Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Druck betreffend Pflanzenschutzmittel wächst

Ausgabe Nummer 36 (2014)

Die Güttinger Tagung übt unvermindert eine Anziehungskraft aus. Feuerbrand ist immer noch ein brandheisses Thema. Agroscope und das BBZ Arenenberg haben ihre Geschäftsbeziehung mittels Leistungsvereinbarung bis 31. Dezember 2014 geregelt.

«Wer mit Kernobst arbeitet, denkt oft an Feuerbrand. In diesem Jahr hat der Feuerbrand in der Deutschschweiz in mehreren Kantonen Kernobstanlagen befallen. Insgesamt sind die Schäden relativ gering, weil während der Hauptblütezeit keine mehrtägige hohe Blüteninfektionsgefahr bestand», eröffnete Jean-Philippe Mayor, Leiter für Pflanzen beim Institut für Pflanzenbauwissenschaften IPB, Agroscope, die diesjährige Güttinger-Tagung. Zudem sind Sanierungen erfolgt. Das teilweise flächige Auftreten mit geringem Befall zeugt jedoch davon, dass der Feuerbrand ein ständiger Begleiter bleibt. Ein Feuerbrand- Management gehört deshalb zum Tagesgeschäft, betonte Jean-Philippe Mayor. Er erklärte, dass aber nicht der Feuerbrand den Produzentinnen und Produzenten unter den Nägeln brenne. Klimaerwärmung und der globale Handel bringen immer neue Schädlinge und Krankheiten zu uns. Als Beispiele nannte Mayor die Walnussfruchtfliege, marmorierte Baumwanze, amerikanische Rebzikade (Überträger der Goldgelben Vergilbung) Edelkastaniengallwespe (Tessin), asiatische Laubholzbockkäfer in Holzpaletten, Kirschessigfliege (auf Importfrüchten oder Pflanzgut).

Enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Kanton
Wie Mayor weiter berichtete, haben das BBZ Arenenberg und Agroscope eine Leistungsvereinbarung mit einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2014 erstellt. Er freut sich, dass vor kurzem eine an die aktuellen Rahmenbedingungen angepasste neue Vereinbarung unterzeichnet wurde, um die Zusammenarbeit weiterzuführen und zu festigen. Das BBZ pflegt die Versuchs- und Demonstrationsparzellen auf dem ganzen Versuchsbetrieb. Damit findet in Güttingen eine einmalige Zusammenarbeit zwischen Kanton und Bund ihre Fortsetzung.

Pestizidrückstände in Gewässern rütteln Fachleute auf
Urs Müller, Leiter Fachstelle Obstbau Thurgau/ Schaffhausen am BBZ Arenenberg, erklärte, dass der Pflanzenschutz in diesem Jahr aufgrund einer grossangelegten Untersuchung in vier Schweizer Gewässern, darunter die Salmsacher Aach, unter Druck gerät. Pestizidrückstände in Gewässern rüttelten auch Fachleute auf, denn dieses Ausmass wurde nicht erwartet. Aber ohne Pflanzenschutz wäre die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln heute wohl kaum ausreichend möglich, erklärte Müller. Selbst im Bioanbau wurde in den letzten Jahren eher intensiviert als reduziert. Die Anforderungen an landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere auch bei Obst, Beeren und Gemüse, steigen immer mehr, gleichzeitig bleiben die Produzentenpreise stets unter Druck. Ein Produzent, welcher den Grossmarkt beliefern will, ist heute gezwungen, das hohe Anforderungsprofil an die Qualität zu erfüllen. Qualität bedeutet in diesem Sinn: frei von Schadorganismen, optisch einwandfrei, transport- und lagerfähig, gutes Shelflife und verkaufsoptimierte Verpackung.

Qualitätsgedanke muss Neu definiert werden
Die Branche hat noch viel Arbeit vor sich. IP oder Swiss Garantie ist heute Standard, genügt jedoch den neuen Anforderungen nicht mehr in allen Bereichen. Forschung, Beratung – auch in diese Richtung wird es in den nächsten Jahren weitergehen müssen. Es kann aber nicht sein, dass nur die Landwirtschaft Verbesserungen anstrebt. Der Qualitätsgedanke muss heute vielleicht neu definiert werden.
Forschung und Beratung sind über die Landesgrenzen hinaus mit einem neuen Interreg-Projektvorschlag bereit, noch mehr in diese Richtung zu gehen. Jeder Konsument muss sich heute aber auch als Privatperson fragen, ob im Kleinen nicht vieles zur Verbesserung der Umwelt getan werden könnte, denn im Wasser hat es viele Schadstoffe, welche nicht aus der Landwirtschaft stammen.


Mario Tosato







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