Ein ganz spezielles Kulturgut
Ausgabe Nummer 38 (2003)
Ein ganz spezielles Kulturgut
| Projekt Bauerngärten im Thurgau | |||
|
|
|||
|
|
|||
| Mit Information und Öffentlichkeitsarbeit sollen Besitzerinnen und Besitzer von Bauerngärten auf den Wert ihres speziellen Kulturguts aufmerkam gemacht werden. Diesen Dienstag orientierte die Arbeitsgruppe «Bäuerngärten» in Nussbaumen und Gündelhart über den Stand der Arbeit. | |||
|
|||
| Stattliche Riegelhäuser mit Bauerngärten in voller Blüte, sie prägen die Dörfer und sind aus der Thurgauer Landschaft nicht mehr wegzudenken. Wird dieses vertraute Bild immer so bleiben? 1999 wurde das Garteninventar des Kantons Thurgau von ICOMOS ( International Council of Monuments and Sites) erstellt. Es bezeichnet rund 270 Gärten als eigentliche Bauerngärten. Es wird aber davon ausgegangen, dass noch rund ein Drittel dieser Gärten «in Blüte» sind. Engagierte Arbeitsgruppe Anfang 2003 traf sich erstmals eine lose Arbeitsgruppe zum Thema «Bauerngärten im Thurgau» zu einem Gedankenaustausch. In der Gruppe sind unter der Leitung des Amtes für Denkmalpflege sowohl das LBBZ Arenenberg als auch der Thurgauer Bauernverband vertreten, daneben ein Landschaftsgärtner, eine Spezialistin für historische Pflanzen, aber auch die engagierten Kennerinnen von Bauerngärten im Thurgau, Gertrud Kaderli, Elisabeth Bommeli und Marianne Hausammann. Der dringende Appell, sich um dieses wichtige Kulturgut, das akut bedroht ist, zu kümmern, wurde bei der Denkmalpflege ernst genommen. Anfang aller Gartenkultur Der Bauerngarten stehe, so Daniel Brogle vom LBBZ Arenenberg an der Medienorientierung am Dienstag, am Anfang der eigentlichen Gartenkultur und sei durch seine Vielfalt und Schönheit geprägt wie kaum ein anderer. In der Ostschweiz ging die bäuerliche Gartenkultur vor allem von den Klöstern aus. Das im Jahr 724 gegründete benediktinische Kloster auf der Reichenau hatte einen starken Einfluss auf die Gartenkultur der Ostschweiz. Die von Abt Walahfrid Strabo um 845 beschriebenen Pflanzen mit ihren Heilkräften wurden wie im Kloster St. Gallen in einem quadratisch eingeteilten Garten angebaut. Die Mittelachse dieser Gärten erinnere, so Brogle, an das Zeichen des Kreuzes und heute noch werden die Gärten streng geometrisch angeordnet. Der Anbau von Nutzpflanzen in Gärten wurde zu dieser Zeit gezielt betrieben, und daraus erwuchs dann das Trachtensystem, das Pflanzen in Schwach- Mittel- und Starkzehrer unterteilt. Die in den heutigen Bauerngärten angebauten Pflanzenarten seien vielfach Weiterzüchtungen dieser aus den Klöstern verbreiteten Pflanzen. Natürlich durften in den Gärten die Blumen nicht fehlen. Sie wurden meist am Rand des Gartens angezogen und grenzten den Bauerngarten zum Zaun ab. Bauerngärten sind meistens in unmittelbarer Nähe zum Wohnhaus angelegt und bilden mit Haus und Hofstatt zusammen eine Einheit. Das Reich der Bäuerin wird meist mit einem soliden Zaun umgrenzt. Wo immer möglich, liegt der Garten auf der Südseite des Hauses, und Zier- und Nutzpflanzen sind harmonisch aufeinander abgestimmt. Informieren und sensibilisieren Die Aufgabe, das Kulturgut Bauerngärten zu erhalten, sei nicht einfach, meinte Beatrice Sendner-Rieger, Projektleiterin und Chefin des Amtes für Denkmalpflege. Denn mindestens zwei Instrumente, die sonst beim Erhalt von Kulturgütern zum Einsatz kommen, würden hier nicht greifen. Ein Privatgarten, dessen Wert nur durch die tägliche Pflege erhalten wird, könne nicht einfach unter Schutz gestellt werden, und auch ein finanzieller Beitrag löse die Probleme nicht. Daher blieben nur die Information und die Öffentlichkeitsarbeit als Massnahmen. Anhand des Inventars soll nun ein Überblick gewonnen werden, welches der heutige Zustand ist, aber auch, wo die Probleme liegen, wenn die Gärten nicht mehr gepflegt werden. Diese Aufgabe übernehmen Gertrud Kaderli, Elisabeth Bommeli und Marianne Hausammann in Freiwilligenarbeit. Öffentliche Exkursionen Parallel dazu soll der Bauerngarten im Thurgau der Öffentlichkeit wieder bekannt gemacht werden. Zu diesem Zweck werden in nächster Zeit Exkursionen unter der kundigen Führung von Daniel Brogle, Lehrer am LBBZ Arenenberg, zu den Thurgauer Bauerngärten durchgeführt werden, die zudem auch zum Informationsaustausch dienen sollen (siehe Kasten). Für das Jahr 2005 ist in der Reihe «Denkmalpflege im Thurgau» eine Publikation über Thurgauer Bauerngärten geplant. Informative Beiträge zur Geschichte und zum heutigen Zustand der Bauerngärten zusammen mit praktischen Hinweisen soll eine attraktive Lektüre für interessierte Laien bieten, bei der das Auge nicht zu kurz kommen soll. Hanni Schild |
|||
|
|||

