Ausgabe Nummer 14 (2006)
Düngung bei Chicoréewurzelproduktion
Teil 1 (1/2): Erfahrungen aus einem Gemeinschaftsprojekt
Düngung bei Chicoréewurzelproduktion
Bei der Chicoréewurzelproduktion kann eine Unterversorgung mit Phosphor oder Kali zu empfindlichen Ertragsausfällen führen. Das Schlüsselelement ist dabei eindeutig Kali. Die Stickstoffdüngung erfordert Fingerspitzengefühl und dem Kulturzustand angemessene Gaben im richtigen Zeitpunkt.
Die Chicoréekultur hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem wichtigen Standbein der Ostschweizer Gemüseproduktion entwickelt. Für den Erfolg in der Chicoréeproduktion sind nicht nur auf der Stufe des Treibbetriebes, sondern auch im Wurzelanbau viel Fachwissen und eine sorgfältige Kulturführung Grundvoraussetzung. Auf dem Feld wird eine möglichst hohe Anzahl an gesunden Wurzeln angestrebt, die sich aufgrund ihres Durchmessers und ihres Gehaltes an Reservestoffen zum Treiben eignen. Eine mangelhafte Wurzelqualität führt im Treibbetrieb zu einem hohen Anteil an Zapfen, welche in qualitativer Hinsicht die Anforderungen des Marktes nicht erfüllen. Die in den vergangenen Jahren in der Ostschweiz durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass die Düngung einen grossen Einfluss auf die Qualität der Wurzeln und den Kulturerfolg in der Treiberei hat.
Spurenelemente für optimale Erträge
Auf einer Versuchsparzelle in Ellighausen wurden im Jahre 2004 diverse Steigerungsversuche zur Düngung bei der Chicorée-Wurzelproduktion angelegt. Diese Feldversuche sollten Aufschluss geben, ob die aktuellen Düngungsnormen für die Hauptnährstoffe Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg) den Bedarf von Chicorée optimal decken. Zur Erzielung optimaler Erträge muss grundsätzlich auch für eine optimale Versorgung mit Spurenelementen gesorgt werden. Dabei spielt Mangan (Mn), das besonders in kalkhaltigen Böden mit einem pH-Wert im neutralen bis basischen Bereich schlecht pflanzenverfügbar ist, eine entscheidende Rolle. Bemerkenswerterweise traten Mangan-Mängel in den letzten Jahren häufiger und verstärkt auf und führten auch zu Ausfällen.
Verzögertes Auflaufen bei P-Unterversorgung
Beim P-Steigerungsversuch führte eine Düngung unterhalb der bestehenden Norm von 40 kg/ha P2 O5 zu einem zeitlich verzögerten Feldaufgang und letztlich zu einer leicht verminderten Pflanzendichte. Die P-Düngung hatte jedoch zumindest auf dem Boden des Versuchsstandortes mit der Versorgungsstufe «mässig» bis «genügend» (Stufe B bis C) keinen Einfluss auf die weitere Kulturentwicklung und das Treibergebnis. Magnesium war am Standort Ellighausen im Boden reichlich vorhanden (Vorrat, Stufe D) und hatte keinen nachweisbaren Einfluss auf die Entwicklung der Chicoréekultur und den Treiberfolg. Auf Böden mit einer mittleren bis eher schwachen Mg-Verfügbarkeit ist dennoch die aktuelle Düngungsnorm von 30 kg/ha Mg einzusetzen. Unabhängig von der Mg-Versorgung im Boden können Blattbehandlungen mit Magnesiumsulfat (Bittersalz) die Vitalität und Leistungsfähigkeit des Chicoréelaubes erhöhen und so zur Verbesserung der Wurzelqualität beitragen. Bittersalz wird hierbei bereits ab 15 cm Blattlänge eingesetzt, am besten bei bewölktem oder regnerischem Wetter, zur Vermeidung von Blattverbrennungen, aber nie vor sehr sonnigem Wetter.
