Ausgabe Nummer 5 (2004)

zurück zur Übersicht

Ein bunter Strauss an Themen

Thuro-Tagung in Zihlschlacht

 

Ein bunter Strauss an Themen

 
In der voll besetzten Zihlschlachter Mehrzweckhalle durfte Thuro-Präsident Edwin Huber Mitte Monat eine Reihe von Referenten zu aktuellen obstbaulichen Themen begrüssen. Huber ortete nebst einigen Wolken und Wölkchen auch Morgenröte am Obstbauhimmel.
 
Die Arbeitsgemeinschaft Thurgauer Obstbauer (Thuro) lädt immer Anfang Jahr zu einer umfangreichen obstbaulichen Fachtagung. Diese stiess auch am vorletzten Freitag auf reges Interesse, war doch die Zihlschlachter Mehrweckhalle bis auf den letzten Platz besetzt. Thuro-Präsident Edwin Huber ortete in seiner kurzen Begrüssung eine Morgenröte am nicht ganz ungetrübten Himmel des Thurgauer Erwerbsobstbaues. Huber eröffnete sodann den Reigen an obstbaulichen Fachvorträgen. Gleich zu einigen Diskussionen Anlass bot das Thema «Grünstreifen». Bereits im vergangenen Jahr kam es an der Thuro-Tagung diesbezüglich zu regen Wortmeldungen und zur Verabschiedung einer Resolution. Im Verlaufe des Jahres 2003 hatte sich Thuro nun des Themas angenommen und versucht, beim Bundesamt für Landwirtschaft in begründeten Fällen eine Ausnahme von der 50-cm-Regel zu erwirken. Leider ohne Erfolg, wie Thuro-Präsident Huber bedauerte, obwohl es im Thurgau effektiv nur 30 problematische Fälle gibt. Zwei Vertreter des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) erklärten den Tagungsteilnehmern die Haltung des Bundes. Es könnten aus Gründen der Rechtsgleichheit keine Ausnahmen gewährt werden, hielten die beiden fest. Diese 50 Zentimeter breiten Grünstreifen entlang von Strassen und Wegen seien laut Stoffverordnung bereits seit Mitte der 1980er-Jahre vorgeschrieben, und damit gewiss nichts Neues. Die Grünstreifen hätten nachgewiesenermassen eine Filterfunktion und verhinderten, dass Pestizide abgeschwemmt würden. Diese Grünstreifen seien Teil des ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) und würden entgeltet, sagten die Vertreter des BLW. In der Folge entspann sich eine intensive Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Vorschriften, die von Praktikern im Saal weiterhin kritisiert wurden. «Solche Vorschriften vergällen unseren Jungen den Einstieg in den Obstbau», war etwa zu hören.

Obstproduzenten befürchten, dass es zu einer Verarmung bei den Wirkstoffen für den Pflanzenschutz kommt. (hil)

Probleme mit Resistenzen
Heiri Höhn von der Forschungsanstalt Wädenswil und Urs Müller vom LBBZ Arenenberg erinnerten die Zuhörerschaft an die Gefahr von Resistenzbildung einzelner Schädlinge gegen Insektizide. Forschungergebnisse aus der Westschweiz weisen besonders beim gefürchteten Apfelwickler (Obstmade) teilweise ausgeprägte Resistenzen gegen eine breite Palette an Wirkstoffen auf (siehe auch «Thurgauer Bauer», 16. Januar 2004). «Wenn Behandlungen mit altbewährten Mitteln plötzlich versagen, ist höchstwahrscheinlich Resistenbildung im Spiel», warnen die Experten. Um Resistenzen zu vermeiden, sind unnötige Behandlungen zu vermeiden, die Wirkstoffe nach Möglichkeit zu wechseln und Aufwandmenge und Zeitpunkt der Behandlung möglichst genau zu wählen. Zudem sollten Alternativen wie die Behandlung mit Granulose-Viren oder die Verwirrungstechnik ins Auge gefasst werden. Urs Müller vom LBBZ Arenenberg entkräftete an dieser Stelle auch das Gerücht, wonach die Schäden beim Tafelobst vom Kleinen Fruchtwickler und nicht vom Apfelwickler stammen sollen. «Dieses Gerücht stimmt nicht. Die Apfelwicklerlarve verursacht die Hauptschäden», hielt Müller fest.

