Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. Juni 2019


Ein wahrhaft grosser Jahrgang reift in den Kellern

Ausgabe Nummer 49 (2018)

Rückblick auf das Rebjahr 2018

Nach drei eher mageren Jahren kompensiert das Rebjahr 2018 nicht nur mengenmässig, sondern bescherte den Winzerinnen und Winzern auch hervorragende Traubenqualitäten, welche nun in den Kellereien zu «ganz grossen » Weinen heranreifen dürften. Bereits früh im Jahr zeichnete sich ein besonderer Jahrgang ab. In rasantem Tempo verlief die ganze Vegetationsentwicklung, und ab Anfang September konnte bereits mit der Hauptlese der weissen Sorten begonnen werden. Die Trauben erreichten selten gemessene Zuckerwerte, und bereits Mitte Oktober war dieses «goldene » Rebjahr praktisch abgeschlossen.

Milder und feuchter Winter
Der Start ins noch junge Jahr war durch allgemein milde und feuchte Witterung geprägt. Dank den regelmässigen und teilweise ergiebigen Niederschlägen im Januar und Februar war glücklicherweise das Wasserbilanzdefizit vom Vorjahr vor Vegetationsbeginn wieder gut aufgefüllt. Dank dem nur zögerlichen Ansteigen der Temperaturen überstanden die Reben auch die Kälteperiode von Ende März schadlos. Die während des ganzen Winters günstige Witterung ermöglichte auch optimale Bedingungen für den Winterschnitt. Nach den schweren Frostereignissen des Vorjahres war genügend brauchbares Holz aus der Basis vorhanden, und eine gute Nährstoffversorgung war mit dem hohen Blatt-/Fruchtverhältnis und den tiefen Erträgen sowieso gegeben. Damit war im Prinzip bereits vor dem Austrieb alles bereit für einen grossen Jahrgang!

Rasanter Austrieb bringt viel Arbeit und Zuversicht
Ab der zweiten Aprilwoche stiegen die Tagesdurchschnittstemperaturen markant an. Die Vegetation entwickelte sich damit fast sprunghaft. Der Austrieb erfolgte im 2018 kurz zusammengefasst rasant und üppig. Zum Zeitpunkt der Eisheiligen sprach in diesem Jahr niemand mehr von Frostgefahr. Bereits Anfang Mai konnte bei frühen Sorten das erste Schieben der Gescheine beobachtet werden. Das enorme Wachstum verlangte jedoch von den Rebleuten einiges an Arbeiten, welche alle fast zeitgleich anzufallen drohten. Die Erfahrungen der vergangenen Frostjahre haben dazu geführt, dass vielerorts Frostruten stehen gelassen wurden. Wer diese nicht rechtzeitig geschnitten hatte, sah sich nunmehr mit einem richtigen «Gnusch» konfrontiert, welches es möglichst rasch zu beseitigen galt. Vereinzelt war es aufgrund des Wachstums möglich, schon Mitte Mai die Lorenzfedern des untersten Heftdrahtes zu schliessen. So früh, wie es nur ganz selten vorkommt! Noch vor dem «Festwochenende» zur Traubenblüte von Mitte Juni war die Blüte im 2018 bereits Geschichte. Die Vegetationsentwicklung war damit bis zum Traubenschluss vergleichbar mit den sehr frühen Jahren 2009 oder 2011 und deutlich früher als 2015.

Mit dem Sommer kam die grosse Trockenheit
Ab der Traubenblüte und mit dem Einzug des Sommers manifestierte sich ein Niederschlagsdefizit, welches bis in den Spätherbst anhalten sollte. Bereits der Juni wie auch der Juli waren warm und trocken. Ab Mitte Juli stiegen dann die Temperaturen deutlich an, und es begannen die ersten Hitzetage. Damit einher ging ein Absinken der Luftfeuchtigkeit, welche anschliessend bis Ende August kaum mehr über die 60 %-Schwelle angestieg. Die Niederschlagsarmut hat sich dann auch leicht verzögernd auf die Reifentwicklung ausgewirkt, was primär auf eher schwachwüchsigen Unterlagen oder kieshaltigen Böden sichtbar wurde.

Eine frühe Ernte zeichnet sich ab
Im Allgemeinen konnte man bereits Anfang August von einer sehr frühen Ernte ausgehen. Seitens der Fachstelle wurden die offiziellen Reifemessungen zwei Wochen vorgestaffelt. Die ersten Messungen vom 21. August 2018 verdeutlichten die Entwicklung. Die gemessenen Zuckerwerte streuten zwar erfahrungsgemäss noch sehr stark. Mit Werten beim Müller-Thurgau (R-S) von 54 bis 73 °Oe, beziehungsweise von 66 bis 81 °Oe beim Blauburgunder, deutete aber alles auf eine sehr frühe Lese hin.

Lang ersehnte Niederschläge bringen nochmals Schub
Die Vorfreude auf den Herbst blieb unvermindert bis zur Lese. Aufgrund der gestiegenen Boden- und Luftfeuchte ab September akzentuierte sich dann die Traubenreife erneut, und erste besorgte Winzer fürchteten um ein Absacken der für eine gute Harmonie der Weine wichtigen Säurewerte. Sowohl in Hallau, wie auch in Weinfelden und Uesslingen wurden bis Mitte September einige Niederschläge registriert, welche nebst der willkommen Abkühlung, die Traubenbeeren richtiggehend anschwellen liessen.

Reife Trauben und kaum Kirschessigfliegen (KEF)
Die spätsommerlichen Temperaturen und die meist trockene Witterung liess in der Folge die Traubenreife rasch voranschreiten. Damit gelangten innert kurzer Zeit sehr grosse Mengen Erntegut in die Kellereien. Dank dem gesunden Traubengut musste auch praktisch nicht gesöndert werden. Da die meisten Sorten ihre optimale Reife bereits in der zweiten Hälfte September erreichten, kam es verschiedentlich zu Engpässen in der Kellerlogistik und damit verbundenen Wartezeiten. Obwohl es gegen Monatsende hin immer wieder zu Meldungen von KEFBefall kam, beschränkten sich die Schäden primär auf Rebparzellen in Randlagen und Heckennähe. Dank unverzüglichem Abernten und dem konsequente Söndern des Traubenguts in Befallsherden, blieben die KEF-Probleme in diesem Jahr marginal.

Ein Jahrgang, welcher für vieles entschädigt
Mit rund 4.31 Mio kg Trauben (Schaffhausen), respektive rund 2.23 Mio kg (Thurgau) lagert nun eine Grossernte in den Kellern. Sowohl bei der roten Hauptsorte Blauburgunder wie auch der weissen Sorte Müller-Thurgau (R-S) wurden sehr hohe Flächenerträge erreicht. Ebenso liegen die Zuckerwerte in noch selten gemessenen Höhen. Auch bei den Spezialitäten konnten die Keller nach einigen dürftigen Jahren mit hervorragendem Traubengut gut gefüllt werden. Die hohen Zuckerwerte bei Chardonnay, Merlot oder auch Sauvignon Blanc haben nicht nur Traubenproduzenten überrascht, sondern dürften auch die Konsumenten mit Sicherheit überzeugen.


Markus Leumann
Fachstelle Weinbau SH/TG

4. Dezember 2018













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