Ausgabe Nummer 28 (2004)
Eine andere Art innerbetrieblicher Aufstockung
| Familie Gansner in Graltshausen diversifiziert mit Biogas | |||
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Eine andere Art innerbetrieblicher Aufstockung
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| Seit Anfang Monat läuft die Biogasanlage auf dem Betrieb der Familie Gansner in der «Aufwärmphase». Bei Volllast soll der Reaktor schon bald 400 Kubikmeter Gas pro Tag ausstossen. Morgen Samstag kann die Anlage bei Berg besichtigt werden. | |||
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| Angefangen hat alles vor bald zwei Jahren an der Agrama in Bern. Damals sind Vater und Sohn Gansner mit einer der Herstellerfirmen von Biogasanlagen in Kontakt gekommen, und der Gedanke, auf dem eigenen Hof zu Produzenten von «grünem» Strom zu werden, hat sie seither nicht mehr losgelassen. Nun, seit Herbst 2003 wird in Graltshausen bei Berg kräftig gebaut. Der Fermenter aus Beton fasst 500 Kubikmeter. Er musst neu erstellt werden. Zur Anlage gehören neben dem (bereits bestehenden) Güllesilo auch das Maschinenhaus mit Gasgenerator und eine Aufbereitungsanlage für die fermentierte Biomasse. Eine Biogasanlage zu bauen und im Betrieb zu halten ist nicht «ohne». «Es braucht eine gute Portion Pioniergeist und einiges an technischem Flair», erklärt Ueli Gansner. Denn jede Biogasanlage sei letztlich ein Prototyp, obwohl die beiden von der Frauenfelder Firma Genesys, welche Bioanlagen plant und baut, fachlich kompetent unterstützt werden. Tatsächlich zeugen die vielen Leitungen, Rohre und Kabel, die man auf der noch nicht ganz fertig gestellten Anlage zu Gesicht bekommt, von einer komplexen Einrichtung. Beeindruckend ist auch der Maschinenraum mit dem Gasgenerator einem auf Gasbetrieb umgerüsteten Perkins-Dieselmotor. Die Anlage will gefüttert werden Anfang Juli war der Fermenter gut zur Hälfte gefüllt. Zu einem guten Teil wird die Anlage mit Gülle aus dem Milchwirtschaftsbetrieb «gefüttert», zugeleitet wird auch die Schweinegülle aus dem nahen Maststall der ehemaligen Käserei, Hühnermist, Mühlestaub und allenfalls Küchenabfälle ergänzen den «Speiseplan» der Anlage zu einem ausgewogenen Menü. «Aktuell liegt die Tagesproduktion bei etwa 200 Kubikmeter Gas», sagt Ueli Gansner. Angestrebt werde aber eine Tagesproduktion von 400 Kubikmeter Gas. «Die Mikroorganismen brauchen nun etwa 14 Tage für die Vermehrung, und die Anlage läuft dann auf Volllast», erklärten Gansners. Täglich werden dem Fermenter dann rund 10 Kubikmeter organische Substanz mit einem Trockensubstanzgehalt von zwölf bis 14 Prozent beigemengt. Bei Volllastbetrieb leistet der Gasmotor 100 kW, sodass die Biogasanlage der Familie Gansner im Jahr rund eine halbe Million Kilowattstunden Strom produzieren dürfte. Das Substrat wird nach der «Vergasung» in einer nachgeschalteten Verarbeitungsstufe in feste und flüssige Phase getrennt. Das flüssige fliesst als Gülle in den Güllesilo das feste Material wird zu Kompost aufbereitet. Dieser wird beispielsweise in Gärtnereien als Dünger verwendet. Ein neuer Betriebszweig Trotz «grün» und «öko»: Die Familie Gansner hat die Anlage nicht allein aus idealistischen Motiven mit viel Eigenleistung und beträchtlichem Kapitaleinsatz erstellt. Im Gegenteil: Der eher kleine Milchviehbetrieb warf nicht genug ab, damit Vater Gansner und die beiden Söhne mit Familien genug zum Leben hatten. Die Biogasanlage ist für sie daher eine innerbetriebliche Aufstockung. «Wir haben uns auch mit dem Gedanken getragen, in die Pouletmast einzusteigen», sagt Ueli Gansner. Daraus wurde dann nichts, dagegen konnte die Biogasanlage mit einem Investitionsvolumen von rund 600000 Franken realisiert werden wobei ein kleiner Teil von Bund und Kanton subventioniert wurde. Was nun nicht im eigenen Betrieb und im Wohnhaus verbraucht wird, kann als «Ökostrom» in das Ortsnetz eingespeist werden. Vorderhand wird für diesen Strom 15 Rappen pro Kilowattstunde bezahlt. Ab dem zweiten Jahr können Gansners dann mit einem Zuschlag für Ökostrom von 6 bis 7 Rappen pro kWh rechnen. Den Arbeitsaufwand für die Anlage können Gansners nur annähernd abschätzen. Sie rechnen aber durchschnittlich mit kaum mehr als zwei Stunden täglich, wovon eine halbe Stunde auf die eigentliche Überwachung der Anlage und rund eine Stunde aufs Kompostieren und aufs Zusammenführen des «Futters» fallen dürfte. (hil) |
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