Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Ein regionaler Naturpark wäre machbar

Ausgabe Nummer 49 (2016)

Die Möglichkeit besteht, dass Fischingen und Bichelsee-Balterswil zusammen mit acht Zürcher und einer St. Galler Gemeinde dereinst in einem regionalen Naturpark integriert sind. Die grösste Skepsis kommt von der Landwirtschaft.

Seit knapp eineinhalb Jahren bearbeitet der Gemeindeverbund Pro Zürcher Berggebiet (PZB), in welchem die Gemeinden Fischingen und Bichelsee- Balterswil dabei sind, gemeinsam mit der ZHAW die Machbarkeitsstudie für einen möglichen regionalen Naturpark in der Region Goldingertal/Eschenbach, Tannzapfenland und Zürcher Berggebiet.
Am Dienstag wurden die Resultate anlässlich einer Medienorientierung in Bäretswil vorgestellt; das Fazit ist, dass ein regionaler Naturpark durchaus machbar wäre und das nötige Potenzial vorhanden ist. Verschiedene Veranstaltungen, lanciert vom Gemeindeverbund PZB, hatten das Ziel, die Bevölkerung, das Gewerbe, die Landwirtschaft und die Gemeinden für die Sache zu sensibilisieren und zu hören, wie sie darüber denken. Diese Erfahrungen flossen ebenfalls in die diversen Abklärungen und Analysen der Region, Landschaft, räumlichen Gegebenheiten oder der demografischen Struktur ein. Stefan Forster, ZHAW, erklärte an der Medienorientierung, dass faktisch ein regionaler Naturpark in der Region Zürcher Berggebiet mit Fischingen, Bichelsee- Balterswil und Eschenbach umsetzbar wäre. Ob hingegen die Mehrheit der Bevölkerung bei der Abstimmung dafür stimmen sei offen, so Forster weiter.

Käse, Tourismus und Industriegeschichte
Für Ernst Kocher, Präsident des Gemeindeverbundes PZB, würde es Sinn machen, einen möglichen regionalen Naturpark in bereits bestehende Strukturen zu integrieren. Er erwähnte das Beispiel der Dachmarke «natürli», welche sowohl den Tourismus, die Landwirtschaft, natürliche Ressourcen, die Wissensvermittlung, das Wohnen und speziell die Vermarktung der Spezialitätenproduktion unter einem Label vermarktet. So erstaune es nicht, dass der Tourismusfaktor im Gebiet der 13 Gemeinden und auf einer Fläche von knapp 300 Quadratkilometern Fläche heute stärker sei als im Kanton Appenzell Innerrhoden. Das Ziel müsse sein, Synergien zu nutzen. Für Kocher heissen die zentralen Themen eines möglichen regionalen Naturparks: Käse, Milch, Tourismus und Industriegeschichte. «Wir sind überzeugt, dass ein regionaler Naturpark der Region einen Mehrnutzen bringen kann und keine Einschränkungen zur Folge haben wird», so Kocher. Klare Beweise dazu kenne man von den rund 14 regionalen Naturpärken, welche in der Schweiz bereits existieren. Der älteste von ihnen bestehe bereits seit zehn Jahren, ergänzte Stefan Forster.

Eher geringe Kosten
Rückmeldungen aus den Veranstaltungen mit der Bevölkerung, Gewerbe und der Landwirtschaft zeigen, dass aus landwirtschaftlichen Kreisen die grösste Skepsis zu spüren ist. Die Angst, dass ein regionaler Naturpark neue Auflagen verursache, sei gross, bestätigt Ernst Kocher, der auch Gemeindepräsident von Wald ist und selber einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Es müsse immer wieder betont werden, dass ein regionaler Naturpark keine neuen Vorschriften und Gesetze nach sich ziehe. Bei den Rückmeldungen aus den Gemeinden stehen meist die Finanzen im Vordergrund. Forster zeigte auf, dass in der Kandidaturphase, 2020 bis 2023, also für vier Jahre mit einem Budget von 1,6 Millionen Franken zu rechnen sei. Die Hälfte übernähme das BAFU, ein Viertel die Kantone, 200 000 Franken Stiftungen und Sponsoren, so würden auf die 13 Gemeinden 200 000 Franken entfallen. Damit wäre das Budget das kleinste in der bisherigen Naturparkgeschichte, weil vieles schon optimal eingebettet sei, betonte Forster.


Ruth Bossert







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