Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Ein etwas anderer Arbeitstag

Ausgabe Nummer 32 (2015)

Teil 3 und Schluss der Fortsetzungsgeschichte aus dem «Thurgauer Bauer» der letzten Woche

Die Messe beginnt und keine fünf Minuten nach der Türöffnung füllen sich die Gänge bereits mit den unterschiedlichsten Menschen. Die drei Frauen teilen sich ihre Aufgaben am Stand auf.

Neben dem Käseverkauf und dem Wettbewerb mit Fragen zum Kanton Thurgau steht in der Mitte des Standes auf einem grünen Teppich, der die saftig grünen Wiesen aus unserem Kanton symbolisieren soll, eine schwarz-weiss gefleckte Kuh, sogar mit Hörnern. Die Bäuerin, die zum ersten Mal mit auf der Messe mithilft, erklärt den Besuchern, dass es keine echte, lebendige Kuh ist, auch wenn manche Besucher das auf den ersten Blick zu sehen meinen. Für die Bäuerin ist das kaum zu begreifen, aber sie lässt sich das nicht anmerken und motiviert mit ihrer natürlichen Art die stehengebliebenen Besucher dazu, die Kuh zu melken. Vor allem die Kinder und jung gebliebenen Erwachsenen lassen sich diesen Spass nicht nehmen und drücken und ziehen an den Zitzen des Euters, soviel es geht.

Wettbewerb lockt mit attraktiven Preisen
Diese Chance nutzt die andere Bäuerin, welche den Wettbewerb betreut und bietet ihn den wartenden Eltern an. Der Wettbewerb, veranstaltet von Thurgau Tourismus zusammen mit dem BBZ Arenenberg, lockt mit seinen tollen Preisen. Grosszügig hat die Kartause Ittingen ein Nachtessen für zwei Personen inklusive Weinbegleitung als ersten Preis zur Verfügung gestellt. Auch die anderen Preise wie Tagesmieten für einen Flyer bei Rent a Bike oder eine Tageskarte der Schifffahrtsgesellschaft URh so wie das Kartenspielquartett aus der Linie «Typisch Thurgau» lassen sich zeigen. Zusätzlich sind am Stand die Flyer der jeweiligen Destinationen aufgelegt. Die drei Fragen des Wettbewerbs würden bei uns im Kanton sicherlich ohne grosse Mühe beantwortet. Die Bäuerin merkt schnell, dass viele der Besucher gar nicht wissen, wo unser Kanton liegt und das wir eigentlich die unmittelbaren Nachbarn am Bodensee sind. «Guet sind mir do und zeiget üs», meint eine unserer Bäuerinnen. Zu erwähnen ist, dass die Messe pro Tag bis zu 20 000 Eintritte verkauft und das Einzugsgebiet riesig ist, da es keine vergleichbare Messe in der Nähe gibt.

Käse verkaufen wie Profis
Zu einer späteren Tageszeit haben die drei Frauen nacheinander ihre Mittagspause bezogen und auch ein wenig die Messe erkundet. «Hei, do chöntisch jo ichaufä! », sagt eine Bäuerin lachend zur anderen. Es ist den beiden anzumerken, dass dieser Messetag für sie immer noch ein Erlebnis ist, und das strahlen sie auch aus. Natürlich und mit Humor verkaufen sie souverän Thurgauer Käse, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Mit den Euros hapert es ab und zu noch ein wenig, doch das macht der Schwizer Dialekt bei den Deutschen wieder wett. Trotz den sommerlichen Temperaturen, welche sich auch im Messezelt bemerkbar machen, wird rege Käse degustiert und gekauft. Zur Auswahl stehen den Käseliebhabern der schon erwähnte Pilger-, Braumeister- und Weinbergkäse der Käserei Hug im Tannzapfenland, der Thurgauer Heumilchkäse in verschiedenen Reifestufen der Käserei Sturzenegger in Wigoltingen, der Swizz Rocker – die Exportmarke von Tilsiter, und der Müller-Thurgau der Käserei Müller in Hagenwil. Ein breites Sortiment für jeden Geschmack, was die Messebesucher auch sehr loben. Die Preise sind für etliche Käufer schon an der oberen Grenze, doch mehrheitlich wird nicht nachgefragt. Sie liegen im Durchschnitt über denen in der Schweiz, jedoch noch unter dem Verkaufspreis in den deutschen Käsefachmärkten wie zum Beispiel bei EDEKA.

Gute Nachbarschaften pflegen
Der Messetag neigt sich langsam dem Ende zu, nur noch vereinzelt kommen in der letzten halben Stunde Besucher den Gang entlang. Die Bäuerinnen nehmen sich die Zeit, ein wenig mit den Standnachbarn, zum Beispiel mit der Dame von Säntis Bergbahnen zu plaudern. Sie haben während des Tages festgestellt, dass es nur Vorteile hat, wenn zwei Schweizer Aussteller, die beide Tourismus in der Ostschweiz bewerben, so nahe bei einander sind, das stärkt die Region. Dieser Meinung ist auch die Dame vom Säntis und schenkt den Bäuerinnen ein paar kleine Appenzeller Biberli für die Daheimgebliebenen. Besonders für den Arenenberg ist der Standnachbar Säntis ein sehr wertvoller Partner geworden. Seit der Messe im vergangenen Jahr hat man versucht, Synergien zu nutzen, da beide Destinationen sehr ähnliche Besucher anlocken. Ungeahnte Kontakte und Partnerschaften können sich über die Jahre aufbauen – ein weiterer Vorteil dieses Messeauftritts.

Heimreise und Ausblick
Um 18.00 Uhr ist der Messetag zu Ende, das Material ist verräumt, die Käsevitrine mit einem Tuch abgedeckt und das TV-Gerät abgeschaltet. Die drei Frauen machen sich auf den Weg zum Ausgang. Auf der Rückfahrt nach Kreuzlingen werden die Eindrücke und Erlebnisse des Tages nochmals diskutiert. In Kreuzlingen verabschieden sich die drei Frauen, die beiden Bäuerinnen fahren mit ihrem Auto weiter Richtung Tannzapfenland. Zu Hause angekommen, sitzt der Mann der Bäuerin, welcher heute seinen freien Tag genossen hat, bereits auf dem Bänkli vor dem Haus. Sie setzt sich zu ihm und erzählt, was für einen tollen Tag sie erlebt hat und was die Überlegungen dieses Messeauftritts von Seiten des BBZ Arenenberg sind. Sie ist nun ebenfalls der Überzeugung, dass auch die Milchproduzenten etwas für den Absatz ihrer Milch unternehmen können. Auf jeden Fall wird sie auch im kommenden Jahr den Thurgau gerne wieder einen Tag an der Südwest-Messe vertreten.


Manuela Vogel,
Regionale Entwicklung,
BBZ Arenenberg


Dieser Bericht wurde im «Thurgauer Bauer» in den Ausgaben 30, 31 und 32 in drei Teilen publiziert.










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