Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Digitalisierung in der Land- und Ernährungswirtschaft

Ausgabe Nummer 30 (2017)

Standpunkt Am 10. August 2017 lädt Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann interessierte Personen zu einem Workshop zum Thema «Digitalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft» an die HAFL in Zollikofen ein.

Die Digitalisierung ist an sich nichts Neues. Neu sind die Datenverarbeitungskapazitäten, die zunehmend leistungsfähiger und erschwinglicher geworden sind, und die gegenseitige Vernetzung dieser Daten. Was erwartet die Land- und Ernährungswirtschaft in Bezug auf die Digitalisierung?

Auf Betriebsstufe
Die Bäuerinnen und Bauern sind sich sehr bewusst, dass ein Teil ihrer Arbeit im Büro am Computer stattfindet. Dies ist Teil ihrer administrativen Tätigkeit und oft ein erheblicher Aufwand, den man verringern möchte. Die Digitalisierung sollte daher darauf abzielen, diesen Aufwand zu senken: mit einfachen, preisgünstigen und funktionellen Anwendungen, die beispielsweise zum Ziel haben, dass die eigenen Daten nur einmal erfasst werden müssen, oder – noch besser – durch eine in die Maschinen eingebaute Software automatisch erfasst werden. Die Bauernfamilien müssen die Herrschaft über ihre Daten behalten. Sie haben das Recht zu wissen, wozu die Daten gebraucht werden. Denn diese können persönliche Informationen enthalten, welche vertraulich sind. Sie müssen das Recht haben, ihre Einwilligung für die Nutzung ihrer Daten zu erteilen, und in der Lage sein, diese Einwilligung gegebenenfalls zu widerrufen, ohne dass sie Strafen oder Nachteile befürchten müssen. Sehr wichtig ist zudem, dass die Landwirte eine Gegenleistung für die erfassten Daten erhalten, beispielsweise in Form von Benchmarkings (Vergleiche mit den Durchschnittswerten), die sie bei ihren Entscheidungen und bei der Optimierung ihres Betriebsmanagements unterstützen.

Auf Stufe Land- und Ernährungswirtschaft
Die aggregierten Daten auf der Ebene Hunderter oder gar Tausender von Betrieben stellen – selbst in anonymisierter Form – einen strategischen Vorteil dar. Das gilt zum Beispiel im Bereich des Marktes. Es besteht ein Risiko, dass derjenige, der die Datenherrschaft innehat, eine beherrschende Stellung erlangt. Diese Stellung kann es ihm ermöglichen, auf Mengen und Preise zu spekulieren oder die landwirtschaftlichen Betriebe auf eine ausführende Rolle zu reduzieren. Trotzdem gilt es auf schweizweiter Ebene die Kräfte zu konzentrieren, denn es dürfte schwierig sein, mehrere Datenbankmanagementlösungen parallel wirtschaftlich tragfähig zu betreiben. Transparenz ist deshalb die beste Lösung: Dies indem zum Beispiel Open-Source- Datenbanken eingerichtet und eine Struktur mit mehreren Partnern geschaffen wird, von denen keiner die Mehrheit hat.
In diesem Sinne setzt sich der Schweizer Bauernverband in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedsorganisationen für die Wahrung der Interessen sowohl auf einzelbetrieblicher Ebene als auch auf der Ebene des Agrarsektors insgesamt ein. Die Digitalisierung birgt Risiken, aber auch Chancen für unsere Landwirtschaft mit sich. Unsere Herausforderung liegt darin, die Risiken zu minimieren und die Chancen zu maximieren.


Francis Egger
Mitglied der Geschäftsleitung des Schweizer Bauernverbands




« zurück zur Übersicht