Ausgabe Nummer 44 (2004)
Durchblick: Vollkostenrechnung oder Deckungsbeitrag?
| Kosten rechnen in der Milchproduktion | |||
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Durchblick: Vollkostenrechnung oder Deckungsbeitrag?
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| Mit der Aufhebung der Milchkontingentierung stehen die Thurgauer Milchproduzenten vor einer grossen Herausforderung, die es zu meistern gilt. Einfach nur «Kühe melken und füttern» ohne sich weitere Gedanken über den Betrieb zu machen, genügt hier nicht mehr. Um die eigene Milchproduktion in die richtigen Bahnen zu lenken und für den Betrieb die richtigen Massnahmen und Entscheidungen zu treffen, müssen die Leistungen und Kosten der Milchproduktion bekannt sein. In vielen Buchhaltungen wird der Deckungsbeitrag der Milchviehhaltung direkt ausgewiesen oder er muss zuerst noch selber berechnet werden. Gibt der Deckungsbeitrag genügend Auskunft über die Wirtschaftlichkeit sowie Stärken und Schwächen Ihrer Milchproduktion, oder ist eine Vollkostenrechnung nötig? | |||
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| Ziel: Planung oder Kontrolle? Alle Berechnungen basieren auf einer Frage: zum Beispiel finanzielle Folgen eines Stallumbaus, Umstellung auf Silowirtschaft ja/nein, welche Kosten belasten die Milchproduktion am stärksten, rentiert die Milchviehhaltung? Bei all diesen Fragen, die sich mit der Wirtschaftlichkeit eines Betriebszweiges befassen, sind stets alle relevanten Leistungen und Kosten mit einzubeziehen. Sollen die Rechnungen mit dem Deckungsbeitrag durchgeführt werden, oder ist eine Vollkostenrechnung notwendig? Die Frage kann so nicht beantwortet werden. Massgebend ist das Ziel der Berechnung: Planung oder Kontrolle. Bei der Planung wird vorab berechnet, ob eine geplante Massnahme zum Beispiel Stallumbau, Anschaffung eines Futtermischwagens finanzielle Vorteile bringt. Das Ergebnis hilft dem Betriebsleiter, eine Entscheidung zu fällen. Ist das Ziel einer Berechnung, zum Beispiel eine Investition in den Stall zu planen, so wird der Deckungsbeitrag (DB) verwendet. Die ganze Aufstellung wird so weit ergänzt, wie der Stallumbau das finanzielle Ergebnis beeinflusst, zum Beispiel zusätzliche Schuldzinsen und Abschreibungen, die dem Betriebsleiter aus dem Stallumbau erwachsen. Die fremden und eigenen Strukturkosten, die durch den Stallumbau nicht verändert werden, werden nicht berücksichtigt. Ein einfaches Hilfsmittel, um die finanziellen Auswirkungen einer Investition festzustellen, ist das Teilbudget. Eine früher häufig verwendete Zahl ist der Direktkostenfreie Ertrag (DfE). Sie ist eine sinnvolle Zwischengrösse, um Betriebsvergleiche zu ermöglichen, wenn nur eine begrenzte Anzahl an Daten zur Verfügung steht. Hierbei kann jedoch nur die Produktionstechnik verglichen werden; ein Vergleich der gesamten Milchviehhaltung ist nicht möglich. Aber wie beim Deckungsbeitrag sind auch hier die Kosten, welche die Strukturen wie Maschinen und Gebäude verursachen, nicht inbegriffen. So sind zum Beispiel die Kosten eines Futtermischwagens oder des Stallumbaus nicht im DB oder DfE Milchvieh eingerechnet. Zudem ist die Vergleichsgrösse pro GVE angegeben, welche die produzierte Milchmenge das Produkt, das wirklich verkauft wird ausser Acht lässt. So geben der DB und der DfE keine Auskunft für die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung. Sind Kontrolle und Vergleich das Ziel einer Berechnung, so wird die Vollkostenrechnung verwendet. Diese Rechnung dient der Kontrolle und Schwachstellenanalyse eines vergangenen Jahres. Sie hinterfragt die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung. Bei der Vollkostenrechnung werden die Leistungen und Kosten der Milchviehhaltung nach dem Verursacherprinzip zugeordnet. Die eigenen und fremden Strukturkosten werden nach einem zuvor vereinbarten Schlüssel verteilt. Das heisst, die Kosten des Milchviehstalles werden vollumfänglich der Milchproduktion angelastet; die Kosten des Schweinestalles werden der Schweinehaltung zugeordnet. Zudem werden die eingesetzten Faktoren wie eigene Arbeit und Eigenkapital, die der Milchviehhaltung zur Verfügung gestellt wurden, entschädigt. Dies ist ein wichtiger Unterschied zum Deckungsbeitrag, wo nur die direkten und variablen Kosten miteinbezogen werden (zum Beispiel Kraftfutter, Tierarzt). Bei der Vollkostenrechnung ist der Ist-Soll-Vergleich ein sehr wichtiges Instrument. Verglichen wird mit den Werten aus der Vergangenheit, mit den Planzahlen des Betriebes oder vor allem mit Werten anderer Milchviehbetriebe. Dies ermöglicht dem Betriebsleiter, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und Anpassungen vorzunehmen. Nur die Vollkostenrechnung ermöglicht, Betriebe mit verschiedenen Betriebsgrössen, Rechtsformen (zum Beispiel THG) oder Arbeitssituationen aussagekräftig miteinander zu vergleichen. Mit dem Deckungsbeitrag ist dieser Vergleich nur sehr eingeschränkt möglich. «Mach es selber und leite Handlungen daraus ab» ist das Motto und der Hauptnutzen der Vollkostenrechnung. Sie als Betriebsleiter setzen sich beim Erfassen der Daten intensiv mit ihren wirtschaftlichen und produktionstechnischen Daten auseinander und vergleichen diese mit Durchschnittsdaten vergleichbarer Betriebe. Automatisch steht die Frage im Zentrum: Wie sehen die Daten der Besten aus, und welche Wege gibt es, so wie diese zu werden? Wer seinen Landwirtschaftsbetrieb optimieren will, braucht verlässliche Daten. In der Regel ist das die Buchhaltung. Wer wissen will, welche Betriebszweige wirklich rentieren und welche nicht, dem reicht die Buchhaltung nicht. Hier setzt die Vollkostenrechnung an. Zu wissen, wo die grössten Kosten verursacht werden, ist eine wichtige Information, die hilft, den Betrieb zu optimieren und gegebenenfalls strategisch neu auszurichten. Der neuseeländische Milchviehhalter Eric Fowler antwortete einem deutschen Arbeitskreis Milchvieh auf die Frage nach seiner Unternehmensphilosophie: Diese basiere auf drei Grundregeln: 1. Gib nicht zu viel Geld für Maschinen und Ausrüstung aus! 2. Beherrsche deine (Unternehmens-) Zahlen! 3. Erlange Kontrolle über den Markt! Sie sind ein professioneller Milchproduzent! Nutzen auch Sie das Controllinginstrument Vollkostenrechnung Milch und kontrollieren und beherrschen Sie Ihre Milchproduktion! Jenifer van der Maas, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, LBBZ Arenenberg |
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