Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Eine Käserei mit Zukunft

Ausgabe Nummer 32 (2015)

Bei der kürzlichen Besichtigung der Tilsiter- Käserei der Familie Koch in Dozwil war unter anderem im anschliessenden Podium die Verkäsungszulage ein viel diskutiertes Thema. Diese Zulage bildet eine wichtige Stütze der Milchwirtschaft und soll zumindest vorläufig beibehalten werden.

Am Mittwochabend nutzten zahlreiche Interessierte die Möglichkeit, sich die Käserei der Familie Koch in Dozwil genauer anzuschauen. Der Anlass wurde von der BDP TG organisiert. Neben den Nationalratskandidierenden der BDP, Karin Peter Kis, Roland A. Huber, Kolumban Helfenberger, Andreas Guhl und Martin Huber, nahmen am anschliessenden Podium Klemenz Somm (GLP) und Josef Gemperle (CVP) als Gäste teil. Unter der Moderation von Martin Huber entspann sich eine engagierte Diskussion um die Zukunft von Käsereien als Familienbetriebe, die Energieaussichten und Frauenpower. Im Zusammenhang mit der Wirtschaftlichkeit einer Käserei wurde auch die aktuelle Stützung des Milchpreises um 15 Rappen angesprochen. Inhaber Paul Koch machte klar, dass diese 15 Rappen nicht den Käse verbilligen, sondern direkt an die Milchproduzenten weitergehen. Somm sieht in der Verkäsungszulage eine verdeckte Exportsubvention, es sei unklar, wie lange sich der gewünschte Effekt solcher Massnahmen halte. Helfenberger findet die Massnahme gerechtfertigt, sie müsse aber transparent sein. Martin Huber unterstrich die unterstützende Bedeutung der Zulage für die Milchwirtschaft. Gemperle wies darauf hin, dass Landwirte und Käser in den letzten Jahren schon sehr viel unternommen und ihre Produktion den immer wieder wechselnden politischen Forderungen angepasst haben, aber die Politik sei nicht nachhaltig. Es werden ständig neue Richtungen eingeschlagen und die Agrarpolitik 2014 bis 2017 arbeite gar gegen die Landwirtschaft. Die 15 Rappen stützen die Produktion noch, doch gingen die Exporte bei Tilsiter und Emmentaler massiv zurück, mehr als bei anderen Sorten, obwohl die Käsepreise gleich seien wie vor 20 Jahren. Karin Peter Kis gab zu bedenken, ob es nicht dennoch sinnvoll wäre, in der Landwirtschaft vermehrt auf den Export zu setzen, schliesslich seien die Schweizer Produkte von extrem hoher Qualität, wie bei der Vergleichsverkostung mit deutschen und österreichischen Tilsitern soeben wieder festgestellt worden sei. Nicht alle richten sich allein nach dem Preis.
Beim Thema Energie waren sich alle einig, dass Veränderungen unabdingbar sind. Allerdings gab es zum einzuschlagenden Weg unterschiedliche Voten. Es standen Kostenfrage und Effizienz im Vordergrund. Käser Koch als auch die anwesenden Landwirte nutzen aktuell Mischsysteme, wobei sie ihre konventionellen Energieträger (zum Beispiel Erdgas) mit Holz aus dem eigenen Wald ergänzen.
Mit Frauenpower war natürlich Kerstin Koch angesprochen, die im Juni ihre Lehre als Milchtechnologin abschloss. Sie möchte später die Käserei übernehmen, was besonders auch den anwesenden Gemeindepräsidenten Bruno Germann freut, weil damit der Betrieb in der Gemeinde erhalten bleibe. Auch sei das Dorf froh um den von Elsbeth Koch in der Käserei betriebenen kleinen Laden.


Karin Peter Kis

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