Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Dezember 2019


Durchblick bei meinen Betriebsfinanzen

Ausgabe Nummer 43 (2019)

Um einen komplexen Landwirtschaftsbetrieb zu führen, aber auch um die nötigen Aufzeichnungspflichten zu erfüllen, braucht es eine Buchführung nach kaufmännischen Grundsätzen. Nur den Stand des Betriebskontos zu kennen, reicht nicht.

Verschiedene gesetzliche Vorgaben verlangen eine ordentliche Buchführung. Insbesondere das Steuerrecht von Bund und Kanton verlangt eine korrekt geführte Buchhaltung mit Bilanz und Erfolgsrechnung. Für kleinere Unternehmen unter 500 000 Franken Umsatz genügt grundsätzlich eine Aufzeichnungspflicht. Unternehmen mit einem Umsatz über 500 000 Franken unterstehen der Buchführungs- und Rechnungslegungspflicht.

Ein Kontroll- und Führungsinstrument
Buchführungspflicht bedeutet, eine vollständige, wahrheitsgetreue und systematische Erfassung der Geschäftsvorfälle und Sachverhalte. Dazu gehört ein Belegnachweis für die einzelnen Buchungsvorgänge. Als Buchungsbeleg gelten alle schriftlichen Aufzeichnungen auf Papier, in elektronischer oder vergleichbarer Form, die notwendig sind, um den einer Buchung zugrundeliegenden Geschäftsvorfall nachvollziehen zu können.
Zur Buchführung kommt die Rechnungslegung. Damit soll die wirtschaftliche Lage des Unternehmens dargestellt werden, sodass sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können. Die Rechnungslegung erfolgt in einem Geschäftsbericht. Dieser enthält die Jahresrechnung, die sich aus der Bilanz, der Erfolgsrechnung und dem Anhang zusammensetzt. Für grössere Unternehmen, Aktiengesellschaften und andere juristische Personen gibt es weitergehende Vorschriften. Die gängigen Buchhaltungsprogramme der landwirtschaftlichen Treuhandstellen erfüllen mit dem KMU-Kontenplan diese Anforderungen an die kaufmännische Rechnungslegung. Neben der «Pflichterfüllung» leistet der Buchhaltungsabschluss wertvolle Hilfe bei der Betriebsführung. Der einheitliche Kontenraster (KMUKontenplan) ermöglicht einen Vergleich der eigenen Buchhaltungszahlen mit anderen Betrieben innerhalb und sogar ausserhalb der Landwirtschaft. Im Rahmen des Kontenplans kann jeder Betrieb selber bestimmen, wie detailliert die Erträge und Aufwände geführt werden sollen. Mit Kostenstellen können zusätzliche Auswertungen für einzelne Betriebszweige gemacht werden.

Die Minimalvariante für kleine Betriebe
Aufzeichnungspflicht heisst, es muss lediglich über die Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage Buch geführt werden. Es müssen Aufzeichnungen über Aktiven, Passiven, Aufwendungen und Erträge sowie Privatentnahmen und -einlagen gemacht werden. Aufstellungen sind chronologisch fortlaufend geführte Aufschriebe über Geschäftsvorfälle, welche zeitnah, unmittelbar nach dem Vorfall, und damit aktuell festgehalten werden. Dazu sind die entsprechenden Belege (Rechnungen, Quittungen, Bankauszüge) aufzubewahren.
Ein Kassabuch hat verschiedenen Anforderungen zu entsprechen. Wichtig sind fortlaufende, lückenlose und zeitnahe Aufzeichnungen über Einnahmen- und Ausgaben. Es müssen Belege für sämtliche Ausgaben und Einnahmen vorhanden sein. Die Kasse ist regelmässig zu kontrollieren und über Kassenstürze zu saldieren. Ein nachträglich erstelltes Kassabuch erfüllt die Anforderung an eine zeitnahe Aufzeichnung nicht mehr, sodass es in der Regel zurückgewiesen werden muss.

Fazit: wenig Mehraufwand für die kaufmännische Buchführung
Egal ob «nur» die Aufzeichnungspflicht erfüllt werden soll oder ob eine kaufmännische Buchhaltung geführt wird. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, täglich die notwendigen Belege und Aufzeichnungen zu sammeln, zu ordnen und zu verarbeiten. Beim Verbuchen für eine kaufmännische Buchhaltung sind einige Zusatzinformationen mitzuerfassen. Dank der Unterstützung von Buchhaltungssoftware und weniger Kenntnisse über den Aufbau der Buchhaltung ist eine Verbuchung mit wenig Aufwand machbar. Die modernen Buchhaltungsprogramme ermöglichen es, mit der Zahlung gleichzeitig die Verbuchung zu definieren. So kann die Zahlung und Verbuchung in einem Arbeitsgang erledigt werden. Wer die Buchhaltung als Betriebsführungsinstrument nutzen will, ist auf einen zeitnahen Abschluss angewiesen. Wenn der Abschluss erst sechs oder mehr Monate nach Jahresende verfügbar ist, können die Erkenntnisse aus der Buchhaltung nur mit Verspätung umgesetzt werden. Deshalb macht es Sinn, die Buchungen laufend zu machen, sodass am Ende des Jahres nur noch die Abschlussarbeiten zu erledigen sind.


Text und Bilder:
Adrian von Grünigen, BBZ Arenenberg










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