Ausgabe Nummer 5 (2006)

zurück zur Übersicht

Eine saubere Sache!

Nachhaltige Technologien in der Landwirtschaft

Eine saubere Sache!


Biogasanlage Jakob Winzeler,
Thayngen. (Bild: Martin Meyer,
Schlattingen)

Am 19. Januar lud der Agro Beratungsverein Rheinklingen unter der Leitung von Heinz Brauchli zur Winterexkursion nach Thayngen ein. 48 Interessierte nahmen an dem Anlass teil. Auf dem Programm standen Besuche auf drei Landwirtschaftsbetrieben, die in den letzten Jahren in nachhaltige Technologien in-vestiert haben. Ausserdem stellte Otto Wartmann die Genossenschaft Ökostrom Schweiz vor, und Marcel Fringer, Gemeinderat von Thayngen, referierte zum Thema, was es für eine Energiestadt braucht. Aufgrund der hohen Energiepreise sind Themen rund um erneuerbare Energien aktueller den je. Nachdem der Nationalrat in der Herbstsession 2005 einer kostendeckenden Vergütung von Strom aus erneuerbaren Energien zugestimmt hat, wird nun noch der Ständerat in der kommenden Frühlingssession darüber entscheiden müssen.

Die Energiestadt Thayngen machts möglich

In Thayngen setzt man sich mit der Energiediskussion schon länger auseinander. Bereits seit über zehn Jahren wird der Energieverbrauch gemeindeeigener Bauten konsequent erfasst und ausgewertet. Der Energieverbrauch der öffentlichen Bauten wurde in dieser Zeit um über 40 Prozent gesenkt. Vom verbleibenden Energieverbrauch stammen über 20 Prozent aus verschiedenen, erneuerbaren Energiequellen. Thayngen betreibt eine aktive, vielseitige Öffentlichkeitsarbeit: finanzielles Förderprogramm, öffentliche Veranstaltungen, Aktionen und Kampagnen. Thayngen wurde 2003 das Label Energiestadt verliehen. Seither muss sich die Gemeinde regelmässigen Audits unterziehen.
Diese Umstände haben unter anderem dazu geführt, dass es in Thayngen innovative Landwirte gibt, die neben konventionellen Produkten auch Energie produzieren.

Eigenes Rapsöl für den VW Diesel oder den Hoflader und Strom vom Hofdach

Hansueli Bernath betreibt schon seit längerer Zeit eine Ölpresse zur Herstellung von kaltgepressten Ölen. Gepresst werden Raps und Sonnenblumen. Das Rapsöl wird einerseits für Speisezwecke, andererseits als Treibstoff für den eigenen VW Lupo und den Hoflader verwendet. Auf dem VW wurde ein Elsbett-Umbausatz montiert. Dieser besteht aus einer Durchlaufheizung und einer zusätzlichen Filteranlage, sodass das Fahrzeug im reinen Rapsölbetrieb gefahren werden kann. Auch Thomas Böhni von der Energie- und Umwelt GmbH in Frauenfeld hat Erfahrung mit dem Einsatz von Pflanzenöl. Er erklärte den Teilnehmern und Teilnehmerinnen, dass er mit seinem VW Passat im reinen Pflanzenölbetrieb schon über 220 000 km gefahren ist.
Bernaths Hoflader wurde nicht umgebaut, weshalb der Motor mit einem Diesel-Rapsölgemisch betrieben wird.
Unter dem Dach die Rapsölpresse, auf dem Dach die Photovoltaikanlage. Ein grosser Teil der Scheunendächer ist mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet, die Strom in das örtliche Netz einspeisen. Für die Photovoltaikanlagen erhielt Familie Bernath Förderbeiträge vom Kanton Schaffhausen sowie von der Gemeinde Thayngen, wodurch es ermöglicht wurde, die Anlage rentabel zu betreiben.

Energie aus Kuhmist

Ein Pionier in Sachen Biogasanlagen ist Hanspeter Neukomm. Seine Anlage wurde im Jahr 1998 gebaut und wurde ursprünglich mit einem 65-kW-Blockheizkraftwerk (BHKW) betrieben. Später kam noch eine 100-kW-Anlage dazu. Vergärt wird hier Schweinegülle, Getreidemühlenabfälle, Panseninhalte und andere Kosubstrate. Um die Abwärme des BHKW optimal nutzen zu können, hat Neukomm einen 60-m3-Heisswasserspeicher gebaut. Mit der Abwärme des BHKW betreibt er auch eine Getreidetrocknungsanlage.
Neuere Anlagen werden optimalerweise zusammen mit einer Holzschnitzelfeuerung kombiniert; so die Anlage von Jakob Winzeler. Diese wurde Ende 2004 in Betrieb genommen. Das BHKW hat eine Leistung von 100 kW. Die Wärmeleistung der Biogasanlage beträgt rund 125 kW und liefert somit die Grundauslastung für das Fernwärmeheiznetz. Die Spitzenlast wird mit einer Holzschnitzelfeuerung abgedeckt, die aus einem 100-kW- und
einem 500-kW-Kessel besteht. Die Anlage ist Bestandteil eines Forschungsprogramms des Bundesamtes für Energie, bei dem es darum geht, die Kombination Biogas-BHKW und Holzfeuerung zu untersuchen.

Genossenschaft Ökostrom Schweiz – die Organisation der Biogasanlagenbetreiber

Die Biogasanlagenbetreiber sind organisiert in der Ökostrom Schweiz. Diese Organisation unterstützt Landwirte bei der Planung von Biogasanlagen, vermarktet den Biogasstrom vom Bauernhof und übernimmt gleichzeitig eine führende Rolle bei der Koordination von Biomasse. Die Ökostrom Schweiz hat heute über 20 Mitglieder, und neue kommen laufend dazu. Verkauft werden 4 Millionen kWh Biogasstrom an 1000 Haushalte in der ganzen Schweiz.
Der Präsident, Otto Wartmann, wies darauf hin, bei der Planung einer solchen Anlage unbedingt früh genug mit der Ökostrom Schweiz Kontakt aufzunehmen.

Die Betriebsberatung des LBBZ Arenenberg bietet Unterstützung

Seit ungefähr zwei Jahren leitet die Beratung eine Gruppe der Agroberatung Thurgau, die sich mit nachhaltigen Projekten auseinander setzt. Ein Meilenstein war bisher das Entwickeln des neuen Siloballenfolienrecyclingsystems recypac®, zusammen mit der MBR Thurgau AG.

Michael Dubach, LBBZ Arenenberg, Fachstelle, Betriebsberatung und Landtechnik