.
Ertragsregulierung und Jungreben kontrollieren
Allgemein kann in diesem Jahr von einem guten Traubenbehang und wahrscheinlich von einer durchschnittlich bis guten Ernte ausgegangen werden, sofern sich die Ausfälle wegen Schadpilzen nun in den nächsten Tagen und Wochen nicht noch verstärken. So ist jetzt kurz vor vollendetem Farbumschlag der ideale Zeitpunkt für die letzte Einstellung des Ertrags gekommen. Nicht vollentwickeltes oder schadhaftes Traubengut wie auch die dritte Traube am Trieb sind zu entfernen. An schwachen Trieben ist maximal eine Traube zu belassen. In diesem Jahr relativ häufig zu sehen sind so dicke, saftige Geiztriebe, welche immer noch stark wachsen. Bei diesen ist davon auszugehen, dass sie wenig Reservestoffe einlagern und schlecht verholzen. Nach wie vor ein besonderes Augenmerk gilt den Junganlagen. Dem Neuzuwachs sollte hier unbedingt bis zum Schluss Sorge getragen werden und allenfalls ist nochmals mit einem Kontaktfungizid oder Kupfer separat zu behandeln.
Reblaus in Schaffhausen wieder aktiv
Auf einer Parzelle im Klettgau wurde in der letzten Woche erstmals wieder das Auftreten der Reblaus auf einer brachliegenden Rebfläche nachgewiesen. Die Blattgallen fanden sich auf einer amerikanischen Unterlagsrebe. Die Entwicklung wird nun überwacht. Vorerst sind aber keine unmittelbaren Massnahmen notwendig. Hingegen ist in diesem Zusammenhang einmal mehr darauf hinzuweisen, dass das Vergruben von oberirdischen Trieben die grosse Gefahr einer Ausbreitung der im Boden lebenden Rebläuse nach sich ziehen kann, es ist daher unbedingt davon abzuraten. Eine Alternative zum Vergruben bilden heute die sogenannten Hochstammreben. Bestellungen solcher sind aber frühzeitig mit dem Rebschulisten abzusprechen.
Die Kirschessigfliege steht unter Beobachtung
In diesen Tagen werden im ganzen Produktionsgebiet von Schaffhausen und Thurgau nochmals spezielle Fallen zur Überwachung der Drosophila suzukii oder zu Deutsch der Kirschessigfliege aufgehängt. Bisher wurden im Rahmen des nationalen Monitorings vor allem Fänge südlich der Alpen und im Genferseegebiet gemeldet. In Abhängigkeit des weiteren Witterungsverlaufs und mit dem Reifen der Trauben ist aber nicht ausgeschlossen, dass bereits in diesem Jahr erste Fänge in unseren Regionen zu verzeichnen sind. Ab dieser Woche werden wir nun regelmässig über den aktuellen Stand informieren.
Markus Leumann,
Fachstelle Weinbau Schaffhausen/Thurgau
