Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Eine "Box mit Aussicht" für "Blüemli"

Ausgabe Nummer 37 (2015)

Eine der ältesten Kühe der Schweiz geniesst ihr Gnadenbrot auf dem Hof von Stefan und Mario Kübler im Klingenberg.

«Blüemli dürfte etwa 24 Jahre alt sein», rechnet Mario Kübler vom Klingenberg aus, ein biblisches Alter für eine Kuh. Leider fehlen die Papiere, aber er weiss, dass sein Grossonkel diese Kuh 1995 von einem Händler gekauft hatte, damals hatte sie schon zweimal geboren. «In der Tierverkehrsdatenbank, welche im Jahr 2000 eingeführt wurde, steht zwar Jahrgang 1993, aber das kann gar nicht sein.» Über ihre Abstammung weiss Mario Kübler nichts, «aber an den Farben an muss sie eine Normande-Kreuzung sein, eher klein, eine Zweinutzungsrasse mit Horn.»

Familientier mit Mutterinstinkt
«Blüemli war bis ins hohe Alter aktiv, 2007 kalbte sie das letzte Mal, seit 2009 wird sie nicht mehr gemolken, sie geniesst einfach noch ihr Gnadenbrot bei uns», erzählt Mario Kübler. «Sie hat einen einzigartigen, umgänglichen Charakter». Immer wenn eine Kuh auf der Weide gekalbt hatte, sei Blüemli als erste dort gewesen und hätte Interesse gezeigt, «sie ist ein ausgesprochenes Familientier mit Mutterinstinkt – auch heute noch.» Zeitweise wurden vier Generationen Blüemli gemolken: Blüemli selbst, ihre Tochter sowie ihre Enkelin und Urenkelin. Sie hat schätzungsweise 15 Mal gekalbt. Eine ihrer direkten Nachkommen, die achtjährige Bella, steht ebenfalls im Stall von Küblers.

Täglich Hafer und Silomais
Seit einem Jahr geniesst Blüemli eine Einzelbox «mit Aussicht», sie ist quasi in ihre Altersresidenz gezogen. Dies zu ihrer Sicherheit, sie wäre sonst in der Herde drunter gekommen, «sie ist halt nicht mehr die Schnellste». Gras mag sie nicht besonders. Aber sie liebt ihre tägliche Ration Hafer und Silomais.»
Bis vor kurzem ging sie mit den Kühen raus auf die Weide. Heute nimmt sie es gemächlicher, dreht auf dem Hofplatz ihre Runde und geht wieder in ihre Box.
«Speziell an ihr war, dass sie immer zuerst viermal muhte, wenn sie jeweils nach draussen kam», erzählt Mario Kübler. «Wenn sie aufsteht, dann knacksen zwar ein wenig ihre Gelenke wie bei uns Menschen ja auch, aber im Kopf ist sie noch voll da». Mario Kübler weiss: «Wenn sie Schmerzen bekommt, dann erlösen wir sie.» Bis dahin dreht sie täglich ihre Runde und lässt sich das Futter schmecken.


Salome Preiswerk Guhl




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