Ausgabe Nummer 8 (2005)

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Düngung im Futterbau

Schwerpunkt: Düngerausbringung generell
 
Düngung im Futterbau
 
Bei fachgerechter Düngung der Wiesen stimmen Ertrag, botanische Zusammensetzung und Futterqualität mit unseren Erwartungen überein. 
 
Im Futterbaubetrieb mit Vollgülleproduktion ist der Nährstoffumlauf: Boden - Pflanze - Tier - Gülle - Boden sehr rasch, und zu 80 – 95% erscheinen die Pflanzennährstoffe im Futter wieder in den Hofdüngern. Damit bei den häufigen Düngergaben die Nährstoffe ungefähr gleichmässig auf den Parzellen des Betriebes verteilt werden, ist eine gewisse Kontrolle der Düngung sinnvoll, dazu dienen Nährstoffbilanz, Bodenanalysen, Heuanalysen (optimale Gehalte etwa: 6 g Ca, 3,5 g P, 25-30 g K, 2 g Mg) sowie das Wiesenjournal.

Kalkdüngung
Der Kalkzustand des Bodens wird durch das Muttergestein und die Niederschlagsverhältnisse beeinflusst. Der Calcium-Entzug durch die Pflanzen wird grösstenteils durch den Calcium-Gehalt der Ernterückstände und der Hof- und Mineraldünger ausgeglichen, ohne den Kalkhaushalt (pH-Wert, Basensättigung) stark zu beeinflussen. Saure Böden müssen deshalb gezielt aufgekalkt werden. Dabei gilt folgende Tabelle (GRUDAF 2001):



Diese Gaben reichen normalerweise für ein paar Jahre. Im Futterbau sind pH-Werte im schwach-sauren Bereich (pH 6.2 bis 6.9) günstig. Dolomitkalk ist wegen seines Magnesiumgehalts zu bevorzugen. Kalkdüngungen auf Naturwiesen sind in der Vegetationsruhe vorzunehmen.

Düngung mit Phosphor, Kali, Magnesium
Bei diesen Nährstoffen gelten die Düngungsnormen, welche sich nach dem möglichen Ertrag und der Nutzungsintensität richten. Eine intensiv bewirtschaftete Wiese braucht pro 100 dt TS Ertrag 80 kg Phosphat, 240 kg Kali und 30 kg Magnesium. Der Jahresbedarf muss nicht auf die einzelnen Gaben aufgeteilt werden, im Gegensatz zum Stickstoff. Mit periodischen Bodenanalysen und Düngungsaufzeichnungen versucht man die Bodenwerte längerfristig im Versorgungszustand «genügend = C» zu halten.
Die botanische Zusammensetzung einer Naturwiese wird durch Phosphor-, Kali-,  Magnesium- oder Kalkdüngung nur positiv beeinflusst, wenn der Bodenvorrat an den betreffenden Nährstoffen arm ist. Generell werden durch Phosphor und Kali die Kleearten gefördert, wenn die Stickstoffdüngung massvoll ist. Eine gute P- und Mg-Versorgung der Böden wirkt sich positiv auf den Phosphor- und Magnesium-Gehalt des Futters aus.
Bei Kali-Überdüngung sind die K-Gehalte im Futter zu hoch und die Mg-, Ca- und Na-Gehalte zu tief. Bei mehr als 35 g K pro kg TS können bei Milchkühen Stoffwechselstörungen wie erhöhte Anfälligkeit auf Milchfieber (wegen gestörtem Ca-Stoffwechsel), Mg-Mangel (wegen reduzierter Mg-Absorption), Verzehrsrückgang, verminderte Milchleistung sowie Fruchtbarkeitsstörungen auftreten. Einmal bei der Dürrfutteranalyse auch den K-Gehalt bestimmen ist also sinnvoll.
Bei P- und/oder K-Anreicherung im Boden (Versorgungsklassen D, E) sollten die Hofdünger unter Berücksichtigung der Bodenvorräte auf alle Parzellen verteilt werden, und die Zufuhr von betriebsfremden Düngermitteln ist möglichst zu begrenzen.

