Ausgabe Nummer 29 (2007)

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Ein Vierteljahrhundert im Dienste der Thurgauer Milchwirtschaft

Alfred Ernst: 25 Jahre Geschäftsführer bei den Thurgauer Milchproduzenten (TMP)

Seit 25 Jahren führt Alfred Ernst die Geschäfte bei den TMP. Verbandspräsident Ruedi Schnyder lobte Alfred Ernst an der diesjährigen Delegiertenversammlung im April für sein um- und weitsichtiges Schaffen im Interesse der TMP. Im Rahmen eines Interviews nimmt Alfred Ernst Rückschau und erzählt von seinen Plänen.


TB: Herr Ernst, Sie sind Agronom ETH. Was hat Sie in die Landwirtschaft geführt?

A. Ernst: Ich bin als Bauernsohn auf einem Betrieb in Weinfelden aufgewachsen und habe zuerst die landwirtschaftliche Lehre absolviert. Während der Lehre entschied ich mich für das Agronomiestudium und habe bald darauf die Aufnahmeprüfung an die ETH in Zürich gemacht.

TB: 25 Jahre beim gleichen Arbeitgeber sind eine lange Zeit.Woher nehmen Sie Tag für Tag die Motivation, etwas zu bewegen?

A. Ernst: Schon bei meinen früheren Anstellungen war mir wichtig, dass es sich um kleinere Betriebe handelte. Ich wollte nie nur der Chef sein, sondern gleichzeitig auch der Sachbearbeiter, der sich auch mit den «einfacheren» Problemen beschäftigt und so den engen Kontakt zu den Kunden behält. Noch immer arbeite ich mit grosser Freude bei den TMP. Der Job ist enorm interessant und vielseitig.Wer hat schon die Chance, dass er sich einmal mit den alltäglichen Problemen eines Bauernhaushalts befasst und am nächsten Tag zusammen mit Juristen und Managern in einem Verwaltungsrat sitzt? Mit jedem Vorstand des TMP hat die Zusammenarbeit bisher hervorragend funktioniert. Ebenso spielte sich die Kooperation über die Verbandsgrenzen hinaus, zum Beispiel mit den Bauernsekretären, stets auf einer sehr kollegialen Ebene ab. Es macht mich einfach stolz, für die Thurgauer Milchproduzenten zu arbeiten, weil ich weiss, dass es darunter sehr viele innovative Leute hat.

TB: Wenn Sie die Zeit bei den TMP Revue passieren lassen, welche markanten Ereignisse und Erfahrungen kommen Ihnen spontan in den Sinn?

A. Ernst: Mitte der 80er-Jahre konnte ich erfolgreich ein neues System der Käsereizinsberechnung einführen, das schliesslich noch von zwei anderen Milchverbänden übernommen wurde. Zwischen 1989 und 1990 haben wir die Zusammenlegung der Molkerei Kreuzlingen, der Molkerei Gossau und der Milchpulverfabrik Sulgen vorbereitet und umgesetzt. Im Laufe der 90er-Jahre haben sich durch die Einführung der neuen Landwirtschaftspolitik und des Direktzahlungssystems viele Neuerungen in meiner Arbeit ergeben. Im Jahr 1999 fusionierten die Firmen Säntis und Toni zur Swiss Dairy Food (SDF).
Vom wirtschaftlichen Ende der SDF drei Jahre später musste ich aus einer «Blick»- Schlagzeile erfahren, was wohl eines der schlimmsten Erlebnisse in meiner Karriere war. Innert kürzester Zeit musste die ganze Milcherfassung neu organisiert werden, und der Verein IG Milch Thurgau wurde gegründet. Im Jahre 2002 beschloss das Parlament die Aufhebung der Milchkontingentierung, ein Entscheid, der die Milchproduzenten noch auf Jahre hinaus beschäftigen wird.

TB: Durch die Aufhebung der Milchkontingentierung befindet sich die Milchwirtschaft in einer Umbruchphase. Wo sieht der Verband seine Aufgaben in der Zukunft?

A. Ernst: Wir werden weiterhin im Bereich Beratung und Information Dienstleistungen für unsere Mitglieder anbieten und deren Interessen in verschiedenen Gremien und in Beteiligungsfirmen, in die der Verband investiert hat, vertreten. Auch die sorgfältige Kapital- und Liegenschaftenbewirtschaftung zum Wohl der TMP bleibt eine wichtige Aufgabe.

TB: Und wie sieht es denn mit Ihren persönlichen Zukunftsplänen aus?

A. Ernst: Nächstes Jahr werde ich in Pension gehen und mich dann stärker den eigenen Projekten widmen. Ich träume davon, mit Dächlikappe, Stock und Wanderschuhen möglichst viel vom Thurgau zu erwandern und dabei viele gute Erfahrungen zu sammeln. Als zweiten Traum möchte ich die eine oder andere Reise verwirklichen und andere Kontinente entdecken, denn ich habe das Gefühl, dass mein Reisedrang bisher zu kurz gekommen ist. Dann werde ich mich sicherlich stärker unserem schönen Garten widmen. Für einen guten Mix gleich nach der Pensionierung und um nicht gleich «in ein Loch zu fallen», erfülle ich bereits jetzt zwei soziale Mandate und würde gerne zwei bis drei Mandate für die TMP weiterführen.

Andreas Rohner, Thurgauer Bauernverband


Selbst Kuh «Lovely» schaut wohlwollend hinauf zu Alfred Ernst, der mit seiner Arbeit
die Thurgauer Milchwirtschaft wesentlich mitgeprägt hat. (ro)
Selbst Kuh «Lovely» schaut wohlwollend hinauf zu Alfred Ernst, der mit seiner Arbeit die Thurgauer Milchwirtschaft wesentlich mitgeprägt hat. (ro)