Was bringen Harnstoff-Blattdüngungen?
Obstbauexperte Thilo Stockert aus Unkel (Deutschland) berichtete den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über seine Erfahrung mit Harnstoff-Blattdüngung im Obstbau. Er hatte in einer Forschungsarbeit untersucht, wie mit der Blattdüngung um die Erntezeit die Bildung von Blüten und Früchten für die nächste Saison beeinflusst werden kann. Da vor, während und nach der Ernte in den Blütenknospen ein starkes Wachstum stattfände, müsse eine Düngung übers Blatt in diesem Zeitpunkt ansetzen, hielt Stockert fest. «Die Blütenknospen entwickeln sich nach einer Blattdüngung bis in den Winter hinein weiter.» Die Einflüsse einer Harnstoff-Blattdüngung um die Erntezeit sei aber je nach eingesetztem Mittel und je nach Sorte unterschiedlich, entsprechend müsse auch der Zeitpunkt der Behandlung gewählt werden. Stockert erwähnte zudem, dass auch ein Sommerschnitt die Blütenbildung der nächsten Saison positiv beeinflusse.

Verarmt die Pflanzenschutzpalette?
Nach einem Vortrag von Jörg Schwarz von der Schweizerischen Hagelversicherung über die speziellen Dienstleistungen für den Obstbau, erklärte Norbert Locher von der Firma Syngenta, wie neue Pflanzenschutzwirkstoffe in der Schweiz und in der EU registriert werden. Seit 1993 erfolgt die Zulassung der Wirkstoffe in der Europäischen Union «harmonisiert», das heisst, es braucht für alle EU-Länder noch eine Anerkennung. Um auf die massgebende EU-Liste der zugelassenen Wirkstoffe zu gelangen, reichen die Firmen Dossiers von 30 000 bis 50 000 Seiten Umfang ein. «Noch die Zusammenfassung bringt es auf 2000 Seiten», meinte Norbert Locher. Seit der Harmonisierung vor zehn Jahren müssen auch mehrere hundert «alte» Wirkstoffe frisch zugelassen werden. «Von den 90 wichtigsten Wirkstoffen sind seither 32 zugelassen, 25 wurden abgelehnt und 35 sind noch hängig», sagte Locher. Von den 580 weiteren «alten» Wirkstoffen seien mittlerweile 400 von den Herstellern zurückgezogen worden, dass heisst, sie werden keine EU-Zulassung mehr erhalten. Ähnlich verhält es sich in der Schweiz, wo 40 «alte» Wirkstoffe verschwunden sind. Norbert Locher sprach in diesem Zusammenhang von einem «Auslichten der Wirkstoffliste». Von Seiten der Obstproduzenten wurde die Befürchtung geäussert, dass es nun zu einer Verarmung der Pflanzenschutzmittelpalette kommen werde und sich die Forschung einzig auf die weltweiten Hauptkulturen konzentrieren werde. Der Pflanzenschutzexperte teilte diese Befürchtung im Grundsatz, hofft aber gleichzeitig, dass es auch in Zukunft Mittel für die Anwendung in Spezialkulturen geben werde. Zudem seien die Produzenten aufgefordert, ihre Bedürfnisse in diesem Bereich anzumelden, um nötigenfalls bei den Behörden Ausnahmeregeln zu erwirken. «Die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln sind dabei auf die Zusammenarbeit mit den Produzenten angewiesen», unterstrich Locher. (hil)


Engerlinge im Auge behalten
Hermann Brenner von der Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie erinnerte die Obstproduzenten daran, dass das Jahr 2004 ein «Urnerflugjahr» sei. Er empfahl den Produzenten, das Befallsrisiko in ihren Anlagen abzuschätzen und insbesondere Neupflanzungen, Jungwuchs und schwachwüchsige Bäume im Auge zu behalten. Viele Käfer seien im letzten Jahr im Raum Heldwil-Zihlschlacht, bei Götighofen, Räuchlisberg sowie in der Gegend Andhausen, Opfershofen beobachtet worden. Für eine mögliche Bekämpfung komme die Anwendung von Granulat bei Neupflanzungen und der Einsatz des Beauveria-Pilzes in Junganlagen in Frage. In Engerlingsgebieten werde noch immer ein finanzieller Beitrag an den Bau von Hagelnetzen geleistet. (hil)

top     schliessen