Auf die Kali-Versorgung kommt es an
Chicoréewurzeln enthalten beachtliche Reserven an Kalium, das bei der Zapfenbildung eine entscheidende Rolle spielt. Im Versuch auf einem mittelschweren Boden mit mässiger K-Verfügbarkeit (Stufe B) führte eine zurückhaltende K-Düngung vermehrt zu Pflanzenausfällen durch Erwinia-Bakterienfäule und Sklerotinia. Wo kein Kalium verabreicht wurde, mussten 4 Wochen nach der Einlagerung erneut 31 Prozent faule Wurzeln aussortiert werden. In Versuchsparzellen hingegen, die mit der aktuellen Düngungsnorm von 150 kg/ha K 2O versorgt wurden, trat keine Fäulnisbildung an den Wurzeln auf. In der Chicoréetreiberei führten K-Stufen unter 150 kg/ha K 2O zu einem hohen Anteil an zu wenig kompakten, offenen Zapfen und damit zu erheblichen Ertragseinbussen.
Bei der Festlegung der zu verabreichenden K-Gabe muss die Versorgungsstufe des Bodens miteinbezogen werden. Auf Böden mit einer mässigen bis armen K-Verfügbarkeit (Stufen B und A) ist bei der Berechnung der K-Düngung eine Erhöhung der K-Norm von 150 kg/ha K 2O um zusätzliche 30 bis 50 Prozent angebracht, wobei dann auch die Magnesium-Gaben angemessen zu erhöhen sind (K-/Mg-Antagonismus). Insbesondere in Chicoréebeständen mit einer hohen Pflanzenzahl kann sich eine Aufteilung der gesamthaft benötigten K-Menge bzw. die Verabreichung eines Teils als Kopfgabe positiv auf die Wurzel- und Zapfenqualität auswirken. Sorten zur späten Treiberei beziehungsweise Überlagerung wie Vintor haben dabei einen höheren K-Bedarf als Frühsorten (zum Beispiel Atlas).

Eine Kali-Unterversorgung in der Chicoréewurzelproduktion führt bald
einmal zu Qualitäts- und Ertragseinbussen. Bei einem «genügend»
K-versorgten Boden (Stufe C) ist für die Produktion von Qualitätswurzeln
die aktuelle Norm von 150 kg/ha K2O angemessen. (zVg)
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N-Düngung erfordert Fingerspitzengefühl
Hinsichtlich der Stickstoffdüngung stehen nach wie vor einige Fragen offen, und entsprechende Untersuchungen sind noch im Gange. Hohe Nmin-Gehalte im Spätsommer verzögern das Ausreifen der Wurzeln, erhöhen das Fäulnisrisiko und in der Treiberei den Anteil an lockeren Zapfen. Grundsätzlich ist bei der N-Düngung eher Zurückhaltung angebracht. Da Chicorée auf eine laufende N-Zufuhr angewiesen ist, wird Stickstoff in mehreren kleinen Kopfgaben verabreicht. Für die N-Kopfdüngungen gut geeignet ist Kalksalpeter. Dafür weniger empfehlenswert sind Kalkammonsalpeter oder Ammonsalpeter, da sie oftmals Blattverbrennungen verursachen, was insbesondere bei grösseren Kulturstadien zu Fäulnis führen kann. Als N-Grunddünger kann Kalkammonsalpeter (mit Mg oder Bor) jedoch gut eingesetzt werden.
Bei Spätsorten wie Vintor, die unter anderem für eine Überlagerung bis im folgenden Sommer und Herbst bestimmt sind, muss Stickstoff etwas grosszügiger eingesetzt werden. Nmin-Bodenproben können wichtige Hinweise zur momentanen N-Versorgung der Kultur liefern. Im Übrigen muss die Feinbemessung der N-Düngung in erster Linie unter Berücksichtigung des Kulturzustandes erfolgen. Urban Dörig, Anbauberater der Firma Gamper Chicorée, Stettfurt, stellt den Produzenten von Chicoréewurzeln bei der Festlegung einer kulturangepassten Düngungsstrategie gerne seine Fachkenntnisse zur Verfügung.