Düngung mit Stickstoff
Durch Stickstoffdüngung lässt sich der Ertrag bei guter PK-Versorgung am meisten steigern. Gefördert werden vor allem die Gräser, aber auch die Dünger liebenden Kräuter, während die Kleearten zurückgedrängt werden. Andererseits hat der Leguminosenanteil eine Stickstoffwirkung auf den Gesamtbestand und hilft somit N-Dünger sparen. In Naturwiesen und Gras-Weisskleemischungen, wo ein Weiss-kleeanteil von 15–25% bzw. 25–40% angestrebt wird, soll mit der Nutzungsweise und der Stickstoffdüngung der Bestand gelenkt werden: Weissklee-Förderung durch frühere Nutzung und weniger N-Düngung, Weissklee-Hemmung durch spätere Nutzung und verstärkte N-Düngung. Mattenklee- und Luzernemischungen brauchen keinen Stickstoff, solange die Kleearten vorherrschen.
Ausgewogene Bestände mit Weissklee brauchen pro Nutzung etwa 30 kg N/ha, dies entspricht etwa 20–25 m3 verdünnter Gülle oder 110 kg/ha Ammonsalpeter oder 65 kg/ha Harnstoff. 50 kg N/ha pro Aufwuchs sollten auch bei gräserreichen Beständen nicht überschritten werden. Regelmässige, etwa gleichstarke N-Gaben zu jedem Aufwuchs ergeben gleichmässigere Erträge über die ganze Vegetationsperiode und einen weniger schwankenden Kleeanteil. Die erste Stickstoffgabe im Jahr ist frühzeitig zu geben. Auf ungünstigen Standorten (trocken, nass, schattig, rau), wo die intensiv düngbaren Raigräser schlecht gedeihen, darf nur zurückhaltend mit Stickstoff gedüngt werden.
Stickstoff-Überversorgung wirkt sich negativ aus: Die Gehalte an verdaulicher organischer Substanz nehmen ab. Das Futter hat einen zu hohen Nitratgehalt, welcher den Stoffwechsel der Tiere belastet. Der Klee geht zurück und die Gefahr der Verunkrautung mit Blacken, Kriechendem Hahnenfuss, Quecke, Gemeinem Rispengras, Fadenförmigem Ehrenpreis, Ausläufer-Straussgras, Hühnerdarm, Hirtentäschelkraut, Doldenblütler, Löwenzahn nimmt zu.

Stickstoffdüngung unter ÖLN-Bedingungen
Die N-Menge ist pro Betrieb beschränkt, deshalb ist die Verteilung zu den einzelnen Kulturen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorzunehmen. Die vorhandenen N-Dünger sollen bevorzugt auf den produktivsten, intensiv nutzbaren Flächen nach Bedarf und Wirtschaftlichkeit eingesetzt werden. Bei Naturwiesen und Gras-Weissklee-Mischungen ist ein genügender Weisskleeanteil anzustreben. Im Kunstfutterbau sind auch kleereiche Mattenklee- und Luzernemischungen einzusetzen, welche wenig Stickstoff brauchen. Die Nährstoffbilanz für einen Milchwirtschaftsbetrieb lässt pro Hektare Hauptfutterfläche eine Stickstoffzufuhr von etwa 30 kg N zu. Wenn geweidet wird, steigt dieser Wert auf maximal etwa 70 kg N bei Vollweide. Diese erfordert einen gezielten, möglichst verlustarmen Einsatz der eigenen Hofdünger und des zugeführten Düngers. Damit wird auch die Umwelt geschont.

Wirtschaftlichkeit der Stickstoffdüngung
Auf gräserreichen Wiesen kann mit einem Mehrertrag von 10 bis 25 kg TS Gras pro Kilogramm gedüngtem Stickstoff gerechnet werden, was 9 bis 23 kg Gerste entspricht, bei Düngungskosten pro kg N von etwa 3 Fr. Eine Stickstoffdüngung auf Wiesen bei günstigen Wachstumsbedingungen ist also sehr wirtschaftlich.

Hinweise zur Düngungspraxis
Gülle ist soweit als möglich während der Vegetationszeit einzusetzen. Die erste Gabe im Frühling ist frühzeitig zu geben, der letzte Aufwuchs im Herbst ist nicht zu vernachlässigen, und nach dem letzten Schnitt sind höchstens noch kleine Mengen pro Hektare auszubringen.
Wasser bindet Ammoniak und andere stinkende Gase sehr stark. Deshalb sollte Gülle mindestens im Sommer so weit verdünnt werden, dass der Gehalt an Ammonium-N zwischen 1,0 und 1,5 kg N/m3 liegt. Der N-Gehalt kann mit dem bekannten Messgerät «Gülle-Max» gemessen werden. Besonders bei Schweinegülle ist auf eine genügende Verdünnung zu achten.
Gülle sollte man möglichst nur an Tagen mit kühl-feuchter Witterung ausbringen, im Sommer besser am späteren Nachmittag oder Abend statt am Morgen. Während 12 Stunden nach dem Ausbringen sollte die durchschnittliche Temperatur nicht über 15º C betragen, dann halten sich die Ammoniakverluste in Grenzen. Gülleausbringung bei Hitze und Wind ist zu vermeiden. Schleppschlauchverteiler anstelle von Breitverteilern, am besten überbetrieblich eingesetzt, sind zu empfehlen.
 
LBBZ Arenenberg Fachstelle Pflanzenbau und Düngung Bernhard Kraft
 
Beispiel für die Düngung einer guten Thurgauer Wiese
Eine Kombination von Rinder- und Schweinegülle etwa im Verhältnis 3 bis 4 zu 1
ergibt eine ausgewogene Düngung. Die unten stehende Berechnung bezieht sich auf eine Hektare.

 
 
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