Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Die Srosophila suzukii, eine ernst zu nehmende Gefahr

Ausgabe Nummer 31 (2014)

Die Kirschessigfliege Drosophila suzukii ist momentan sehr aktiv und macht regional den Beeren- und Obstproduzenten das Leben schwer. Schweizweit konnte zum Teil massiver Befall bei Kirschen und Strauchbeeren festgestellt werden. Es wird aufgrund der raschen Generationenfolge mit zunehmendem Befall in den jetzt reifenden Kulturen gerechnet.

Situation bei den Beeren
Die Strauchbeeren bewegen sich momentan auf den Erntehöhepunkt zu. Damit werden sie auch für die Drosophila suzukii schmackhaft. Es besteht aufgrund des hohen Populationsdrucks aus den Kirschen ein hohes Risiko, dass auch Beerenkulturen befallen werden.

Wie kann ich den Befall verhindern?
Die zurzeit wirksamste Methode stellt die Einrichtung eines Massenfanggürtels um die Kulturen dar. Dabei werden im Abstand von drei Metern rund um die Parzelle Becherfallen aufgestellt. Damit soll der Einflug des Schädlings in die Kulturen verhindert werden. Um den Schädlingsdruck zu quantifizieren, müssen einzelne Fallen des Fanggürtels in das Monitoring mit einbezogen werden.
Innerhalb und ausserhalb (Waldrand, Nachbarkultur) der Kultur sollten zudem je zwei Monitoringfallen installiert sein. Diese sind wöchentlich zu kontrollieren.

Massnahmen bei akutem Befall
Wenn Sie Drosophila suzukii in der Kultur fangen oder Schäden an den Beeren feststellen, ist ein Massenfang auch in den Kulturen einzurichten. Informieren Sie uns zudem umgehend. Gerne leisten wir bei der Bekämpfung Unterstützung (Kontaktangaben im untenstehenden Kästchen). Beachten Sie ausserdem, dass der Insektizideinsatz gegen die Drosophila suzukii bei den Beeren nur mit einer Sondergenehmigung erlaubt ist.

Situation beim Steinobst
Bisher liegen beim Kanton mehrere Einzelbefallsmeldungen mit nesterweisem Befall (maximal 10 Prozent) von Kirschen vor. Bis jetzt konnte gravierender Befall im Thurgau verhindert werden. Die Befallsmeldungen aus dem Kanton Zürich und Luzern lassen jedoch aufhorchen. Gemäss Hagen Thoss, Fachstelle Obst am Strickhof, gibt es rund um den Zürichsee massive Schäden an Kirschen und Beerenkulturen (zum Teil mehr als 50 Prozent Madenbefall). Bereits sind erste Zwetschgen (Frühsorten) und Pflaumenkulturen betroffen. Auch im umliegenden Ausland (Deutschland: vom badischen Raum dem Bodensee entlang bis nach Bayern; Italien: Südtirol und Trentino) liegen Befallsmeldungen vor.

Wie kann Befall bei Kirschen verhindert werden?
Wichtig ist die frühzeitige Einnetzung mit installiertem Fallengürtel (Becherfallen alle drei Meter) in Kombination mit der Erntehygiene: kontinuierliches Beernten der pflückreifen Früchte, beziehungsweise sauberes/komplettes Abernten der Bäume. Ist die Kirschessigfliege einmal in der Kirschenanlage verbreitet, ist es mittels Massenfang (zirka eine Falle bei jedem zweiten Kirschbaum) kaum mehr möglich, den Befall zu reduzieren, weil die reifen Früchte gegenüber dem Lockstsoff einfach zu attraktiv sind. Die Massnahmen müssen deshalb frühzeitig (sofort nach dem ersten Auftreten der Fliege in der näheren Umgebung) umgesetzt werden.
Zusätzlich kann der Befall mit unterstützenden Pflanzenschutzmassnahmen gemäss Allgemeinverfügung des Bundes auf tiefem Niveau gehalten werden. Solche Behandlungen sind als Notmassnahmen im Obstbau bewilligt und führen nur bei tiefem Ausgangsruck zum entsprechenden Erfolg. Deshalb sind alle präventiven Massnahmen zuerst umzusetzen.

Bevorstehende Zwetschgenernte
Die Erkenntnisse aus den Kirschen sind wichtig für die bevorstehende Zwetschgensaison. Zwetschgen sind vielleicht für die Kirschessigfliege etwas weniger attraktiv, es ist jedoch durch die rasche Generationenfolge mit steigendem Befallsdruck zu rechnen. Wichtige Massnahmen für Zwetschgen
– Fanggürtel wenn noch nicht erfolgt sofort aufstellen (Becherfalle alle
   drei Meter aufstellen)
– Wenn ein Hagelnetz vorhanden ist, Zwetschgen zusätzlich seitlich
   einnetzen und mit Fanggürtel kombinieren
– Ernte gut organisieren (Personal planen), pflückreif ernten
– Mögliche Behandlung gem. Allgemeinverfügung des Bundes vom 31.
   März 2014 vorsehen: Audienz (Wirkstoff Spinosad) 0,02 %,
   beziehungsweise 0,32 l/ha (maximal zwei Anwendungen; Achtung
   Bienentox! Wartefrist eine Woche)

Unterstützung durch die kantonale Beratung
Der Bund stufte die Kirschessigflieg nicht als Quarantäneorganismus (wie etwa Feuerbrand) ein. Für die betroffenen Obstbauern gibt es daher im Schadenfall auch keine finanzielle Unterstützung. Die Drosophilla suzukii steht beim BBZ Arenenberg bei der Schädlingsüberwachung weiterhin ganz oben auf der Prioritätenliste. Seit 2012 besteht ein Monitoringnetz über den ganzen Kanton, welches wöchentlich ausgewertet wird. Die Berater sind in engem Kontakt mit den betroffenen Betrieben und unterstützen bei der Ergreifung von Sofortmassnahmen.
Zudem arbeitet der Kanton Thurgau zusammen mit Agroscope und den Nachbarländern intensiv an einem Interreg-IV-Projekt: «Neue Lösungsansätze zur Bekämpfung der Kirschessigfliege». Das BBZ betreut diverse Versuche bei den Produzenten. Diese Versuche zielen darauf ab, die Fangquoten durch ein optimales Lockmittel zu erhöhen, die Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel und die Totaleinnetzung mit Insektenschutznetzen zu überprüfen.


BBZ Arenenberg,
Reto Leumann und Florian Sandrini



















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