Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Ein Winter, der seinen Namen einigermassen verdient

Ausgabe Nummer 8 (2017)

Zwar können an warmen und exponierten Plätzchen schon die ersten Frühlingsboten wie Schneeglöckchen oder im gut besonnten Hausgarten die ersten Tulpenspitzchen beobachtet werden – aber draussen in den Reben ist noch alles ruhig. Die Reben befinden sich in der Winterruhe und die Winzerinnen und Winzer blicken auf einen versöhnlichen Jahresausgang zurück und bereiten sich bereits mit viel Elan und Optimismus auf die neue Saison vor.

Zahlreiche Frosttage mit bissiger Kälte
Bereits kurz nach der letzten Traubenlese Ende Oktober kam es im ausgehenden Jahr zu den ersten eisigen Frostmomenten in der Morgendämmerung. Ab Ende Dezember und in der ersten Januarwoche verzeichneten dann die Agrometeo-Messstationen praktisch den ganzen Tag hindurch Minustemperaturen: also richtige Frosttage! Hinzu kam dann eine schöne, weisse Schneedecke, welche die ganze Landschaft winterlich erscheinen liess. Die kältesten Temperaturen in der Region wurden am 6. Januar 17 mit –11,4 °C in Weinfelden beziehungsweise am 7. Januar 17 mit gegen –15 °C in Hallau gemessen. Gemäss der landläufig geltenden Theorie, dass die Reben während der Winterruhe ohne Weiteres bis gegen –18 ° oder –20 °C vertragen können, ist grundsätzlich nicht von Schäden an Ertragsreben durch Winterfrost auszugehen. Ob dies tatsächlich so ist und insbesondere auch für Junganlagen so gilt, wird sich allerdings erst nach erfolgtem Austrieb abschliessend beurteilen lassen.

Eher trocken, dafür mit vereinzelt schönen und sonnigen Wintertagen
Bereits während des letzten Winters war der Niederschlag eher spärlich – dafür dann im Frühling umso ergiebiger. Nun brachten auch die ersten Monate des neuen Jahres eher geringe Regenmengen, seit Anfang Jahr in Hallau 50 mm und in Weinfelden immerhin gute 90 mm. Neben vielen Tagen unter einer dicken Nebeldecke zeigte sich in den letzten 14 Tagen glücklicherweise auch ab und zu die Sonne, was nicht nur die Winzer beim Winterschnitt erfreute!

Der Winterschnitt macht Freude!
Mit den einzelnen sonnigen Stunden und der grundsätzlich sehr guten Holzreife stimmt zurzeit vieles für die Winterschnitt-Saison. Hinzu kommt, dass nach dem Generationenfrost vom vergangenen 28. April viel brauchbares Holz aus der Basis entwachsen ist, welches für den weiteren Stockaufbau gut verwendet werden kann. Es gibt zwar alles Arbeit, aber zumindest besteht für den anstehenden Winterschnitt wenig Zeitdruck. Und wer die Musse hat, vor dem Schnitt zu überlegen, ob sich nun das Stehenlassen einer Frostrute nicht doch wieder einmal lohnen würde, so ist diese sicherlich in Mulden- oder typischen Frostlagen nicht ganz falsch.


Markus Leumann
Fachstelle Weinbau SH / TG

21. Februar 2017







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