Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Drum prüfe, wer sich bindet - von Pflanzengemeinschaften

Ausgabe Nummer 27 (2016)

Beratungskräfte des BBZ Arenenberg und die IG Eiweissfutter aus einheimischen Leguminosen luden dazu ein, live am Feldrand Versuche mit Mischkultur-Anbau und Leguminosen- Saaten zu begutachten.

Zum internationalen Jahr der Hülsenfrüchte, zu dem die UNO aufrief, leistet auch das landwirtschaftliche Berufsbildungszentrum Arenenberg einen Beitrag mit Anbauversuchen. Waren Linsen, Bohnen, Erbsen und Co. lange eher als Armeleutessen abgestempelt, so hat man sie nun neu als Eiweiss- und Energielieferanten in der Ernährung von Mensch und Tier entdeckt. Sie können aber noch viel mehr. Knöllchenbakterien binden an ihren Wurzeln Stickstoff, welcher den Boden verbessert. Mittel- und Starkzehrer wie Getreide und Mais profitieren davon.

Arenenberger Leguminosentreff
Im Versuchsgarten des BBZ Arenenberg konnten die Teilnehmenden vom Leguminosentreff den Mischkultureneffekt von Eiweisserbsen und Gerste sehen. Die reine Erbsensaat liegt am Boden. Gemischt mit Gerste können sich die Erbsen an den Stängeln der Erbsen hochranken. Eine zweite Mischung ist Hafer mit Ackerbohnen (Saubohnen). Der Hafer fungiert als unkrautunterdrückendes Element und unterstützt so die Ackerbohnen.

Im Ribelland schon damals
«Schon vor hundert Jahren baute man im St. Galler Rheintal Mais und Bohnen zusammen an», erzählte Viktor Dubsky, Berater Acker- und Futterbau. Die Maissorten habe man seither kontinuierlich weiterentwickelt, die Bohnen nicht. KWS Schweiz habe nun eine Saatgutmischung gezüchtet, bei welcher Mais und Bohnen gleich grosse Körner entwickeln und zum gleichen Zeitpunkt reifen. Mit dem Anbau von Mais und Bohnen im Gemenge wird eine Erhöhung des Proteingehaltes erreicht. Die Versuche laufen mit den neuen Bohnensorten Annelino verde und Annelino giallo sowie dem Mais Gottardo. Im Versuchsfeld wurden abwechselnd Reihen mit Mais und Bohnen zeitgleich gesät, je sieben Pflanzen pro m2. Der Mais ist nun höher, aber wetterbedingt etwas verzögert gewachsen. Die Bohnen decken dazwischen den Boden und verhindern lichtkeimende Unkräuter am Aufkommen. Mit ihren Ranken suchen die Bohnenpflanzen die starken Maisstängel als Stütze. Schnecken und Erdschnacken wurden mit Chlorpyrifos bekämpft. Nun sollte die Kultur ohne chemische Mittel gedeihen: «Wir sind kein Bio- Betrieb auf dem Arenenberg. Grundsätzlich ist aber eine solche Mischkultur auch biotauglich», so Dubsky. Ganzpflanzig geerntet ergeben Mais und Bohnen ein protein- und energiereiches Futtermittel.

Eiweiss von der Wiese
Andy Vogel erklärte beim Versuchsfeld mit eingesätem Weissklee, Luzerne und Mattenklee die Ziele und Interessen der IG Eiweissfutter aus einheimischen Leguminosen. Diese habe von Anfang an die Versuche verfolgt und unterstützt. Man stelle aus Weissklee-Luzerne-Mischungen Pellets her und könne damit die Soja-Importe mindestens zum Teil ersetzen. Aus der IG wolle man im Lauf dieses Jahres einen strukturierten Verein zur Interessenvertretung gegenüber Handel und Verarbeitern, Qualitätssicherung durch Optimierung von Anbaumethoden und Saatgutmischungen, Know-how-Transfer zwischen den Produzenten und zur Koordination von Angebot und Nachfrage gründen. Im Moment ist auch ein einheitlicher Marktauftritt unter der Marke Swiss Green Protein in Vorbereitung.


Trudi Krieg



















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