Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Ein Hofladen bildet den Grundstein des heutigen Unternehmens

Ausgabe Nummer 41 (2014)

Die Gemüseproduzentenvereinigung Thurgau/ Schaffhausen und die Fachstelle Gemüsebau am BBZ Arenenberg luden kürzlich zu Feldbesichtigungen mit Fachdiskussionen ein.

Auf der Anbaufläche im «Thurfeld» am Dorfrand von Weinfelden präsentierte Sepp Egger, Betriebsleiter Egger Gemüsebau, den Berufskollegen anlässlich eines «Kohlanbau-Nachmittags» sein grosses Lagerkohlfeld. Augenfällig war auf Anhieb die beachtliche Grösse der Kohlköpfe. Sepp Egger erklärte dazu, dass sein Abnehmer, ein deutscher Discounter, ausdrücklich Kohl in grosser Kalibrierung wünscht: «Ich habe festgestellt, dass diese Discountkette unter anderem bereits beim Salat grosse Ware wünscht, was insgesamt als positiv zu bewerten ist.» Er stellte fest, dass sein Hauptabnehmer für Lagerkohl europaweit ein äusserst dichtes Filialnetz betreibt: Daraus ergebe sich für ihn die Schlussfolgerung, dass dieser Discounter über ausreichende Erfahrungen betreffend die Bedürfnisse seiner Kunden verfüge. Sepp Egger betonte, dass die Grundlage einer erfolgreichen Vermarktung von Lagergemüse bei der sachgemässen Einlagerung einsetzt: Es dürfe nur gesundes, zuvor gut ausgekühltes Ausgangsmaterial ins Lager gelangen. Er produziert unter anderem auch Broccoli und Blumenkohl. Vor allem beim Blumenkohl haben die jeweiligen Abnehmergruppen ganz unterschiedliche Bedürfnisse. In der Gastronomie sind häufig Kleinstgrössen gewünscht, für den Detailhandel dürfen es Köpfe von mittlerer Grösse sein. Er stellte fest, dass für ihn als Produzent der Auf-wand dabei gleich bleibt, unabhängig welche Kalibrierung erforderlich ist.
Nach einer weiteren Feldbesichtigung von Blumenkohl und Broccoli erhielten die Teilnehmer die Möglichkeit, den Betrieb Egger Gemüsebau in Wertbühl (Istighofen) zu besichtigen.

Hohe Service- und Dienstleistungsbereitschaft nötig
Hier schilderte der Betriebsleiter die sukzessive Entwicklung seines Betriebes, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Er versuche, Synergien zu nutzen. Nebst dem eigenem Anbau agiert Egger Gemüsebau als Handelsplattform mit Vollsortiment-Vertrieb. Im Jahr 2001 hatte Sepp Egger entschieden, sich ganz auf die bereits 1989 im kleinen Stil begonnene Salat- und Gemüseproduktion zu konzentrieren. Dabei setzte er auf zwei Standbeine: Produktion und Handel sowie auf Kooperationen mit anderen Landwirten, deren Gemüse er seither in sein Programm aufnimmt. In der Hauptsaison sind bis zu 80 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt. Zwischen 18 bis 22 Uhr herrscht im Betrieb Ruhe. Danach widmet sich ein Mitarbeiter den Bestellungseingängen aus Detailhandel und Gastronomie.
In der Vermarktung spiele hohe Dienstleistungs- und Servicebereitschaft eine entscheidende Rolle. Sepp Egger schilderte dies an einem konkreten Beispiel: Wenn ein Kunde abends den Wunsch nach bestimmten Kräutern äussert, wird auch das erfüllt und der regulären Bestellung beigefügt. Eine eigene Fahrzeugflotte liefert frische Ware an die Bestimmungsorte. Seit diesem Jahr hat sein Betrieb die Vermarktung erweitert und ist mit einem eigenen Stand in der Engros-Markthalle Zürich präsent. Egger Gemüsebau führt weiterhin einen Hofladen mit Ladengeschäft für Privatkunden: Der Hofladen bildete, symbolisch gesehen, den Grundstein des heutigen grossen Unternehmens.


Isabelle Schwander










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