Ausgabe Nummer 25 (2003)
Ebermast ist eine Lösung, aber..............
| Alternativen zum Kastrieren von Ferkeln | |||
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| «Stoppt diese Sauerei», titelte der «Blick» letzte Woche. Gemeint war die Kastration der männlichen Ferkel ohne Betäubung. Der Schweizer Tierschutz (STS) hat das mit Emotionen beladene Thema im Hinblick auf seine Tierschutzinitiative wieder aufs mediale Tapet gebracht. Dabei sind sich auch die Produzenten im Grundsatz einig, dass eine Alternative zur jetzigen Praxis gefunden werden muss, wie beispielsweise die Ebermast. Doch noch sind nicht alle Fragen geklärt. | |||
| «Kein Züchter hängt an der Kastration», sagt Hanspeter Keller aus Roggwil. Der Ingenieur-Agronom führt einen Kernzuchtbetrieb mit 100 Muttersauen und ist als Vertreter der Schweinebranche Mitglied der Kommission Viehwirtschaft des Thurgauer Bauernverbandes. «Das Kastrieren der männlichen Ferkel ist gar keine angenehme Arbeit. Eine Lösung, die im Sinne von Produzenten und Konsumenten liegt, ist daher mehr als wünschenswert», weiss Keller. Mit ihrer Medienkampagne letzte Woche hat der Schweizer Tierschutz (STS) das nicht neue Thema Ferkelkastration zurück in die Schlagzeilen geholt. Und hat damit den Druck auf die Produzenten erhöht, aus der umstrittenen Praxis so rasch wie möglich auszusteigen. Dabei läuft die Suche nach Alternativen, auch unterstützt durch den Branchenverband Suisseporcs, bereits seit gut zwei Jahren auf verschiedenen Ebenen. «Dass nichts geht, stimmt nicht», wehrt sich Keller für die Schweineproduzenten. Geprüft werden zwei Kastrationsvarianten mit Betäubung, die Immunokastration sowie die Ebermast. Nicht alles ist brauchbar Für die Branche gilt dabei berechtigterweise «Gut Ding will Weile haben.» Dazu Hans Milz aus Bissegg, Präsident der Suisseporcs-Sektion Ostschweiz: «Alle Varianten müssen sehr gut untersucht werden. Alternativen können nicht einfach von heute auf morgen gefunden werden.» Hanspeter Keller beurteilt die Alternativen unterschiedlich: Die Verfahren mit Narkose seien für ihn schlicht nicht praktikabel und klar zu teuer. Die Immunokastration, bei der die jungen Eber gegen Geschlechtsreife geimpft werden, steckt laut Keller noch in den Kinderschuhen. Zudem sei das Verfahren «sehr schwer zu kommunizieren», wie Hans Milz meint. Noch viele Fragezeichen Tatsächlich ist die Mast von männlichen, nicht kastrierten Tieren die bevorzugte Alternative, wie der neue Suisseporcs-Präsident Peter Hofer letzte Woche im «Schweizer Bauer» unterstrich. Doch die Ebermast ist noch mit zu vielen Fragezeichen behaftet, als dass eine Umstellung rasch erfolgen könnte. Grundsätzliches Problem: Fleisch von Ebern kann übel riechen, sobald die Tiere geschlechtsreif werden. Jüngste Studien der Migros hätten gezeigt, dass zwischen 5 und 10 Prozent der geschlachteten Eber durchfallen würden, weiss Hans Milz. «Das bedeut pro Jahr gegen 270 000 betroffene Tiere. Was geschieht mit diesem Fleisch?», fragt sich Milz. Bisher wurde das Eberfleisch mit einer Kochprobe getestet. Mit Hilfe einer «elektronischen Spürnase» soll schlecht riechendes Eberfleisch künftig rationell und sicher im Schlachthof erkannt werden. Die Suisseporcs unterstützt ein dazu laufendes Forschungsprojekt finanziell. «Es darf unter keinen Umständen schlechtes Eberfleisch in den Konsum gelangen», sind sich Keller und Milz einig. Denn damit droht, was die Produzenten am meisten fürchten: Sie kämen rufmässig vom Regen in die Traufe. «Wer einmal stinkendes Eberfleisch erwischt hat, wird wohl so schnell kein Schweinefleisch mehr essen», warnen sie. Auch Zucht ist gefordert Nach Meinung der beiden Züchter ist es daher nicht damit getan, schlechtes Eberfleisch aus der Verarbeitung auszusondern, auch Haltung und Zucht müssen auf die Ebermast ausgerichtet werden. «Wir müssen wissen, warum einige Eber stinken und andere nicht, und dann die Züchtung darauf ausrichten», sagt Hans Milz. Doch dazu brauche es noch viel Forschungsarbeit. «Es ist wichtig, dass wir an dem Thema dran bleiben», sagt Hanspeter Keller. Er habe aber Mühe damit, wenn in diesem Bereich ein Termin gesetzt werden soll. «Forschung braucht ihre Zeit.» Und allein auf die Erfahrungen aus dem Ausland (siehe Kasten) könne man sich nicht abstützen. (hil) |
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